Das passende Spenderorgan ist gefunden: Von der Organspende zur Transplantation

Das passende Spenderorgan ist gefunden: Von der Organspende zur Transplantation

Wieso ist ein passendes Spender­organ wichtig?

Die sorg­fältige Auswahl von Spender­organen ist ein zentraler Aspekt der Transplantations­medizin. Je besser die Gewebe­merkmale von Spender und Empfänger überein­stimmen, desto höher ist die Chance auf eine erfolg­reiche Transplantation.1 Normaler­weise ist es die Aufgabe des Immun­systems, fremdes Gewebe oder Krankheits­erreger an­zugreifen. So wird auch das Transplantat über bestimmte Erkennungs­strukturen auf den Zellen des Organs – so genannte Anti­gene – als fremd identifiziert. Dieser Vorgang wird als Abstoßungs­reaktion bezeichnet.1-3 Daher ist eine möglichst große immunologische Verträglichkeit, d. h. die Über­einstimmung der Gewebe­merkmale zwischen Spender*in und Empfänger*in, essenziell. Insbesondere eine Über­einstimmung der humanen Leukozyten-Antigene (HLA) ist ausschlag­gebend.3 Eine geringere Immun­reaktion führt dazu, dass das transplantierte Organ besser vom Körper angenommen und dadurch das Risiko einer Abstoßung sowie weiterer Komplikationen reduziert werden. Zudem haben Organe, die gut zum Immun­system des Empfängers oder der Empfängerin passen, tendenziell eine längere Funktions­dauer. Somit sind die Chancen für einen lang­fristigen Transplantations­erfolg und eine gute Lebens­qualität deutlich höher.3 Nicht zuletzt ist es auch in Anbetracht der begrenzten Verfügbarkeit von Spender­organen wichtig, dass die Organe denjenigen zugeteilt werden, bei denen die beste Überein­stimmung und damit die höchste Erfolgs­aussicht besteht (je nach Organ muss natürlich hier auch die Dringlichkeit der gelisteten Patient*innen beachtet werden).

Wie kommt das Spender­organ zum Empfänger bzw. zur Empfängerin?

Patient*innen, die ein Spender­organ benötigen, werden einem Transplantationszentrum gemeldet und dort auf eine Warte­liste gesetzt. Die Daten der Wartelisten­patient*innen werden dann vom Transplantations­zentrum an Euro­transplant übermittelt.4,5 Euro­transplant ist eine gemein­nützige Organisation, die für die gerechte und effiziente Zuteilung von Spender­organen (Allokation) in mehreren europäischen Ländern, u. a. Deutschland, zuständig ist.5 Anhand fest­gelegter Regeln wird dort die Reihen­folge, in der die Organe vermittelt werden, bestimmt. Die Zuweisung basiert auf medizinischen Kriterien und einer eigens erstellten Rang­liste für jedes Organ. Durch dieses Vorgehen wird Transparenz und Gerechtigkeit gewähr­leistet. Dabei spielt neben einer guten Über­­einstimmung der Gewebe­­merkmale die Dringlichkeit der Transplantation und die Warte­zeit der Patient*innen auf der Liste eine große Rolle.4 Zusätzlich sind auch das Alter und Gewicht der Patient*innen sowie die Dauer des Transports zwischen Entnahme­­krankenhaus und Transplantations­­zentrum (sog. Ischämie­zeit des Organs) relevant.6 Diese Rang­­liste ist daher nicht wie eine „Warte­schlange“ zu verstehen, in der jede*r Wartende eine feste Position hat, und wo es zu einem gleich­mäßigem Vorrücken auf eben­dieser Liste kommt.

Bei Veränderungen des Gesundheits­zustands der Patient*innen können die Daten vom Transplantations­zentrum jeder­zeit bei Euro­transplant aktualisiert werden. Ist ein Organ zugeteilt, wird das jeweilige Transplantations­zentrum informiert, welches wiederum den oder die Empfänger*in kontaktiert. Die Empfänger*innen sollten dann innerhalb der nächsten zwei bis drei Stunden am Transplantations­zentrum ankommen, um für die Operation vorbereitet werden zu können.5 Die Deutsche Stiftung Organ­transplantation (DSO) organisiert währenddessen den schnellstmöglichen Transport des Organs zum Transplantations­zentrum.26 Spezifische Informationen zum Ablauf der Transplantation von Leber oder Niere sowie weitere Informationen finden Sie in den Informationsbroschüren „Wissenswertes rund um Ihre Lebertransplantation“ bzw. „Wissenswertes rund um Ihre Nierentransplantation“.

Wie wird die Pass­genauigkeit zwischen Spender*in und Empfänger*in sicher­gestellt?

Zur Sicher­stellung der Pass­genauigkeit werden mehrere Tests durch­geführt, in denen die Blutgruppen­kompatibilität von Spender*in und Empfänger*in sowie die Gewebe­typen (z. B. HLA-Merkmale) bestimmt werden. Jeder Mensch besitzt eine von vier Blut­gruppen sowie einen individuellen Satz an HLA-Merkmalen.7,8 Im Ideal­fall sollten Blut­gruppe und Gewebe­typ von Spender*in und Empfänger*in genau über­einstimmen, allerdings ist eine perfekte Über­einstimmung sehr selten.8 Manchmal kann aufgrund der Schwere der Erkrankung nicht auf ein perfekt passendes Organ gewartet werden. In solchen Fällen wird auf Spender­organe zurück­gegriffen, wo keine optimale Über­einstimmung vorherrscht. Dank der zunehmenden Wirksamkeit der immun­suppressiven Medikamente, die das Immun­system in Schach halten, kann der Einfluss des Übereinstimmungs­grades auf den Transplantations­erfolg aber reduziert werden.5

Die Kriterien für ein passendes Spender­organ

Um die Über­einstimmung zwischen dem gespendeten Organ und der empfangenden Person zu bewerten, werden verschiedene immunologische Tests durchgeführt.

Blutgruppen­kompatibilität

Die Übereinstimmung der Blut­gruppen ist nicht nur für Blut­transfusionen, sondern auch für Organ­transplantationen entscheidend. Blut­gruppen werden nach dem AB0-System in vier Haupt­blutgruppen eingeteilt.7,8 Basierend auf den vorhandenen Antigenen auf der Ober­fläche der roten Blut­körperchen (Erythrozyten) werden die Blut­gruppen A, B, AB und 0 unterschieden. Personen mit Blut­gruppe A haben ein A-Antigen auf den roten Blut­zellen, Personen mit Blut­gruppe B ein B-Antigen. Träger*innen der Blut­gruppe AB verfügen über beide Antigene, während die Blut­gruppe 0 keine Anti­gene aufweist. Im Gegen­zug werden fremde Blutgruppen-Antigene durch spezialisierte Proteine, sogenannte Anti­körper, erkannt: Personen mit Blut­gruppe A haben Anti­körper gegen Blut­gruppe B und umgekehrt. Bei Blut­gruppe 0 liegen Anti­körper gegen die Anti­gene A und B vor, während Personen mit Blut­gruppe AB keine Anti­körper gegen andere Blut­gruppen haben. Empfänger*innen mit Blut­gruppe AB können somit Organe von allen Spender*innen bekommen, aber nur an Empfänger*innen mit Blut­gruppe AB spenden. Menschen mit Blut­gruppe 0 sind sogenannte „Universal­spender“ – sie können an alle Blut­gruppen spenden, dafür aber nur von der gleichen Blut­gruppe eine Spende erhalten.9

Abbildung 1: Blutgruppenkompatibilität (Quelle: transplantation-verstehen.de)

Eine Unverträglichkeit der Blut­gruppen wird als AB0-Inkompatibilität bezeichnet. Insbesondere bei einer Nieren­transplantation kann jedoch – nach Durch­führung spezifischer Maß­nahmen – eine Transplantation trotz Inkompatibilität durch­geführt werden (AB0-inkompatible Spende [AB0i-Spende]).10

Gewebe­typisierung

Humane Leukozyten-Antigene (HLA) helfen dem Immun­system zwischen eigenen und fremden Zellen zu unterscheiden. Eine höhere Überein­stimmung der HLA-Merkmale von Spender*in und Empfänger*in verringert das Risiko einer Abstoßungs­reaktion. Eine voll­ständige Pass­genauigkeit ist ideal, aber aufgrund der Komplexität und der genetischen Viel­falt nicht immer möglich. Eine HLA-Typisierung ermöglicht es, die genetische Übereinstimmung zwischen Spender*in und Empfänger*in zu bestimmen.11

Wichtige Schritte vor der Organ­transplantation

Immuno­logische Tests

Zur Blutgruppen­bestimmung sowie für die Gewebe­typisierung werden spezielle Labor­tests durchgeführt. Dafür werden zunächst eine Blut­probe und eine Gewebe­probe von Spender*in und Empfänger*in entnommen.

Ein Blutgruppen­test funktioniert durch die Reaktion der Blut­probe mit den spezifischen Anti­körpern gegen die Blutgruppen­antigene A und B. Wenn die Anti­körper an die Anti­gene auf den roten Blut­körperchen binden, kommt es zu einer sicht­baren Verklumpung. Je nachdem, welche Verklumpungen auftreten oder aus­bleiben, kann man sagen, welche Blut­gruppe jemand hat.12

Für die HLA-Typisierung werden aus den Proben die weißen Blut­körperchen (Lymphozyten) isoliert, da diese Zellen eine hohe Konzentration an HLA-Antigenen auf ihrer Ober­fläche haben. Dabei kann die Typisierung auf verschiedene Arten erfolgen.13

  1. Analyse des Blut­serums
    Dabei werden die weißen Blut­körperchen mit spezifischen Anti­körpern behandelt, die bekannte HLA-Anti­gene erkennen. Je nachdem welche Anti­körper gebunden werden, liegen unterschiedliche HLA-Typen vor.13
  2.  Analyse der Molekular­genetik
    Bei dieser Methode wird die DNA mithilfe spezieller Methoden untersucht. Dafür wird die Menge der DNA erst vervielfacht (Polymerase-Kettenreaktion [PCR]), damit anschließend die genaue Zusammen­setzung analysiert (Sequenzierung) werden kann. So erhält man Informationen über die HLA-Gene auf DNA-Ebene. Diese Methoden sind besonders präzise und können spezifische Varianten der HLA-Gene identifizieren.13, 14

Diagnostische Untersuchungen

Zusätzlich zu den immuno­logischen Tests müssen vor einer Organ­spende weitere Unter­suchungen durch­geführt werden, um den Gesundheits­zustand der Spender*innen und Empfänger*innen zu überprüfen.6 So wird nach der Ent­nahme das Spender­organ selbst detailliert untersucht. Dadurch kann zum Beispiel das Vorhanden­sein von Krebs­zellen aus­geschlossen werden. Organe von Spender*innen, die in der Vergangenheit Krebs hatten, werden nur verwendet, wenn die Über­tragung von Krebs­zellen aus­geschlossen werden kann.15,16 Lebend­spender*innen werden zusätzlich auf bestimmte Virus­infektionen (z. B. Epstein-Barr-Virus, Hepatitis B und C, HIV [Human Immunodeficiency Virus]) untersucht.15 Eine Transplantation kann trotz einer Virus­infektion durch­geführt werden. Das geht allerdings nur, wenn diese kontrollierbar ist, wobei der oder die Empfänger*in möglicher­weise anti­virale Medikamente einnehmen muss.15

Auch die Empfänger*innen werden auf Krebs und Infektionen untersucht. Darüber hinaus wird der allgemeine Gesundheits­zustand anhand von Blut­untersuchungen, bild­gebenden Verfahren (z. B. Röntgen­aufnahmen, Computer­tomographie-[CT]- oder Magnetresonanz­tomographie-[MRT-]Scans), Herz-Kreislauf-Tests und speziellen Organfunktions­prüfungen festgestellt. Da Empfänger*innen zum Zeit­punkt der Transplantation Immun­suppressiva erhalten, müssen aktive Infektionen oder Krebs­erkrankungen erst unter Kontrolle gebracht werden. Personen mit schlechtem Allgemein­zustand oder bestimmten Virus­infektionen haben möglicher­weise geringere Erfolgs­chancen bei der Transplantation. Ein psycho­soziales Screening ist ebenfalls Teil der Vor­untersuchung, um sicher­zustellen, dass Empfänger bereit und fähig sind, die lang­fristigen Anforderungen nach der Transplantation zu erfüllen.17,25

Risiken bei einer Organ­transplantation

Umso höher die Kompatibilität zwischen Spender*in und Empfänger*in ist, umso geringer ist das Risiko einer Ab­stoßung des Organs.1 Doch auch bei einer hohen Übereinstimmung der Gewebe­typen kann die Immun­abwehr eine Abstoßung hervor­rufen. Als vorbeugende Maß­nahme muss daher jede transplantierte Person lebens­lang immun­suppressive Medikamente ein­nehmen, um so das eigene Immun­system zu unter­drücken.3

Abstoßungs­reaktionen

Abstoßungs­reaktionen werden nach dem Zeit­punkt ihres Auftretens sowie nach ihrem Schwere­grad unterschieden.1,2

Eine hyper­akute Ab­stoßung tritt unmittel­bar nach der Operation auf. Dies kann oft schon inner­halb von Minuten bis Stunden passieren, sobald der Blut­fluss im transplantierten Organ wieder­hergestellt ist.1 Die Reaktion wird durch spezifische Anti­körper, die bereits vor der Transplantation im Empfänger­körper vorhanden waren, ausgelöst. Diese Anti­körper greifen das neue Organ an, was zu einer sofortigen Schädigung der Blut­gefäße führt und das Gewebe rasch absterben lässt. In diesem Fall muss das Spender­organ umgehend entfernt werden. Allerdings kommt diese Form nur selten vor und wird in der Regel durch sorg­fältige Vor­untersuchungen verhindert.1

Eine akute Ab­stoßung beginnt typischer­weise in den Tagen oder Wochen nach der Transplantation (in der Regel innerhalb der ersten drei Monate).18 Die akute Abstoßung basiert hauptsächlich auf der Aktivität spezieller weißer Blut­körperchen, die eine entscheidende Rolle in der Immun­abwehr des Körpers spielen. Diese Zellen heißen zyto­toxische T-Zellen. Sie sind Teil des angeworbenen Immun­systems und ihre Haupt­funktion besteht darin, infizierte Zellen und bestimmte Arten von Krebs­zellen als fremd zu erkennen und abzu­töten. Akute Ab­stoßungen können in der Regel mit Medikamenten (z. B. Gluko­kortikoiden) oder einer höheren Dosierung bzw. Um­stellung der Immun­suppressiva behandelt werden. Etwa ein Drittel aller Leber- und Nieren­transplantierten erleben eine akute Abstoßungs­reaktion.19

Monate bis Jahre nach der Transplantation kann sich jedoch noch eine chronische Abstoßung entwickeln, die oft schwer behandelbar und meistens auf unregel­mäßige Medikamenten­einnahme zurück­zuführen ist. Charakteristisch hierfür sind chronische Entzündungs­reaktionen in den Gefäß­wänden des Transplantats, wodurch die Blut­gefäße unum­kehrbar verengt werden. Dies kann zu lang­fristigen Funktions­einschränkungen des Transplantats führen und macht häufig eine erneute Transplantation not­wendig. Auch diese Form ist selten und z.B. bei ca. 2 – 4 % der erwachsenen Leber­transplantierten der Fall.18,19

Fazit

Die sorgfältige Aus­wahl von Spender­organen ist essenziell, um den Erfolg einer Transplantation sicher­zustellen. Eine Blutgruppen­kompatibilität sowie eine hohe Über­einstimmung der humanen Leukozyten-Antigene (HLA) zwischen Spender*in und Empfänger*in verlängert die Funktions­dauer des Organs und reduziert das Risiko einer Abstoßung.12,13 Doch trotz hoher Über­einstimmung der Gewebe­typen und Blutgruppen­kompatibilität kann es zu Abstoßungs­reaktionen kommen. Daher ist eine lebens­lange Ein­nahme von Immun­suppressiva not­wendig. Abstoßungs­reaktionen variieren nach Zeit­punkt und Schwere­grad, wobei hyper­akute Reaktionen sofort und akute Reaktionen Tage bis Wochen nach der Transplantation auf­treten können. Chronische Abstoßungen sind oft schwer behandelbar und können eine erneute Transplantation erforderlich machen.1,2,18,19

Patient*innen, die eine Transplantation benötigen, müssen sich zunächst in einem Transplantations­zentrum vorstellen, um den Aufnahme­prozess für die Warte­liste zu durch­laufen. In eine sogenannten Transplantations­konferenz wird dann über die Eignung des*der Patient*in entschieden. Bei Eignung werden die Patient*innen dann auf die Warte­liste aufgenommen (allerdings gibt es auch Ausschluss­gründe, wie etwa aktive Krebs­erkrankungen, bestehende Alkohl- und Drogenabhängigkeit, etc.). Die Zuteilung der passenden Spender­organe an das Transplantations­zentrum erfolgt durch Euro­transplant, basierend auf medizinischen Kriterien und einer Rang­liste zur Gewähr­leistung von Transparenz und Gerechtigkeit.4

FAQs – Häufig gestellte Fragen

Jede Person, die ein Spender­organ benötigt, wird nach einer medizinischen Prüfung und der Entscheidung durch die Transplantations­konferenz von den Transplantations­zentren auf Warte­listen gesetzt und die individuellen Daten (inkl. Blut­gruppe und HLA-Merkmale [HLA: humane Leukozyten-Antigene]) an das europäische Netz­werk Euro­transplant gesendet. Diese Organisation koordiniert die faire und effiziente Verteilung von Spender­organen in mehreren europäischen Ländern basierend auf medizinischen Kriterien, Dringlichkeit und Warte­zeit. Die Reihen­folge der Organ­vermittlung folgt festen Regeln, um Transparenz und Gerechtigkeit zu sichern. Ausschlag­gebend sind die individuellen Erfolgs­aussichten und die Dringlichkeit auf der dem Organ entsprechenden Warte­liste.4,5,6 Auch die Transport­zeit des Organs (sog. Ischämie­zeit) kann bei der Zuweisung eine Rolle spielen. Änderungen Ihres Gesundheits­zustands können jeder­zeit bei Euro­transplant aktualisiert werden. Sobald ein Organ zugeteilt ist, informiert Euro­transplant das zuständige Transplantations­zentrum, das den Empfänger oder die Empfängerin kontaktiert.

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, da die Warte­zeit von einer Viel­zahl von Faktoren abhängt und daher stark variieren kann. Dazu zählen die Art des benötigten Organs, die Blut­gruppe, die individuelle Dringlichkeit der Transplantation, die regionale Verfüg­barkeit des Organs sowie die Über­einstimmung der Gewebe­merkmale zwischen Spender­organ und Empfänger*in. Allgemein können die Warte­zeiten von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren reichen.4 Organe, die lebens­rettend sind und für die es keine alternativen Behandlungs­möglichkeiten gibt, wie Herz oder Leber, haben oft kürzere Warte­zeiten, da die Dringlichkeit höher eingestuft wird. Nieren­transplantationen hingegen können längere Warte­zeiten von teilweise 8 bis 10 Jahren haben, da Patient*innen in der Zwischen­zeit mit Dialyse behandelt werden können.20,21 Insgesamt ist die Niere das am häufigsten benötigte Organ.22 Im Dezember 2023 standen ~6.500 Menschen auf der Warte­liste für eine Nieren­transplantation. Im Vergleich dazu warten nur etwa 700 Menschen auf eine Herz- bzw. 871 auf eine Lebertransplantation.27 Aufgrund des vorherrschenden Organ­mangels soll eine Nieren­lebendspende in Deutschland zukünftig erleichtert werden.24 Man erhofft sich dadurch neben den bisherigen 600 Nieren­lebendspenden pro Jahr weitere 100.24

Der Prozess einer Organ­transplantation beginnt mit der sorg­fältigen Bewertung und Auswahl von Patient*innen, die ein neues Organ benötigen. Spezialisten in Transplantations­zentren führen eine umfassende medizinische Unter­suchung durch, um die Eignung der Betroffenen für eine Transplantation zu bestimmen. Durch eine Transplantations­konferenz für geeignet befundene Patient*innen kommen auf eine Warte­liste. Die Warte­zeit für ein Spender­organ kann variieren und hängt von unter­schiedlichen Faktoren ab. Sobald ein passendes Organ verfügbar ist, wird es, basierend auf Kriterien wie der Dringlichkeit der medizinischen Situation, der Warte­zeit und der Kompatibilität, entsprechend der Rang­liste zugeteilt. Nach der Zuteilung eines Organs durch Euro­transplant wird der Empfänger oder die Empfängerin umgehend für die Transplantation vorbereitet. Vor der Operation werden weitere Tests durchgeführt, um die Kompatibilität und den Gesundheits­zustand der empfangenden Person zu überprüfen.4,5,6 Die Transplantation selbst wird von einem spezialisierten chirurgischen Team durch­geführt. Nach der erfolgreichen Transplantation beginnt die Nachsorge- und Rehabilitationsphase. Besonders wichtig ist dabei eine regel­mäßige medizinische Über­wachung und Behandlung mit den immun­suppressiven Medikamenten. Nur so kann eine Abstoßungs­reaktion des neuen Organs effektiv verhindert werden. Die Nach­sorge ist ein lebens­langer Prozess, der darauf abzielt, die Funktion des transplantierten Organs zu erhalten.5
  1. Immunologie für Jedermann. Abstossung und Immunsuppression. 2024. https://das-immunsystem.de/wissenswertes/­organtransplantation/abstossung-und-immunsuppression/, abgerufen am: 08.04.2024
  2. DocCheck. Transplantatabstoßung. 2024. https://flexikon.doccheck.com/de/­Transplantatabsto%C3%9Fung, abgerufen am: 08.04.2024
  3. Organspende. Das Leben mit dem Spenderorgan und die Erfolgsaussichten einer Transplantation https://www.organspende-info.de/organspende/ablauf-einer-organspende/erfolgsaussichten/, abgerufen am: 08.04.2024
  4. Organspende. Wartelistenführung und Vermittlung von Organen https://www.organspende-info.de/organspende/ablauf-einer-organspende/wartelisten-vermittlung-transplantation/, abgerufen am: 08.04.2024
  5. Eurotransplant. Deutschland. 2023. https://www.eurotransplant.org/region/­deutschland/, abgerufen am: 08.04.2024
  6. HKK. Ablauf der Vermittlung https://www.hkk.de/leistungen-und-services/medizinische-beratung/organspende/ablauf-der-vermittlung, abgerufen am: 08.04.2024
  7. MDR. Blutgruppe von Spenderorganen kann umgewandelt werden. 2022. https://www.mdr.de/wissen/medizin-gesundheit/blutgruppe-von-spenderorganen-kann-konvertiert-werden-100.html, abgerufen am: 08.04.2024
  8. Immunologie für Jedermann. Spender und Empfänger. 2024. https://das-immunsystem.de/wissenswertes/­organtransplantation/spender-und-empfaenger/, abgerufen am: 08.04.2024
  9. Uniklinikum Freiburg. Patienteninformation zur Blutgruppeninkompatiblen Nierenspende.  https://www.uniklinik-freiburg.de/medizin4/transplantationszentrum/abo-inkompatible-lebendspende/abopatienteninformation.html, abgerufen am: 14.05.2024
  10. Uniklinikum Erlangen. iAB0-blutgruppeninkompatible Transplantation. Ein Erfolgsrezept. 2024. https://www.transplantation.uk-erlangen.de/forschung/iab0-blutgruppeninkompatible-transplantation/, abgerufen am: 08.04.2024
  11. Uniklinikum Aachen. Gewebetypisierung https://www.ukaachen.de/kliniken-institute/transplantationszentrum/­gewebetypisierung/, abgerufen am: 08.04.2024
  12. DocCheck. Blutgruppenbestimmung. 2024. https://flexikon.doccheck.com/de/­Blutgruppenbestimmung, abgerufen am: 15.05.2024
  13. DocCheck. HLA-Typisierung. 2024. https://flexikon.doccheck.com/de/HLA-Typisierung, abgerufen am: 08.04.2024
  14. Deutsches Rotes Kreuz. HLA-Typisierung.  https://www.blutspendedienst-west.de/transfusionsmedizin/informationsmaterial/hla-typisierung, abgerufen am: 15.05.2024
  15. Zylka-Menhorn V. Infektionen durch Organspende: Ein geringes Restrisiko bleibt bestehen. Dtsch Arztebl International 2005;102(8):A-482
  16. Organspende. Welche Vorerkrankungen schließen eine Organspende aus? 2023. https://www.organspende-info.de/blog/welche-vorerkrankungen-schliessen-eine-organspende-aus/, abgerufen am: 15.05.2024
  17. Organspende. Der Ablauf einer Lebendorganspende https://www.organspende-info.de/lebendorganspende/ablauf-einer-lebendorganspende/#:~:text=In%20­medizinischen%20Voruntersuchungen%20%C3%­BCberpr%C3%BCfen%20die,und%20ohne%20­finanzielle%20Anreize%20abl%C3%A4uft, abgerufen am: 15.05.2024
  18. Lebertransplantierte Deutschland e.V. Abstoßungreaktion. 2015. https://lebertransplantation.eu/transplantation/­nach-der-transplantation/abstossungsreaktion, abgerufen am: 08.04.2024
  19. Mayer K, Müller M, Schmidt J, et al. Intensivbehandlung nach Transplantation solider Organe. Die Intensivmedizin 2015:1219-43
  20. Zecher D, Tieken I, Wadewitz J, et al. Regionale Unterschiede bei der Wartezeit vor Nierentransplantation in Deutschland. Dtsch Arztebl International 2023;120(23):393-9
  21. Tagesspiegel. Kaum Spender, lange Wartezeiten: Warum Deutschland bei der Organspende hinterherhinkt. 2023. https://www.tagesspiegel.de/gesundheit/kaum-spender-lange-wartezeiten-warum-deutschland-bei-der-organspende-hinterherhinkt-9811850.html, abgerufen am: 08.04.2024
  22. Organspende. Die Nierenlebendspende ist die am häufigsten durchgeführte Lebendorganspende.  https://www.organspende-info.de/lebendorganspende/nierenlebendspende/, abgerufen am: 15.05.2024
  23. Organspende. Statistiken zur Organspende für Deutschland und Europa.  https://www.organspende-info.de/zahlen-und-fakten/statistiken/, abgerufen am: 15.05.2024
  24. Ärzteblatt. Nierenlebendspende soll erleichtert werden. 2024. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/150864/­Nierenlebendspende-soll-erleichtert-werden, abgerufen am: 15.05.2024
  25. MSD Manual. Übersicht über die Transplantation. https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/immunst%C3%B6rungen/um-transplantation/%C3%BCbersicht-%C3%BCber-die-transplantation, abgerufen am 16.05.2024
  26. Deutsche Stifung Organtransplantation. Deutsche Stiftung Organtransplantation Ablauf einer Organspende – vereinfachte Darstellung (dso.de), zuletzt abgerufen am 17.05.2024
  27.  4.  Deutsche Stiftung Organtransplantation, Jahresbericht Organspende und Transplantation in Deutschland 2023, URL: https://www.dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht%202023.pdf (zuletzt aufgerufen 22.05.2023).

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