Wie funktioniert eine immunsuppressive Therapie?

Wie funktioniert eine immunsuppressive Therapie?

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Immunsuppression / Immunsuppressiva

Immunsuppressive Therapien funktionieren häufig so, dass sie die Aktivität von T-Zellen und B-Zellen unterdrücken. Somit wird die Bildung von Antikörpern und die Aktivierung von Immunzellen vermieden.

Wie funktioniert eine immunsuppressive Therapie?

Wenn Sie ein Spenderorgan erhalten, wehrt sich Ihr körpereigenes Immunsystem gegen den „Eindringling“. Eine immunsuppressive Therapie kann eine Abstoßung Ihres neuen Organs verhindern und funktioniert wie folgt:

  • verhindern die Aktivität von B-Zellen. Dadurch werden keine Antikörper gebildet, die zur Organabstoßung beitragen.
  • verhindern die Aktivität von T-Zellen. Dadurch werden keine weiteren Immunzellen aktiviert, die zur Organabstoßung beitragen.
  • unterdrücken Ihre Immunantwort im Allgemeinen. Sie schützen daher Ihr Spenderorgan. Andere körperfremde Zellen können aber nicht mehr ausreichend bekämpft werden, weshalb Sie anfälliger für Infektionen werden.
  • können in verschiedene Arten bzw. Klassen eingeteilt werden: Antikörper, Kortikosteroide, Calcineurinhemmer und Proliferationshemmer.

Verhinderung der Transplantatabstoßung

Nach einer Organtransplantation wird das transplantierte Organ von Ihrem Immunsystem als fremd erkannt und kann abgestoßen werden. Sogenannte B-Zellen und T-Zellen Ihres Immunsystems erkennen fremde Zellen bzw. auch Antigene der fremden Zellen. Daraufhin setzen sie eine Immunreaktion in Gang (z. B. die Bildung von Antikörpern), um den Eindringling, in diesem Fall Ihr neues Organ, zu attackieren. Um eine Abstoßung zu verhindern, kann das eigene Immunsystem durch die Einnahme von Immunsuppressiva gehemmt werden. Immunsuppressive Therapien funktionieren häufig so, dass sie die Aktivität von T-Zellen und B-Zellen unterdrücken. Somit wird die Bildung von Antikörpern und die Aktivierung von Immunzellen vermieden. Dieser Mechanismus schützt Ihr Spenderorgan, aber erleichtert auch anderen körperfremden Zellen, wie Viren, Pilzen und Bakterien, die Besiedelung des Körpers.

 

Klassen von Immunsuppressiva

Es stehen mehrere Arten bzw. Klassen von Immunsuppressiva zur Verfügung, die je nach medizinischer Voraussetzung der Empfänger*innen individuell zusammengestellt werden. Diese wirken an verschiedenen Ansatzpunkten gegen die Abstoßung des neuen Organs. Vor oder während einer Nierentransplantation beispielsweise werden als einleitende Therapie häufig Antikörper wie Basiliximab oder Anti-Thymozytenglobulin (ATG) eingesetzt. Letzteres kann ebenfalls nach einer Lebertransplantation zum Einsatz kommen [24]. Bei der Erhaltungstherapie werden nach einer Organtransplantation Kortikosteroide, Calcineurinhemmer und Proliferationshemmer eingesetzt. Kortikosteroide verhindern die Bildung neuer Immunzellen durch eine Unterbrechung der Zellkommunikation und wirken dadurch antientzündlich und immunsuppressiv. Proliferationshemmer verhindern die Teilung und Vermehrung von Zellen und somit ebenfalls die von Immunzellen. Sogenannte Calcineurinhemmer wie Cyclosporin A und Tacrolimus verhindern eine vollständige Aktivierung von T-Zellen, welche körperfremde Zellen erkennen und zerstören können bzw. andere Zellen des Immunsystems beeinflussen können.

Calcineurinhemmer sind die am häufigsten eingesetzten Immunsuppressiva sowohl nach einer Nierentransplantation als auch nach einer Lebertransplantation [25]. Viele Patient*innen nehmen Tacrolimus-Präparate zweimal täglich ein, um die Blutspiegel der Substanz konstant aufrecht zu erhalten [26]. Nur so kann bei diesen Präparaten eine anhaltende Wirkung erzielt werden, sodass eine Abstoßungsreaktion vermieden wird. Kurz nach der Einnahme kommt es so zu besonders hohen Konzentrationen des Immunsuppressivums. Diese können nach Studienberichten unerwünschte Arzneimittelwirkungen begünstigen [26]. Außerdem ist es schwierig für Patient*innen, sich bei der Einnahme an den streng getakteten Zeitplan zu halten [26]. Jüngere Tacrolimus-Präparate müssen teilweise nur noch einmal täglich eingenommen werden. Durch veränderte Herstellungsprozesse setzen sie den Wirkstoff stetiger über den Tag verteilt frei [27]. Die Schwankung der Wirkstoffkonzentration im Blut innerhalb eines Tages können so je nach Präparat um ca. 30 % reduziert werden und die Verfügbarkeit der Substanz im Körper erhöht werden. Daher reichen oftmals geringere Dosierungen aus, was zu weniger unerwünschten Arzneimittelwirkungen führen kann [27].

Eine weitere Gruppe stellen Proliferationshemmer wie Sirolimus, Everolimus, Mycophenolsäure und Azathioprin dar. Sie verhindern die Zellteilung und somit die Vermehrung von Immunzellen. Antikörper wie z. B. Belatacept blockieren gezielt T-Zellen, die sich gegen das Transplantat richten. Weitere Antikörper wie ATG zerstören solche T-Zellen. Auf diese Weise verhindern Antikörpertherapien die Abstoßung Ihres Spenderorgans in der frühen Phase nach der Organtransplantation, damit weniger Zellen vorhanden sind, die ein „Immungedächtnis“ gegen das Spenderorgan bilden.

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