Welche Organe oder Gewebe können gespendet werden?

Rund 65 Jahre sind seit der ersten erfolgreichen Nieren­transplantation im Jahr 1954 vergangen. Heutzutage ist es dank der enormen medizinischen Fort­schritte möglich, auch eine Vielzahl weiterer Organe zu trans­plantieren. Zu den trans­plantier­baren Organen gehören neben den Nieren die Leber, das Herz, die Bauch­speichel­drüse, die Lunge und der Dünndarm (links in der Ab­bildung). Auch einzelne Zellen oder Gewebe können transplantiert werden. Hierzu zählen Blut­gefäße, die Eihaut der Frucht­blase, Haut, Herz­klappen, die Horn­haut der Augen, Knochen oder Sehnen und Bänder (rechts in der Ab­bildung).

Überblick transplantierbarer Organe und Gewebe

Icons from www.flaticon.com, made by Freepik, Iconnice & Smashicon

Welche Arten von Organ­spenden gibt es?

Spenderorgane können von Verstorbenen (post­mortale Spende) oder von lebenden Personen (Lebend­spende) stammen.

Am häufigsten wird eine Organ­trans­plan­tation nach dem Tod durchgeführt. Hierfür kommen aus­schließlich Personen infrage, bei denen der unum­kehr­bare Aus­fall der gesamten Hirn­aktivi­täten von zwei Ärzten unabhängig voneinander gesichert fest­gestellt wurde. Wichtig ist, dass das Herz-Kreis­lauf­system nach fehl­geschlagenen Re­habili­tations­ma­ßnahmen künstlich auf­recht­erhalten wurde. Der alleinige Nachweis eines Herz- und Atem­still­standes ist kein aus­reichendes Todes­anzeichen.

Weitere Voraus­setzungen für die Organ­trans­plantation sind der Aus­schluss von Infektionen und Krebs­erkrankungen sowie die volle Funktions­fähig­keit des Organs. In Deutschland ist zudem die Zu­stimmung des Spenders vor dem Tod ver­pflichtend. Die Über­lassung aller Organe oder Gewebe ist jedoch frei­willig. Falls keine Zustimmung vorliegt, müssen Angehörige den mut­maßlichen Willen des Ver­storbenen mitteilen. Mit­hilfe des Organ­spende­ausweises können sich alle Menschen in Deutschland schriftlich dazu bereit erklären oder wider­sprechen, als potenzieller Spender im Todes­fall zur Ver­fügung zu stehen. Diese Ent­scheidungen sind nicht bindend und können jeder­zeit wider­rufen werden.

Für die Organ­trans­plantation lebender Spender müssen noch weitere Voraus­setzungen erfüllt werden. Gemäß Trans­plan­tations­gesetz dürfen Lebend­spenden aus­schließlich bei Verwandten ersten oder zweiten Grades oder Personen durchgeführt werden, die sich nach­gewiesener­maßen sehr nahe stehen (z.B. Ehe­gatte). Zudem kommen nur Organe in­frage, die doppelt angelegt sind (Nieren) bzw. bei denen nur ein Teil (z.B. Leber) gespendet werden kann. Bei er­wachsenen Patienten wird nach Ent­fernung der funktions­losen Leber der rechte Leber­lappen des Spenders trans­plantiert. Die Leber ist sehr re­gen­erations­fähig, sodass sowohl das ver­bleibende Leber­teil­stück beim Spender als auch die trans­plan­tierten Teile des Organs beim Empfänger innerhalb kurzer Zeit die volle Größe und Funktion wieder­erlangen.

Da ein Mensch auch mit nur einer funktions­tüchtigen Niere häufig ohne Ein­schränkungen überlebens­fähig ist, besteht die Mög­lichkeit einer Nieren-Lebend­spende. Dabei werden die Nieren des Organ­empfängers nicht entfernt, sondern eine Niere des Spenders an einer anderen Stelle im kleinen Becken des Empfängers transplantiert.

Sind alle not­wendigen psycho­logischen und medizinischen Unter­suchungen erfolgt, muss der Lebend­spende durch eine Lebend­spende-Kommission zu­gestimmt werden. Aufgabe der Kommission ist es, die Frei­willig­keit der Spende fest­zu­stellen und illegalen Organ­handel aus­zuschließen. Bei der Lebend­spende wird mit der Operation des Spenders begonnen. Noch während der Organ­ent­nahme beim Spender beginnt etwas zeit­versetzt die Operation des Empfängers. Dies verkürzt die Zeit, die das Spender­organ außerhalb des Körpers und somit nicht durch­blutet ist, was gegenüber der post­mortalen Spende qualitative Vor­teile haben kann.