Warum ist eine Nierenersatztherapie nötig?
„Eine Organtransplantation bietet Hoffnung für Menschen mit chronischer Nierenkrankheit“
Inhalte dieses Kapitels
Wo befinden Sie sich gerade? Die wichtigsten Etappen bei einer Nierentransplantation
Was ist eine chronische Nierenerkrankung?
Eine chronische Niereninsuffizienz wird definiert als andauernder und fortschreitender Leistungsverlust der Niere über die Zeit – bis hin zum nicht rückbildungsfähigen dauerhaften Nierenversagen. Bei einem Nierenversagen arbeiten die Nieren nicht mehr gut genug um ihre lebenswichtige Funktion zu erfüllen, Schadstoffe werden nicht mehr ausreichend aus dem Blut gefiltert und ausgeschieden. Dadurch können sich schädliche Stoffe im Körper anreichern, die Entgiftung des Körpers über die Nieren findet nicht mehr ausreichend statt. In diesem Fall stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.
Mehr zu den unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten ist in den nächsten Abschnitten zu finden.
- Aufgaben der Niere
- Häufige Ursachen für eine Niereninsuffizienz
- Therapien bei chronischer Nierenerkrankung
Die Nieren haben lebenswichtige Funktionen, z. B.
➔ Filtrierung und Reinigung des Blutes
➔ Entgiftung und Ausscheidung von schädlichen Substanzen
➔ Regulierung von Wasser- und Säure-Base-Gleichgewicht im Blut
➔ Produktion von Urin
➔ Produktion von Hormonen, die die Blutbildung anregen
➔ Bluthochdruck
➔ Diabetes mellitus
➔ Entzündungen
➔ Einnahme bestimmter Medikamente
➔ Genetische Faktoren
➔ Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Bluthochdruck, Diabetes mellitus)
➔ Medikamente, die die Folgen der Niereninsuffizienz abmildern
➔ Nierenersatzverfahren: Dialyse (Blutwäsche) oder Nierentransplantation
Was sind wichtige Laborwerte und Blutwerte bei Niereninsuffizienz?
Inhalte dieses Kapitels
Wenn eine chronische Nierenerkrankung diagnostiziert wird, sollten bestimmte Blut- und Urinwerte regelmäßig kontrolliert werden. So kann man den Verlauf der Erkrankung überwachen und ggf. rechtzeitig weitere Maßnahmen ergreifen. Diese Werte finden sich dann oft auf Arztbriefen oder werden vom Labor nach Hause zugesandt. Dabei ist es nicht leicht, den Überblick zu behalten, was die unterschiedlichen Werte bedeuten und wie ein gemessener Wert einzuordnen ist.
Nachfolgend findet sich eine Auswahl wichtiger Blutwerte und Urinwerte, die bei Nierenpatientinnen und -patienten gemessen werden.
- Welche Werte relevant sind, unterscheidet sich je nach Stadium der Nierenerkrankung.
- Während der Dialyse sind z. B. besonders die Elektrolyte wichtig, nach der Transplantation gibt u. a. der Kreatininwert Hinweise auf die Gesundheit des Nierentransplantats.
Außerdem können sich bei manchen Laborwerten die Maßeinheiten und Referenzwerte von Labor zu Labor und von Klinik zu Klinik unterscheiden.
- Z. B. kann der Wert für Harnstoff in mg/dl oder in mmol/l angegeben werden.
- Als Referenzwert oder Referenzbereich bezeichnet man in der Labormedizin den Wertebereich, in dem 95 Prozent aller gesunden Menschen mit ihren individuellen Messwerten liegen und der als „Norm“ angesehen wird. Er kann von verschiedenen Faktoren, wie Alter, Geschlecht oder Ethnie, beeinflusst sein.
Wer hilft weiter mit den Laborergebnissen?
Bei der Umrechnung der verschiedenen Maßeinheiten kann ein Einheiten-Rechner helfen, der von vielen Laboren im Internet kostenlos angeboten wird.
➜ Bei Fragen zu Laborwerten wenden Sie sich bitte an Ihr Behandlungsteam!
Ab wann ist eine Dialyse oder Transplantation nötig?
Glomeruläre Filtrationsrate (GFR)
Die glomeruläre Filtrationsrate gibt an, wie viel Flüssigkeit pro Zeit durch die Niere filtriert wird, und ist ein Maß zur Beurteilung der Nierenfunktion. Die GFR wird durch Bestimmung der Menge des Eiweißes Kreatinin (Harnpflichtige Substanzen) im Blut und im 24-Stunden-Urin ermittelt.
Was sagt der GFR-Wert aus?
Der GFR-Wert erlaubt Aussagen darüber, wie gut die Nieren arbeiten, und wird zur Bestimmung des Schweregrades des Nierenversagens genutzt.
Wie wird die eGFR berechnet?
Wird die GFR bestimmt, ohne 24 Stunden Urin zu sammeln, spricht man von eGFR. Das e in eGFR steht für estimated = engl. geschätzt. Es handelt sich also um die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate. Da die Normalwerte der GFR von vielen Faktoren, wie dem Geschlecht, dem Alter, der Körpergröße usw., abhängig sind, gibt es eine Reihe von Formeln zur Berechnung der eGFR. Am häufigsten wird in Deutschland die CKD-EPI-Formel verwendet.
➔ Hier können Sie Ihre eGFR nach der CKD-EPI-Formel berechnen.
(e)GFR, berechnet in der Einheit ml/min/1,73 m<sup>2</sup> | Stadium | Beschreibung |
|---|---|---|
≥ 90 | 1 | normale oder gesteigerte Nierenfunktion |
60-89 | 2 | leichte Funktionseinschränkung der Nieren |
30-59 | 3 | mittelgradige Funktionseinschränkung der Nieren |
15-29 | 4 | schwere Funktionseinschränkung der Nieren |
< 15 | 5 | nicht rückbildungsfähiges Nierenversagen |
Kleines Blutbild
Die Untersuchung der Zusammensetzung der Blutzellen im Blut zählt zu den regulären Untersuchungen, die bei Nierenpatientinnen und -patienten regelmäßig durchgeführt werden. Da Menschen mit chronischer Nierenerkrankung zu Blutbildungsstörungen und Blutarmut neigen, sind die Werte zur Charakterisierung der roten Blutkörperchen besonders wichtig.
Bei transplantierten Menschen und vor einer Transplantation werden im Rahmen eines großen Blutbildes oder Differenzialblutbildes oft zusätzlich die Lymphozyten bestimmt. Das ist eine Untergruppe der weißen Blutkörperchen, die u. a. für die Abwehr von Viren und Pilzen zuständig sind.
Das kleine Blutbild
Blutwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
Erythrozyten | Ery | Rote Blutkörperchen; wichtig für den Sauerstofftransport |
Hämoglobin | Hb | Roter Blutfarbstoff der Erythrozyten; bindet Sauerstoff und CO<sub>2</sub> |
Hämatokrit | Hkt | Anteil der festen Bestandteile (Blutzellen) im Gesamtblut; je höher der Wert, desto dickflüssiger das Blut |
Leukozyten | Leu | Weiße Blutkörperchen; wichtige Bestandteile des Immunsystems |
Mittleres Zellvolumen der Erythrozyten | MCV | Größe der Erythrozyten; Indikator für gestörte Blutbildung |
Mittlerer Hämoglobingehalt in den Erythrozyten | MCH | Indikator für Eisenmangel bzw. Blutarmut |
Mittlere zelluläre Hämoglobinkonzentration | MCHC | Indikator für Eisenmangel bzw. Blutarmut |
Thrombozyten | Throm | Blutplättchen; wichtig für die Blutstillung |
Elektrolyte
Elektrolytarme Ernährung bei Nierenerkrankung
Elektrolyte werden mit der Nahrung aufgenommen und über die Niere ausgeschieden. Insbesondere Dialysepatientinnen und -patienten müssen daher auf eine elektrolytarme Ernährung achten.
➔ Hier finden Sie mehr zum Thema Ernährung in der Zeit auf der Warteliste.
Elektrolyte
Blutwert | Abkürzung |
|---|---|
Kalium | K |
Kalzium (auch ionisiert) | Ca |
Kalzium-Phosphat-Produkt | Ca x P |
Magnesium | Mg |
Natrium | Na |
Phosphat | P/PO<sub>4</sub>/Phos |
Harnpflichtige Substanzen (Nierenwerte), die bei einer Niereninsuffizienz regelmäßig kontrolliert werden
Harnpflichtige Substanzen
Laborwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
Harnstoff (im Blut) | HST | Endprodukt des Eiweiß- und Aminosäurestoffwechsels |
Harnsäure (im Blut) | HS | Endprodukt des Purinstoffwechsels |
Serumkreatinin (Kreatinin im Blut) | Krea | Produkt des Energiestoffwechsels der Muskeln |
Cystatin C | CysC | Eiweiß zur Abschätzung der Nierenfunktion |
Was beeinflusst den Kreatininwert und andere Nierenwerte?
Der Lebensstil hat auch einen Einfluss auf die Nierenwerte. So führt eine sehr fleischreiche Ernährung zu höheren Werten bei Kreatinin, Harnstoff und Harnsäure. Auch intensives Training kann den Kreatininwert erhöhen.
➔ Aber Achtung: Durch Sport erhöht sich vor allem der Wert der Kreatinkinase. Der Name klingt zwar ähnlich, aber Kreatinin und Kreatinkinase sind nicht dasselbe.
Weitere Labor- und Blutwerte, die bei einer Niereninsuffizienz wichtig sind
Urinwerte
Laborwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
Albumin (im Urin) | Alb | Bindungs- und Transporteiweiß; Indikator für einen Nierenschaden |
Kreatinin (im Urin) | Krea | Harnpflichtiges Produkt des Energiestoffwechsels der Muskeln; Bestimmung im 24-Stunden-Urin zur Bestimmung der <a href="#filtrationsrate">GFR</h3> |
Gesamtprotein (im Urin) | GEU | Vermehrte Ausscheidung von Eiweiß im Urin ist Leitsymptom bei Nierenerkrankungen |
Urin-Stix | Schnelltest auf verschiedene Substanzen wie Glukose, Eiweiß und Blut im Urin |
Knochenstoffwechsel
Laborwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
1,25-Hydroxy-Vitamin D | 1,25(OH)D | Hormon, Regulation des Kalzium-Phosphat-Haushalts, wichtig z. B. für die Knochenmineralisation, biologisch aktive Form des Vitamin D |
25-Hydroxy-Vitamin D | 25(OH)D | Hormon, Regulation des Kalzium-Phosphat-Haushalts, Speicherform des Vitamin D |
Alkalische Phosphatase | AP | Enzym des Phosphat-Stoffwechsels; Indikator für Leber-, Gallen- und Knochenstoffwechselveränderungen |
Parathormon, intaktes | iPTH | Hormon der Nebenschilddrüse, Regulation des Kalzium-Phosphat-Haushalts |
Säure-Blasen-Haushalt
Laborwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
Bicarbonat | HCO<sub>3</sub> | Wichtig für die pH-Wert-Regulation |
pH-Wert | Säuregrad des Blutes |
Blutgase
Laborwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
Sauerstoffsättigung | SpO<sub>2</sub> | Anteil des Hämoglobins, das Sauerstoff gebunden hat |
Blutsauerstoff, Sauerstoffpartialdruck | pO<sub>2</sub> | Absoluter Sauerstoffgehalt im Blut |
Blut-CO<sub>2</sub>-Gehalt, Kohlendioxidpartialdruck | pCO<sub>2</sub> | Absoluter Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut |
Stoffwechsel-Werte
Laborwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
Glukose | BZ | Blutzucker |
Hämoglobin-A1c-Wert, Glykohämoglobin | HbA1c | „Langzeitblutzuckerwert“, erlaubt Rückschlüsse über den Blutzuckergehalt der letzten sechs bis acht Wochen |
Cholesterin | Blutfett, Ausgangsstoff für viele fettbasierte Bestandteile des Körpers; hohe Werte sind mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden | |
Chol | Gesamtcholesterin | |
LDL | Besonders schädliche Form des Cholesterins | |
HDL | Cholesterinform, der schützende Effekte zugesprochen werden | |
Triglyceride | Trigl | Blutfett, Speicherform zur Energiegewinnung |
Entzündungswerte
Laborwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
C-reaktives Protein | CRP | Indikator für Entzündungsprozesse |
Eisenstoffwechsel
Laborwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
Ferritin | Ferr | Eisenspeicherndes Eiweißmolekül; Indikator für Eisenmangel |
Transferrinsättigung | TSAT | Eiweißstoff zum Transport von Eisen im Blut; Indikator für Eisenmangel |
Leberwerte
Laborwert | Abkürzung | Erläuterung |
|---|---|---|
Gamma-GT | GGT/y-GT | Leberenzym; Indikator für Leber- und Gallenerkrankungen |
Alanin-Aminotransferase oder Glutamat-Pyruvat-Transaminase | ALT/ALAT oder GPT | Leberenzym; Indikator für Leberschäden |
Aspartat-Aminotransferase oder Glutamat-Oxalacetat-Transaminase | AST/ASAT oder GOT | Leberenzym; Indikator für Leberschäden |
Alkalische Phosphatase | AP | Enzym des Phosphat-Stoffwechsels; Indikator für Leber-, Gallen- und Knochenstoffwechselveränderungen |
Serumalbumin (Albumin im Blut) | Alb | Bindungs- und Transporteiweiß; Indikator für Leberschäden und für Eiweißverluste über Darm oder Nieren |
Bilirubin | BIL | Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin); Indikator für vermehrten Abbau von Erythrozyten sowie Veränderungen des Leber- und Gallenstoffwechsels |
Nierenersatztherapien – was sind die Unterschiede?
Alle Nierenersatzverfahren erfordern kontinuierliches Engagement, viel Eigenverantwortung und eine hohe Therapietreue, um das bestmögliche Therapieergebnis zu erzielen.
Mehr zum Leben auf der Warteliste und zum Leben mit einer neuen Niere ist in den Abschnitten Warten auf eine Nierentransplantation/Leben mit Dialyse – was ist jetzt wichtig? und Der neue Alltag nach der Transplantation zu finden.
Gemeinsame Entscheidungsfindung (shared decision making) für die Nierenersatztherapie
Welches Nierenersatzverfahren für eine Person geeignet ist, hängt von vielen medizinischen Faktoren ab. Auch der Mangel an Spenderorganen spielt eine Rolle. In der Regel kann man also nicht völlig frei entscheiden, welche Therapie durchgeführt wird. Dennoch sind auch die Lebensumstände von Patientinnen und Patienten bei der Therapieentscheidung relevant. Deswegen ist es wichtig, die Besonderheiten der unterschiedlichen Verfahren zu kennen und gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten zu entscheiden. Dieses Vorgehen nennt man auch englisch shared decision making.
- HD – Hämodialyse
- Reinigung des Blutes außerhalb des Körpers in einem Dialysegerät
- Blut wird meist über einen Shunt, d. h. einer chirurgisch angelegten Gefäßverbindung zwischen Arterie und Vene, am Unterarm in das Dialyse-Gerät gepumpt
- Im Dialysegerät wird das Blut gefiltert, Schadstoffe werden dabei zurückgehalten
- Das gereinigte Blut wird über den Shunt wieder in den Körper zurückgeleitet
Vorteile | Nachteile |
|---|---|
Professionelle Versorgung im Dialysezentrum | Kreislaufprobleme |
Engmaschige Kontrolle, regelmäßiger Austausch mit medizinischem Fachpersonal | Kosmetische Probleme (Shuntarm) |
Zeitliche Strukturierung und Terminplanung durch Dialysezentrum | Vergleichsweise starke Einschränkungen bei der Ernährung und der Trinkmenge |
Organisatorischer und zeitlicher Aufwand (z. B. An- und Abreise zum Dialysezentrum), keine freie Verfügung über die eigene Zeit | |
Schwierigkeiten bei Berufstätigkeit und Reise |
- PD – Peritonealdialyse
- Reinigung des Blutes innerhalb des Körpers, das Bauchfell (Peritoneum) dient als Filter
- Sterile Peritonealdialyse-Lösung wird über einen Katheter in den Bauchraum geleitet
- Schadstoffe aus dem Blut diffundieren durch das Bauchfell in die Dialyse-Lösung
- Mit Schadstoffen gesättigte Dialyse-Lösung wird aus dem Bauchraum abgelassen und durch frische Dialyse-Lösung ersetzt
Vorteile | Nachteile |
|---|---|
Kontinuierlichere, gleichmäßigere Entgiftung als bei HD | Infektionsgefahr |
Schonender für Kreislauf und Nierenrestfunktion als die HD | Kosmetische Probleme durch dauerhaften Katheter |
Räumliche und zeitliche Flexibilität, Behandlung zu Hause | Platzprobleme durch Geräte und Dialysematerial zu Hause |
Tägliche Beschäftigung mit der Dialyse, ggf. Probleme mit der Therapietreue (Adhärenz) | |
Schwierigkeiten bei Berufstätigkeit und Reise |
- Nierentransplantation (Nieren-Tx)
- Die Niere einer Spenderin oder eines Spenders übernimmt die Reinigung des Blutes
- Einer verstorbenen Person (postmortale Spende) oder einer lebenden Person (Lebendspende) wird eine Niere entnommen
- Das Organ wird in der Beckengegend der Empfängerin bzw. des Empfängers eingesetzt und mit dem Blutkreislauf verbunden
- Um zu verhindern, dass das Immunsystem das Transplantat abstößt, müssen dauerhaft immunsuppressive Medikamente eingenommen werden
Vorteile | Nachteile |
|---|---|
Kontinuierlichere, gleichmäßigere Entgiftung als bei Dialyse | Lange Wartezeiten auf ein Nierentransplantat |
Stärkere Selbstbestimmung bei der Lebensgestaltung möglich | Erhöhte Infektionsgefahr und höheres Krebsrisiko durch die Immunsuppression |
Tägliche Medikamenteneinnahme, ggf. Schwierigkeiten bei der korrekten und konsequenten Umsetzung der Therapie (Adhärenz) |
Nierentransplantation als Nierenersatztherapie
Für Patientinnen und Patienten mit chronischer Nierenerkrankung, die für eine Transplantation geeignet sind, ist die Transplantation die beste Nierenersatztherapie. Im Vergleich zur Dialyse arbeitet die neue Niere rund um die Uhr, reinigt das Blut und entwässert den Körper. Auch die Lebensqualität und Lebenserwartung sind im Vergleich zur Dialyse höher.
Aber nicht alle Menschen mit chronischer Nierenkrankheit sind für eine Transplantation geeignet, und nicht für alle steht ein passendes Spenderorgan zur Verfügung. Diesen Patientinnen und Patienten bietet die Dialyse (HD oder PD) eine gute Lebenserwartung und -qualität.
Zwei Möglichkeiten der Organspende – postmortale Spende oder Lebendspende
- Eine Nierenspende kann entweder von einer verstorbenen Person stammen, die vor ihrem Tod einer Organspende zugestimmt hat bzw. deren Angehörige einer Organentnahme zustimmen (sogenannte Verstorbenen- oder postmortale Nierenspende).
- Die andere Möglichkeit ist die Lebendspende einer Niere, d. h. eine nahestehende Person spendet eine von beiden Nieren für eine Nierentransplantation.
Je nachdem, auf welche Art die Niere gespendet wird, unterscheiden sich die Voraussetzungen und die Vorbereitungen auf die Transplantation sowie deren Ablauf erheblich. In diesem Abschnitt werden die beiden Verfahren kurz vergleichend erklärt. Weiterführende, genauere Informationen finden sich auch in den Abschnitten Ablauf einer Transplantation bei postmortaler Nierenspende und Lebendspende einer Niere.
Voraussetzungen für eine Nierenspende
Postmortale Nierenspende | Lebendspende der Niere |
|---|---|
Die Niere stammt von einer Person, bei der der Hirntod diagnostiziert wurde – d. h. die gesamte Hirnfunktion muss unumkehrbar ausgefallen sein, was von zwei unabhängigen Ärztinnen oder Ärzten festgestellt wird. Menschen, die an Herz-Kreislauf-Versagen sterben, dürfen in Deutschland keine Organe spenden. | Die Niere stammt von einem lebenden Menschen. |
Um nach dem Tod Organe spenden zu können, muss zu Lebzeiten eine Spendeeinwilligung der bzw. des Verstorbenen vorliegen oder nach dem Tod die Zustimmung der Angehörigen. | Spenderin bzw. Spender und Empfängerin bzw. Empfänger müssen in einem Näheverhältnis stehen. |
Die Spende erfolgt anonym. | Die Spende muss freiwillig sein. |
Infektionen und Krebserkrankungen der Spenderin bzw. des Spenders müssen ausgeschlossen sein. | Die Spenderin bzw. der Spender muss volljährig und gesund sein und über zwei normal funktionierende Nieren verfügen. |
Das Spenderorgan muss eine angemessene Funktionsfähigkeit aufweisen. | Die Lebendspende-Kommission muss der Spende auf Basis einer medizinisch-psychologischen Untersuchung zustimmen. |
Warum ist in Deutschland die Organspende anonym?
In Deutschland erfahren Empfängerinnen und Empfänger einer postmortalen Organspende nicht, von wem ihr transplantiertes Organ stammt. Umgekehrt erfahren auch die Angehörigen eines Organspenders nicht, wer nach dessen Tod Organe oder Gewebe erhalten hat. So sollen wechselseitige Abhängigkeiten und damit ggf. einhergehende Belastungen verhindert werden. Es gibt jedoch die Möglichkeit, einen anonymen Dankesbrief an die Familie der Spenderin oder des Spenders zu schreiben.
➔ Auf der Webseite der Deutsche Stiftung Organtransplantation finden Sie weitere Infos zum Dankesbrief von Transplantierten.
Was bedeutet „in einem Näheverhältnis stehen“ bei der Lebendspende?
In Deutschland ist eine Lebendspende nur zulässig, wenn sich Spenderin bzw. Spender und Empfängerin bzw. Empfänger nahestehen. Das ist der Fall, wenn es sich um Verwandte ersten oder zweiten Grades, Verlobte oder Lebenspartnerinnen oder -partner handelt oder wenn die beiden Personen sich offensichtlich in persönlicher Verbundenheit nahestehen, d. h. beispielsweise eng befreundet sind.
➔ Auf der FAQ-Seite von organspende-info.de finden Sie Antworten auf viele weitere Fragen zum Thema Organspende.
Zeitpunkt der Transplantation
Postmortale Nierenspende | Lebendspende der Niere |
|---|---|
Die Transplantation muss möglichst zügig nach dem Tod von Spenderin bzw. Spender durchgeführt werden; der Transplantationstermin ist daher sehr kurzfristig. | Die Transplantation kann geplant stattfinden. |
Aufgrund der Transportdauer ist das Organ über längere Zeit außerhalb eines Körpers und muss gekühlt werden. | Die Zeit, in der sich das Organ außerhalb eines Körpers befindet, ist kurz. |
Durch Vorbehandlung vor der Transplantation können bei der Lebendspende <a href="https://www.transplant-wissen.de/lebendspende-niere/#ab0">Blutgruppen-Unterschiede</a> in Kauf genommen werden. |
Welche Rolle spielt die Transportdauer bei der Transplantation?
Wenn ein gespendetes Organ außerhalb eines Körpers ist und nicht kontinuierlich durchblutet, d. h. mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird, wirkt sich dies negativ auf die spätere Funktion und ggf. auf die Lebensdauer des Transplantats aus. Deswegen sollte die Transportdauer so kurz wie möglich sein. Die Transportdauer wird deswegen bei der Entscheidung, wer ein verfügbares Spenderorgan angeboten bekommt, berücksichtigt.
➔ Mehr zu den Kriterien für die Verteilung von Spenderorganen finden Sie im Abschnitt Warteliste und Wartezeit bei Nierentransplantation.
Medizinische Aspekte für Empfängerinnen und Empfänger
Postmortale Nierenspende | Lebendspende der Niere |
|---|---|
Die Lebensdauer einer postmortal gespendeten Niere ist mit ca. 12-15 Jahren etwas niedriger als bei der Lebendspende. | Eine Lebendspende führt zu den besten Ergebnissen in Bezug auf die Funktion des neuen Organs; die Lebensdauer des Organs beträgt in der Regel über 15 Jahre. |
Mitunter muss eine lange Wartezeit von bis zu 10 Jahren hingenommen werden. | Ist eine Spenderin oder ein Spender gefunden, kann die Transplantation sogar schon vor Beginn der Dialysepflichtigkeit ohne Wartezeit durchgeführt werden. |
Während der Wartezeit auf eine Nierenspende ist in der Regel eine Dialyse notwendig. |
Was passiert, wenn sich die Lebensdauer der gespendeten Niere ihrem Ende zuneigt?
Sowohl nach einer postmortalen Spende als auch nach der Lebendspende einer Niere lässt die Funktion des transplantierten Organs über die Zeit nach. Irgendwann kann die Spenderniere ihre Arbeit nicht mehr ausreichend verrichten und die Empfängerin bzw. der Empfänger wird erneut dialysepflichtig. Eventuell ist dann eine erneute Nierentransplantation möglich. Dann beginnt der Ablauf vor der Nierentransplantation mit Dialyse und Warteliste erneut.
Postmortale Nierenspende | Lebendspende der Niere |
|---|---|
Keine | Spenderinnen und Spender müssen über mögliche Risiken aufgeklärt werden |
Allgemeine Operationsrisiken | |
Mögliche Langzeitfolgen: erhöhter Blutdruck, Nierenfunktionseinschränkung, chronische Erschöpfung (Fatigue-Syndrom) |
Psychische Belastungen nach Transplantation und Organspende
Egal ob postmortale Spende oder Lebendspende einer Niere – auf ein Spenderorgan zu warten und ein Organ eines anderen Menschen zu tragen, kann für Empfängerinnen bzw. Empfänger eine psychische Herausforderung sein. Auch Lebendspendende können vor und nach der Organspende psychische Belastungen erfahren. Sprechen Sie Ihre Gedanken und Gefühle beim Besuch im Transplantationszentrum an! Das Behandlungsteam steht Transplantationspatientinnen und -patienten und deren Angehörigen jederzeit beratend zur Seite.
➔ Hier erfahren Sie mehr zum Umgang mit psychischen Belastungen.
Ausblick auf das Leben nach der Nierentransplantation
Eine Nierentransplantation bietet Patientinnen und -patienten mit chronischer Nierenerkrankung die Chance, wieder ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen. Allem voran erübrigt sich die Dialyse, die den Alltag von Patientinnen und Patienten, die auf eine Organspende warten, bestimmt.
Eine Nierentransplantation bietet Patientinnen und -patienten mit chronischer Nierenerkrankung die Chance, wieder ein weitgehend selbstbestimmtes Leben zu führen. Allem voran erübrigt sich die Dialyse, die den Alltag von Patientinnen und Patienten, die auf eine Organspende warten, bestimmt.
Mehr als 95 % der Nieren funktionieren 1 Jahr nach der Transplantation; bei einer Nieren-Lebendspende sind es sogar 98 %.
Eine transplantierte Niere erfüllt ihre Aufgabe durchschnittlich 12–15 Jahre, die Lebensdauer einer Nieren-Lebendspende ist meist sogar länger als 15 Jahre.
Bei aller Freude sollten sich Menschen, die auf eine Nierentransplantation warten, dennoch bewusst sein, dass mit der Nierentransplantation neue Herausforderungen und Veränderungen einhergehen, die sie ihr weiteres Leben begleiten und ihnen viel Selbstmanagement und Eigenverantwortung abverlangen werden. Je mehr sie über das Leben mit einem Nierentransplantat wissen, je besser sie vorbereitet sind und je aktiver und konsequenter sie ihr neues Leben in die Hand nehmen, desto besser wird das neue Leben mit dem Transplantat gelingen.
Nach der Transplantation ist eine lebenslange Immunsuppression nötig. Nehmen Sie Ihre Medikamente regelmäßig und wie verordnet ein!
➔ Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema Immunsuppression.
Das Transplantationszentrum ist jederzeit für Sie da – was auch immer Sie beschäftigt! Nehmen Sie auch Ihre Kontrolltermine regelmäßig wahr!
➔ Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema Nachsorge.
Schmieden Sie Pläne für die Zukunft – aber überfordern Sie sich nicht!
➔ Hier finden Sie mehr Informationen zum Thema Alltag nach der Transplantation.
Werden Sie Expertin bzw. Experte Ihrer neuen Situation und bauen Sie ein Unterstützungsnetzwerk auf!
➔ Hier finden Sie mehr zu Vernetzung und Support nach der Transplantation.
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Quellen und weiterführende Literatur
Bundesverband-Niere https://www.bundesverband-niere.de/informationen (abgerufen am 23.04.2024)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Organspende. Die postmortale Organspende https://www.organspende-info.de/organspende/ (abgerufen am 24.04.2024)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Organspende. Lebendorganspende https://www.organspende-info.de/lebendorganspende/ (abgerufen am 24.042024)
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. Nieren-Navi https://www.nieren-navi.de/ (abgerufen am 24.04.2024)
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. Nieren-Navi. Nierentransplantation. https://www.nieren-navi.de/nierenersatztherapie/nierentransplantation-ntx (abgerufen am 23.04.2024)
Deutsche Stiftung Organtransplantation DSO. Jahresbericht Organspende und Transplantation in Deutschland 2023 https://dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht%202023.pdf (abgerufen am 24.04.2024)
Gesundheitsinformation.de. Chronische Nierenerkrankung https://www.gesundheitsinformation.de/chronische-nierenerkrankung.html (abgerufen am 24.04.2024)
Gesundheitsinformation.de. Wann ist der beste Zeitpunkt, eine Dialyse zu beginnen? https://www.gesundheitsinformation.de/wann-ist-der-beste-zeitpunkt-eine-dialyse-zu-beginnen.html (abgerufen am 24.04.2024)
Gesundheitsinformation.de. Wie funktioniert eine Dialyse. https://www.gesundheitsinformation.de/wie-funktioniert-eine-dialyse.html (abgerufen am 24.04.2024)
Gesundheit.gv.at. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs. Laborwerte-Tabelle https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte.html (abgerufen am 24.04.2024)
KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e. V. Nierenwissen https://www.nierenwissen.de/startseite (abgerufen am 24.04.2024)
PKD Familiäre Zystenniere e. V. Nierenrechner – Berechnung der eGFR https://nierenrechner.de/ (abgerufen am 24.04.2024)
Stiftung Gesundheitswissen. Laborwerte richtig verstehen. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/gesundes-leben/koerper-wissen/laborwerte-richtig-verstehen (abgerufen am 24.07.2024)
Die Inhalte wurden in enger Zusammenarbeit mit einem Beirat aus Patientenorganisationen und Ärztinnen und Ärzten erstellt.


