Alle Arten der Transplantation im Überblick – Gewebe- und Organtransplantationen

Alle Arten der Transplantation im Überblick - Gewebe- und Organtransplantationen

Arten von Transplantationen

Wenn ein lebens­notwendiges Organ nicht mehr funktioniert und alle Wiederherstellungs­maßnahmen ausgeschöpft sind, bietet eine Transplantation eine gute Chance, die Lebens­erwartung und -qualität zu erhöhen. Allgemein versteht man unter dem Wort Transplantation die Verpflanzung von Zellen, Geweben oder Organen an eine andere Körper­stelle oder in einen anderen Organismus. Dabei wird unterschieden, ob die Transplantation zwischen dem­selben oder einem genetisch gleichen Organismus, derselben Spezies oder zwischen unter­schiedlichen Spezies statt­findet:

Allogene Transplantationen

Allogen (allo, griech. = anders, fremd; gen, griech. = Herkunft) bedeutet so viel wie „aus anderer Herkunft – d.h. als eine allogene Transplantation wird eine Transplantation bezeichnet, bei der Zellen, Gewebe oder Organe eines Individuums auf ein anderes (genetisch nicht identisches) Individuum übertragen werden. Dies ist die wohl häufigste Art der Transplantation.1

Syngene oder Isogene Transplantationen

Im Gegensatz zur allogenen Transplantation werden bei einer syngenen Transplantation [von griech. syggenēs = verwandt] Zellen, Gewebe oder Organe zwischen genetisch identischen Individuen (z.B. eineiigen Zwillingen) übertragen.2

Xenogene Transplantationen

Wird eine Transplantation zwischen zwei verschiedenen Spezies durchgeführt, z.B. bei Transplantation eines Schweine­herzens in einen Menschen, so spricht man von einer xenogenen Transplantation. Tatsächlich wird dies aber nur in sehr seltenen Einzel­fällen durch­geführt und bisher auch ohne lang­fristigen Erfolg, da die immunologischen Barrieren sehr hoch sind.3

Spende­verfahren

Die Art der Transplantation ist nicht nur davon abhängig, welches Organ bzw. Gewebe transplantiert wird, sondern auch, ob das Transplantat einem*einer lebendigen oder bereits verstorbenen Spender*in entnommen wird. Organ­transplantationen können post­mortal, also nach Ableben der spendenden Person, oder als Lebend­spende erfolgen. Die häufigere Variante ist die Organ­spende nach dem Tod. Folgende Voraussetzungen müssen zur post­mortalen oder Lebend­spende erfüllt werden:

Post­mortale Spende

  • Nachweis des Hirn­todes und eines aufrecht­erhaltenen Herz-Kreislauf-Systems (durch zwei Ärzt*innen unabhängig voneinander fest­gestellt)
  • Zustimmung zur Organ­spende (ggf. durch Angehörige)
  • Ausschluss von Infektionen und Krebs­erkrankungen
  • Funktions­fähigkeit des Spender­organs

Lebend­spende

  • Verwandte 1. oder 2. Grades, Lebens­partner*in oder nahe­stehende Person mit eindeutigem emotionalem Bezugs­verhältnis
  • Zustimmung zur Organ­spende
  • Überprüfung der Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit der Spende durch die Lebend­spende-Kommission4
  • Ausschluss von Infektionen und Krebs­erkrankungen
  • Nur Spende von Organen zulässig, die doppelt angelegt sind (z. B. Nieren), oder von denen nur ein Teil gespendet wird (z. B. Leber)

Organ­transplantationen

Heut­zutage kann dank enormer medizinischer Fort­schritte eine Viel­zahl von Organen und Geweben transplantiert werden. Zu den transplantierbaren Organen gehören neben den Nieren auch die Leber, das Herz, die Bauchspeichel­drüse, die Lunge und der Dünn­darm. Aber auch die Transplantation von einzelnen Zellen oder Geweben ist möglich: Hierzu zählen Blut­gefäße, die Ei­haut der Frucht­blase, Haut, Herzk­lappen, die Horn­haut der Augen, Knochen, Sehnen und Bänder.

Herz­transplantation

Die Herz­transplantation ist ein komplexer Eingriff, bei dem das kranke Herz des Empfängers durch das gesunde Herz eines Spenders ersetzt wird. Diese Prozedur wird oft bei schweren Herz­insuffizienzen oder angeborenen Herz­fehlern angewendet, wenn alle anderen Möglichkeiten zur Verbesserung des Gesundheits­zustandes ausgeschöpft sind. Übergangs­weise kann ein mechanisches Herz dabei helfen, die Warte­zeit auf ein passendes Organ zu über­brücken.5

Lungen­transplantation

Kommt es zu einem Lungen­versagen, stellt in den meisten Fällen die Lungen­transplantation die letzte Therapie­möglichkeit dar. Dabei kann ein Lungen­versagen durch eine Viel­zahl an Erkrankungen ausgelöst werden. Dazu zählen chronisch obstruktive Lungenerkrankungen (COPD), Mukoviszidose, Lungen­fibrosen oder auch Lungen­ödeme. Eine Transplantation der Lunge kann sowohl ein­seitig (uni­lateral) sowie beid­seitig (bi­lateral) durch­geführt werden, beides findet etwa gleich häufig statt. Im ersten Falle erhalten die Patient*innen einen neuen Lungen­flügel und behalten einen eigenen, im zweiten Fall wird die gesamte Lunge ersetzt.8

Nieren­transplantation

Nieren­schädigungen, beispiels­weise verursacht durch Diabetes oder Blut­hochdruck werden immer häufiger. Aber auch chronische oder genetisch bedingte Nieren­erkrankungen können zum Nieren­versagen führen. Eine Dialyse kann dabei zunächst die Aufgaben der Nieren ersetzen. Um die Lebens­dauer und -qualität der Patient*innen zu verbessern, ist jedoch in den meisten Fällen eine Nieren­transplantation not­wendig. Aktuell ist die Nieren­transplantation ist eine der häufigsten Formen der Organ­transplantation und leider auch die mit der längsten Wartezeit.6 Ein*e Spender*in spendet eine oder beide Nieren an eine*n Empfänger*in mit Nieren­versagen. Eine Nieren­spende kann dabei post­mortal oder auch als Lebend­spende erfolgen.

Leber­transplantation

Da die Leber lebens­wichtige Aufgaben im Körper erfüllt, sind ein akutes Leber­versagen bzw. chronische Leber­erkrankungen die zum Leber­versagen führen, lebens­bedrohlich. Die Leber­transplantation ist dabei der einzig mögliche lebens­rettender Eingriff. Die Chirurg*innen ersetzen die geschädigte Leber des/der Empfänger*in durch eine gesunde Spender­leber. Teilweise Leber­transplantationen, bei denen nur ein Teil der Leber transplantiert wird, sind ebenfalls möglich (häufig als Split- oder Leberlebendspende).7

weitere Organ­transplantationen

Neben den bereits genannten Organen können auch der Dünn­darm, sowie die Bauchspeichel­drüse (Pankreas) transplantiert werden. Der Dünn­darm kann aufgrund sogenannter Kurzdarm­erkrankungen stark verkürzt sein. Dies führt zu einer Störung der Nahrungs­aufnahme, so dass es zu einer Unter­versorgung mit Nähr­stoffen, Vitaminen und Flüssigkeit kommt. Eine Dünndarm­transplantation stellt hier die mitunter einzige Therapie­form dar. In den meisten Fällen ist bei Patient*innen mit Kurzdarm­syndrom aufgrund der langen künstlichen Ernährung und der daraus resultierenden Folge­erkrankungen die Transplantation weiterer Organe (Niere, Leber) erforderlich.9 Die Bauchspeichel­drüse wird in den häufigsten Fällen bei Patient*innen mit Diabetes mellitus Typ 1 transplantiert, die zeitgleich an Nieren­versagen leiden und daher Dialyse­pflichtig sind. Daher findet diese Transplantation normaler­weise immer in Kombination mit einer Nieren­transplantation statt.10

Gewebe­transplantationen

Neben der Transplantation von Organen ist auch die Transplantation von Geweben möglich. Dazu zählen Knochenmark- bzw. Blutstammzellen, Knochen und Weichteil­gewebe, die Horn­haut der Augen, Herz­klappen, Blut­gefäße sowie Haut und Ei­haut. Eine Gewebe­transplantation kann durch eine Viel­zahl an Ursachen erforderlich werden, wie etwa Erkrankungen oder Infektionen, aber auch Unfälle.11 Bis auf wenige Ausnahmen sind Gewebe­spenden post­mortale Spenden, eine Ausnahme bilden z.B. Blut­stammzellspenden.

Knochenmark-/ Blutstammzelltransplantation

Bei der Knochenmark- bzw. Blutstammzelltransplantation werden in beiden Fällen Blut­stammzellen transplantiert, je nach Verfahren werden die Zellen dabei aber unterschiedlich gewonnen: Das bekannteste Verfahren ist wahrscheinlich die Knochen­markspende, bei der unter Vollnarkose mit einer großen Hohl­nadel aus dem Beckenkamm des Spenders Knochen­mark gewonnen wird. Glücklicherweise ist es heute in den meisten Fällen weitaus weniger aufwendig: die Blut­stammzellen können mittels einer der Dialyse ähnlichen Prozedur (Stammzell­apherese) aus dem Blut des Spenders gewonnen werden.12

Augenhornhaut­transplantation

Pro Jahr werden ca. 9000 Augen­hornhäute transplantiert – ein medizinischer Routine­eingriff, der die Lebens­qualität der Empfänger*innen maß­geblich beeinflusst. Der durch Erkrankungen oder Verletzungen der Horn­haut verursachte Seh­verlust der Patient*innen kann durch die Transplantation weitest­gehend wieder rück­gängig gemacht werden. Zudem ist die Gabe von Immun­suppressiva i.d.R. nicht notwendig, da das Immun­system das Transplantat nicht als körper­fremd identifiziert und somit nicht keine Abstossungs­reaktion statt­findet.13

Haut­transplantation/ Eihaut­transplantation

Bei schweren Verbrennungen oder anderen groß­flächigen Verletzungen der Haut kann eine Transplantation von Spender­haut lebens­notwendig sein. Bei der Transplantation wird die gespendete Haut entnommen und die Wunde des/der Empfänger*in damit bedeckt, um den Selbstheilungs­prozess der Eigen­haut zu unterstützen. Während der Schwanger­schaft umgibt den Embryo eine Haut, das sogenannte Amnion, die Ei­haut der Frucht­blase. Wird das Baby per Kaiserschnitt entbunden, kann die Eihaut, die über schmerz­reduzierenden und wundheilungs­fördernde Eigenschaften verfügt, gespendet werden. Genutzt wird diese als Übergangs­therapie bei Verletzungen der Augenbinde- oder Hornhaut, aber auch bei Brandwunden bei Kindern.14

weitere Gewebe­transplantationen

Knochen­transplantationen werden bei Knochen­defekten oder -verlusten durch­geführt. Der Spender­knochen oder künstliche Knochen­ersatz wird in den defekten Bereich implantiert, um die Struktur und Funktion wiederherzustellen.15 Blutgefäß­transplantationen, auch als Gefäß­ersatz bekannt, werden eingesetzt, um beschädigte Blut­gefäße zu ersetzen. Dies ist wichtig bei Arterien- oder Venenerkrankungen, die den Blut­fluss be­einträchtigen.16

Fazit

Die Organ- und Gewebetransplantation hat einen tief­greifenden Einfluss auf die Medizin und die Lebens­qualität der Patient*innen. Von Nieren- bis zu Herz­transplantationen haben diese Eingriffe zahl­reichen Menschen eine zweite Chance im Leben gegeben. Trotz Fort­schritten stehen der Organ­mangel und ethische Überlegungen im Mittel­punkt der Heraus­forderungen. Die Zukunft der Organtransplantation verspricht jedoch weitere Innovationen, von der Regenerativen Medizin über den 3D-Druck bis zur Xeno­transplantation, die die Landschaft dieser lebens­rettenden Verfahren revolutionieren könnten. Es bleibt zu hoffen, dass diese Fortschritte die Verfügbarkeit von Spender­organen erhöhen und die Erfolgs­raten weiter verbessern, um die Lebens­qualität der Patient*innen zu maximieren.
  1. https://flexikon.doccheck.com/de/­Allogene_Transplantation (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  2. https://flexikon.doccheck.com/de/­Syngene_Transplantation (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  3. https://flexikon.doccheck.com/de/­Xenogene_Transplantation (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  4. https://www.organspende-info.de/lebendorganspende/voraussetzungen/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  5. https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/herztransplantation/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  6. https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/nierentransplantation/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  7. https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/lebertransplantation/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  8. https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/lungentransplantation/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  9. https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/duenndarmtransplantation/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  10. https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/bauchspeicheldruesentransplantation/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  11. https://www.organspende-info.de/gewebespende/transplantierbare-gewebe/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  12. https://www.transplantation-verstehen.de/spezialthemen/allogene-blutstammzelltransplantation/einleitung#:~:­text=Bei%20einer%20­Knochenmarktransplantation%20(KMT)%20­oder,sich%20im%20Inneren%20der%20Knochen. (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  13. https://www.organspende-info.de/gewebespende/transplantierbare-gewebe/augenhornhaut/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  14. https://www.organspende-info.de/gewebespende/transplantierbare-gewebe/hautgewebe-und-eihaut-der-fruchtblase/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  15. https://www.organspende-info.de/gewebespende/transplantierbare-gewebe/knochen-und-weichteilgewebe/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)
  16. https://www.organspende-info.de/gewebespende/transplantierbare-gewebe/blutgefaesse/ (zuletzt abgerufen am: 16.05.2024)

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