Historischer Überblick

Die moderne Trans­­plantations­­medizin kann heute auf eine lange und ein­drucks­­volle Historie zurück­blicken. Mehr als 130 Jahre sind bereits ver­gangen, seit­dem das erste mensch­liche Gewebe ver­pflanzt wurde. Seit über 60 Jahren werden erfolg­reich Organ­­trans­plantationen durchgeführt. Noch heute ent­wickelt sich die Trans­­plantations­­medizin stetig weiter, um die medizinische Ver­sorgung von Patienten noch weiter zu verbessern.

 Meilensteine in der Transplantation

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1883

Erste Verpflanzung von menschlichem Gewebe

Der Schweizer Chirurg Theodor Kocher verpflanzte erstmals 1883 Schilddrüsengewebe in einen Patienten, bei dem eine operative Entfernung der gesamten Schilddrüse vorgenommen wurde. Dieser Eingriff bildete die erste Organtransplantation im modernen Sinne.

1906

Erste Transplantation von tierischem Nierengewebe in Menschen

Im Jahr 1906 transplantierte Mathieu Jaboulay die Nieren von Schweinen und Ziegen in Menschen. Diese sogenannte Xenotransplantation, bei der Organe oder Gewebeteile in ein Lebewesen einer anderen Art verpflanzt werden, blieb allerdings ohne Erfolg.

1933

Erste Nierentransplantation beim Menschen

Der sowjetische Chirurg Yuriy Yurievich Voronoy führte 1933 die erste Mensch-zu-Mensch-Transplantation durch. Diese und weitere Transplantationsversuche des Chirurgen blieben allerdings erfolglos. Dem Misserfolg lag vermutlich die verzögerte Verpflanzung des Spenderorgans nach dem Eintreten des Todes sowie das Blutgruppen-Missverhältnis zugrunde.

1943/1944

Fortschritte zum Verständnis der immunologischen Zusammenhänge bei der Transplantation

Der plastische Chirurg Tom Gibson und der Zoologe Sir Peter Brian Medawar fanden in Studien an Menschen und Kaninchen heraus, dass Fremdgewebe vom Immunsystem des Empfängers als fremd erkannt und deswegen abgestoßen wird. Transplantatempfänger bilden Antikörper gegen das Transplantat, es sei denn, sie waren schon früher in ihrem Leben mit einem ähnlichen Fremdgewebe in Kontakt gekommen (Zellgedächtnis).

1954

Erste erfolgreiche Nieren­transplantation dank Lebendspende

Mit der ersten erfolgreichen Organtransplantation wurde ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Transplantation gelegt. Am 23. Dezember umging der amerikanische Chirurg Joseph Murray die Hürde der Abstoßungsreaktion, indem er eine Nierentransplantation an eineiigen Zwillingen mit identischem Erbmaterial durchführte.

1958

Entdeckung der HL-Antigene

Jean Dausset entdeckte die sogenannten humanen Leukozyten-Antigene (HLA), Strukturen auf weißen Blutkörperchen (Leukozyten), anhand derer das Immunsystem körperfremd von körpereigen unterscheiden kann. Der französische Hämatologe lieferte dadurch wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Beherrschung von Abstoßungsreaktionen.

1959

Erste erfolgreiche Nieren­transplantation bei Patienten mit unter­schied­lichem Erbgut

Einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der Transplantation setzte J. Murray durch die erste erfolgreiche Nierenlebendspende bei zweieiigen Zwillingen mit unterschiedlichem Erbgut. Er verabreichte Kortison und führte eine Ganzkörper-Röntgenbestrahlung durch, um Abstoßungsreaktionen zu verhindern.

1962

Erste Transplantation der Niere eines Verstorbenen

Weiterhin gelang es dem Chirurgen J. Murray, die Niere eines Verstorbenen erfolgreich zu transplantieren und dank des immunschwächenden Medikaments Azathioprin die Funktionsfähigkeit zu erhalten.

1963

Erste Nierentransplantation in Deutschland

Die erste Nierentransplantation in Deutschland führten die Berliner Chirurgen Wilhelm Brosig und Reinhard Nagel am Klinikum Berlin-Steglitz durch. Die Patientin verstarb allerdings sechs Tage nach der Transplantation an den Folgen einer Schädigung der neuen Niere.

1967

Erste erfolgreiche Lebertransplantation

Nach anfänglichen Fehlversuchen gelang dem US-amerikanischen Chirurgen Thomas E. Starzl am 23. Juli schließlich die erste erfolgreiche Lebertransplantation.

1967

Gründung von Eurotransplant

Jon J. van Rood gründete die Stiftung Eurotransplant zur besseren und zentralisierten Vermittlung von Organen und Spendern in Europa.

1984

Entdeckung von Tacrolimus

Tacrolimus – eine Substanz, welche die Funktion des Immunsystems unterdrückt (Immunsuppressivum) – wurde erstmals aus dem japanischen Fleckpilz Streptomyces tsukubaenisis gewonnen.

1993/1996

Genehmigung von Tacrolimus in Japan

Tacrolimus wird erstmals als Immunsuppressivum nach einer Leber- bzw. Nierentransplantation von den Behörden in Japan genehmigt.

1997

Inkrafttreten des Transplantationsgesetzes

Am 1. Dezember trat in Deutschland das Transplantationsgesetz in Kraft.

2012

Reform der Organspende-Regelung (Entscheidungslösung)

Mit dem neuen Gesetzeserlass am 1. November bekommen Krankenversicherte ab 16 Jahren alle zwei Jahre die Möglichkeit, sich für oder gegen eine Organspende nach dem Tod zu entscheiden. Die Entscheidung ist jederzeit umkehrbar und soll helfen, die Verfügbarkeit von Spenderorganen zu erhöhen.

2016

Einführung des Transplantationsregisters

Zur Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung trat das Gesetz zur Errichtung eines Transplantationsregisters in Kraft. Dieses enthält bundesweit alle medizinisch relevanten Daten von Patienten, die jemals Organe gespendet oder empfangen haben.