Immunsystem und immunsuppressive Therapie
„Medikamente, die die Aktivität des Immunsystems vermindern, müssen lebenslang korrekt eingenommen werden, um eine Abstoßung der neuen Niere zu verhindern.“
Inhalte dieses Kapitels
- Was bedeutet eine Nierentransplantation für das Immunsystem?
- Die immunsuppressive Therapie während und nach der Nierentransplantation
- Nebenwirkungen von Immunsuppressiva
- Erhöhtes Infektionsrisiko durch die immunsuppressive Therapie
- Wechselwirkungen zwischen Immunsuppressiva und anderen Medikamenten und Nahrungsmitteln
- Die Wirkung der immunsuppressiven Therapie wird regemäßig überwacht
- Therapietreue – Immunsuppressiva richtig und regelmäßig einnehmen
Wo befinden Sie sich gerade? Die wichtigsten Etappen bei einer Nierentransplantation
Quiz – Testen Sie Ihr Wissen!
Was bedeutet eine Nierentransplantation für das Immunsystem?
Wie funktioniert die Immunabwehr?
Das Immunsystem des Menschen umfasst viele spezialisierte Zelltypen, die koordiniert zusammenarbeiten, um Krankheitserreger wie Bakterien, Viren und Pilze anzugreifen und zu zerstören. Dazu haben die Immunzellen gelernt, zwischen körpereigen und körperfremd zu unterscheiden. Sie erkennen Krankheitserreger anhand von körperfremden Oberflächenstrukturen – den sogenannten Antigenen –, greifen sie an und zerstören sie.
Nach demselben Prinzip werden auch Gewebemerkmale (z. B. HLA-Antigene) auf einer Spenderniere als körperfremd erkannt und können vom Immunsystem angegriffen werden – auch dann, wenn die Gewebemerkmale von spendender und empfangender Person gut zueinander passen. Man spricht von einer Abstoßungsreaktion, die zur Schädigung und zum Funktionsverlust der neuen Niere führen kann.
Was passiert bei der Abstoßungsreaktion gegen eine Spenderniere?
Das Immunsystem besteht aus unterschiedlichen Zellen, die spezifische Funktionen haben und auch zusammenarbeiten. Bei einer Abstoßungsreaktion spielen bestimmte Immunzellen, die T-Zellen und die B-Zellen, eine große Rolle.
- Einerseits werden T-Zellen aktiviert, die körperfremde Zellen erkennen und zerstören können.
- Anderseits werden von den B-Zellen zahlreiche Antikörper gebildet, welche an die körperfremden Zellen binden und diese zum Abbau für andere Immunzellen markieren.
Dies führt vereinfacht gesagt zu einer Entzündungsreaktion am transplantierten Organ und kann die Organfunktion schwer beeinträchtigen bzw. zum vollständigen Funktionsverlust führen. Um dies zu verhindern, wird nach einer Nierentransplantation die Aktivität des Immunsystems mit immunsuppressiven Medikamenten gedämpft, damit das Immunsystem die neue Niere nicht effektiv angreifen kann.
T-Zellen
- T-Zellen binden an ihr passendes Antigen auf Krankheitserregern, körperfremden Zellen oder auch Krebszellen, werden dadurch aktiviert und vermehren sich daraufhin stark.
- Aktivierte T-Zellen können körperfremde Zellen direkt angreifen und vernichten und weitere Immunzellen anziehen und so die Immunreaktion verstärken.
B-Zellen
- B-Zellen erkennen Krankheitserreger und körperfremde Zellen und produzieren in der Folge eine große Anzahl spezifischer Antikörper gegen deren Antigene.
- Diese Antikörper binden an die Antigene der Krankheitserreger und körperfremden Zellen und markieren sie dadurch für die Bekämpfung durch andere Zellen des Immunsystems.
Andere Immunzellen
Welche Arten von Abstoßungsreaktionen gibt es?
Hyperakute Abstoßung
- Sehr starke und schnelle Abstoßungsreaktion wenige Minuten bis Stunden nach der Transplantation
- Ausgelöst durch Antikörper, die bereits vor der Transplantation vorhanden sind, z. B. durch eine vorangegangene Transplantation oder eine Schwangerschaft (z. B. Antikörper gegen HLA-Merkmale oder Blutgruppen-Antigene) → Für mehr Informationen zur Immunreaktion auf HLA-Merkmale können Sie sich den Erklärfilm Gewebemerkmale und HLA-Matching anschauen.
- Beginnt mit Anschluss der Spenderniere an die Blutversorgung der empfangenden Person und führt fast immer zu einer irreversiblen Schädigung des Transplantats.
- Da die hyperakute Abstoßungsreaktion in aller Regel durch Bestimmung der Antikörper der empfangenden Person und Kreuzprobe sowie die genaue Auswahl des Spenderorgans bzw. vorbereitende Maßnahmen verhindert werden kann, ist sie sehr selten.
Akute Abstoßung
- Abstoßungsreaktion, die meist in den ersten Tagen und Wochen nach der Transplantation auftritt
- Ausgelöst meist durch T-Zellen
- Meist verläuft eine akute Abstoßung zunächst symptomfrei. Warnsignale können Grippe-ähnliche Symptome, eine verringerte Urinmenge oder Bluthochdruck sein.
- Die häufigen Kontrolluntersuchungen in der ersten Zeit nach der Transplantation dienen auch dazu, eine akute Abstoßung schnell zu erkennen. Sie lässt sich dann mit Medikamenten (meist Kortison) in der Regel gut behandeln.
Chronische Abstoßung
- Kann früh nach der Transplantation beginnen, schreitet jedoch sehr langsam voran und wird deswegen oft erst Monate oder Jahre nach der Transplantation erkannt
- Ausgelöst durch T-Zellen oder spezifische Antikörper gegen das transplantierte Organ
- Schleichende Schädigung und Verengung der Blutgefäße führt zu einem Absterben von Nierenzellen, bis zum vollständigen Funktionsverlust des Transplantats
- Ist häufig auf eine unregelmäßige Einnahme der Immunsuppressiva zurückzuführen.
- Die langfristige und regelmäßige Wahrnehmung der Kontrolltermine ist zentral, um eine chronische Abstoßung mittels Laboruntersuchungen von Blut und Urin und ggf. weiterführender Diagnostik zu erkennen.
- Um die chronische Abstoßung einzudämmen, wird in der Regel die immunsuppressive Therapie neu angepasst.
Alle Abstoßungsreaktionen führen zu einer Verschlechterung der Funktion der neuen Niere oder im schlimmsten Fall sogar zum Verlust des Transplantats.
Durch zuverlässige Medikamenteneinnahme und regelmäßige Kontrolltermine mit Blutuntersuchungen in der Transplantationsambulanz kann eine Abstoßung verhindert bzw. früh erkannt und behandelt werden.
➔ Mehr zu Kontrolluntersuchungen nach der Transplantation erfahren Sie im Abschnitt Nachsorge.
Die immunsuppressive Therapie während und nach der Nierentransplantation
Die richtige Balance der Immunsuppressiva ist entscheidend
Um zu verhindern, dass das Immunsystem von Empfängerinnen und Empfängern einer Nierenspende das neue Organ als körperfremd erkennt, angreift und schädigt, muss die Aktivität der Immunzellen durch die Einnahme von immunsuppressiven Medikamenten verringert werden. Immunsuppressiva dämpfen die Stärke der Immunreaktion, sodass eine Abstoßung des Transplantats unterbunden wird.
Bei der Immunsuppression gibt es allerdings einige Dinge zu beachten. Insbesondere die Dosierung der immunsuppressiven Therapie muss sehr genau eingestellt sein:
- Ist sie zu schwach, droht die Abstoßung des Transplantats.
- Ist sie zu stark, können vermehrt Nebenwirkungen wie Zittern der Hände oder Nierenschäden auftreten, und das Risiko für Infektionen steigt an.
Die Voraussetzung für konstante Blutspiegel ist die regelmäßige Einnahme der Immunsuppressiva!
Lesen Sie mehr darüber, wie Sie die korrekte Einnahme der Immunsuppressiva sicherstellen können, im Abschnitt Therapietreue – Immunsuppressiva richtig und regelmäßig einnehmen.
Welche immunsuppressiven Medikamente werden eingesetzt?
Induktionstherapie
Die Immunsuppression wird unmittelbar vor der Transplantation begonnen – mit der sogenannten Induktionstherapie. Die Induktionstherapie wird vor bzw. während der Operation als Infusion verabreicht. Sie ist oft hoch dosiert und beinhaltet insbesondere Antikörper und Kortison.
Basistherapie
Nach der Transplantation muss die Immunsuppression lebenslang richtig dosiert, pünktlich und konsequent eingenommen werden, um das neue Organ zu schützen – man spricht von der Basistherapie. Auch sie wird anfangs hoch dosiert, aber mit zunehmendem Abstand zur Operation an die individuellen Erfordernisse angepasst. Meist werden dabei verschiedene Wirkstoffe kombiniert – wie Kortikosteroide, Calcineurin- und Proliferationshemmer.
Wie unterscheiden sich die verschiedenen immunsuppressiven Therapien?
Die einzelnen Immunsuppressiva haben verschiedene Angriffspunkte und dämpfen die Aktivität des Immunsystems auf unterschiedliche Weise.
Antikörper
- Spezielle Antikörper gegen T-Zellen (Basiliximab, Anti-Thymozytenglobulin, Belatacept) oder B-Zellen (Rituximab), die diese gezielt blockieren oder zerstören
- Sie werden häufig im Rahmen der Induktionstherapie oder später zeitlich begrenzt eingesetzt, um eine akute Abstoßung zu verhindern oder wenn eine starke Immunsuppression erforderlich ist.
- Manche Antikörper-Präparate (z. B. Belatacept) können auch im Rahmen der dauerhaften Basistherapie eingesetzt werden.
Kortison
- Synthetisch hergestellte Medikamente, die dem natürlich im menschlichen Körper vorkommenden Kortisol ähneln
- Stark entzündungshemmende und leicht immunsuppressive Wirkung
- Im Lauf der Zeit wird die Dosierung verringert oder das Präparat ganz abgesetzt
- Z. B. Prednison, Prednisolon, Methyl-Prednisolon
Calcineurinhemmer
- Verhindern die vollständige Aktivierung und damit die Vermehrung von T-Zellen
- Medikament mit sehr engem Wirkungsbereich – die zuverlässige und präzise Einnahme zum richtigen Zeitpunkt sowie regelmäßige Messungen des Blutspiegels sind besonders wichtig.
- Anfangs höhere Dosierung, wichtiger Bestandteil der Basismedikation ggf. in geringerer Dosierung
- Z. B. Tacrolimus, Ciclosporin
Proliferationshemmer
- Verhindern die Zellteilung (Proliferation) von T- und B-Zellen und damit deren Vermehrung
- Zu dieser Gruppe gehören mTOR-Hemmer (Sirolimus, Everolimus) und Antimetabolite (Mycophenolat-Mofetil, Mycophenolsäure).
Die Immunsuppression wird auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten
Immunsuppressive Medikamente müssen genau dosiert werden, damit sie ausreichend wirksam sind, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern, aber möglichst keine unerwünschten Nebenwirkungen zeigen.
Wie viel von den jeweiligen Medikamenten eingenommen werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Zeitlicher Abstand zur Transplantation: In der ersten Zeit nach der Transplantation ist eine stärkere Immunsuppression nötig, die mit der Zeit reduziert wird.
- Individuelle Verträglichkeit
- Risiko für bestimmte Infektionen
- Aus genetischen Gründen bauen manche Menschen immunsuppressive Medikamente schneller ab als andere und benötigen daher eine entsprechend angepasste Dosierung.
- Persönliche Bedürfnisse und Lebensumstände
Durch die Kombination mehrerer Wirkstoffe, die über unterschiedliche Mechanismen eine Immunsuppression bewirken, können hohe Dosierungen meist vermieden und Nebenwirkungen vermindert werden.
Achtung: Die Einnahme der Immunsuppressiva darf niemals ohne Rücksprache mit Fachärztinnen und -ärzten beendet oder verändert werden!
Sogar eine Schwangerschaft ist nach Rücksprache mit dem Transplantationszentrum und ggf. Anpassung der Medikation möglich. Bei Kinderwunsch oder Schwangerschaft dürfen nur bestimmte Immunsuppressiva eingenommen werden.
Nehmen Sie Ihre immunsuppressive Therapie immer korrekt und regelmäßig ein.
Das ist wichtig, um das neue Organ vor einer Abstoßung zu schützen! Im Abschnitt Therapietreue – Immunsuppressiva richtig und regelmäßig einnehmen können Sie lesen, worauf Sie bei der Einnahme und Lagerung der immunsuppressiven Medikamente achten sollten.
Nebenwirkungen von Immunsuppressiva
Auf mögliche Nebenwirkungen von Immunsuppressiva achten und frühzeitig reagieren
Es ist wichtig, dass unerwünschte Wirkungen der Immunsuppressiva früh erkannt werden, denn dann können rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen und die Immunsuppression z. B. durch eine Dosisänderung, einen Präparatwechsel oder eine neue Kombination von Medikamenten angepasst werden.
Um möglichst schnell auf Nebenwirkungen reagieren zu können, sollten Menschen mit einem Nierentransplantat
- wichtige Nebenwirkungen ihrer individuellen immunsuppressiven Therapie kennen und auf sie achten.
- sich an das Transplantationszentrum wenden, wenn ihnen Nebenwirkungen oder etwas anderes Ungewöhnliches auffällt.
- in der ersten Zeit nach der Verordnung eines neuen immunsuppressiven Medikaments in besonders engem Austausch mit dem Transplantationszentrum stehen.
- wissen, dass hinter einer vermeintlichen Nebenwirkung auch eine Abstoßungsreaktion stecken kann.
- die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen wahrnehmen, bei denen auch speziell auf Nebenwirkungen und Abstoßungsreaktionen geachtet wird.
Häufige Risiken und Nebenwirkungen von Immunsuppressiva
Erhöhtes Infektionsrisiko durch die immunsuppressive Therapie
Infektionen sind eine häufige Nebenwirkung bei der Einnahme von Immunsuppressiva. Durch die verminderte Aktivität der Immunzellen ist die Anfälligkeit für Krankheitserreger erhöht. Dies gilt in besonderem Maße im ersten Jahr nach der Transplantation, da die immunsuppressiven Medikamente dann hoch dosiert werden und sich der Körper erst noch an den neuen Zustand gewöhnen muss. Später wird die Dosis meist verringert, aber das Infektions-Risiko bleibt erhöht. Voraussetzung für die Dosisreduktion ist immer die Rücksprache mit den Ärztinnen und Ärzten des Transplantationszentrums.
Achtung: Anzeichen und Warnsignale von Infektionen
Erhöhte Körpertemperatur (mehr als 37 °C) oder Fieber (mehr als 37,5 °C) sind die wichtigsten Warnsignale bei den meisten Infektionen.
Transplantierte Menschen sollten in jedem Fall bereits bei einer erhöhten Temperatur (mehr als 37 °C) Kontakt zum Transplantationszentrum aufnehmen!
Zu erhöhter Körpertemperatur oder Fieber können – je nach Erreger und Ort der Infektion – weitere Anzeichen wie Schmerzen, Husten oder Durchfall kommen. Die Symptome von Infektionen sind bei Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen, oft schwächer und undeutlicher. Gerade deshalb sollten auch milde Anzeichen einer Infektion unbedingt ernst genommen werden!
Welche Infektionen treten nach einer Nierentransplantation häufig auf?
Nierentransplantierte sind grundsätzlich anfälliger für alle Krankheitserreger. Dazu gehören Bakterien, Viren und Pilze, die auch Menschen ohne Transplantat betreffen.
Einige Krankheitserreger, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind, wie das Cytomegalie- oder das BK-Virus, verursachen bei Menschen mit einem voll funktionsfähigen Immunsystem keine Symptome, denn das Immunsystem verhindert eine Vermehrung des Erregers. Nach einer Nierentransplantation ist es möglich, dass diese Erreger sich vermehren und die Erkrankung dadurch ausbricht. Diesen Vorgang nennt man Reaktivierung. Außerdem können sich Transplantierte, die bisher noch keinen Kontakt zu den Erregern hatten, auch neu anstecken und dadurch erkranken.
Cytomegalievirus (CMV)
- Die CMV-Erkrankung kann unterschiedliche Organe betreffen und u. a. zu Entzündungen in Speiseröhre, Dickdarm, Netz&hsy;haut, Leber, Lunge und dem zentralen Nervensystem führen.
- Eine Infektion mit CMV liegt oft schon vor der Transplantation vor. Sowohl die empfangende Person als auch das gespendete Organ können infiziert sein.
- Durch die immunsuppressive Therapie kann es zu einer Reaktivierung kommen. Dies passiert häufig im ersten Jahr nach der Transplantation, da die Immunsuppressiva dann besonders hoch dosiert werden müssen.
- Besteht das Risiko einer Reaktivierung, erhalten Organempfängerinnen und -empfänger in den ersten Monaten nach der Transplantation ein Medikament, das die Vermehrung des Virus hemmt (Virostatikum).
- Nach einer Organtransplantation wird regelmäßig auf CMV getestet und kontrolliert, dass die Werte im Normbereich sind.
- Im Fall eines Krankheitsausbruchs sind CMV-Infektionen durch Medikamente behandelbar.
BK-Virus (BKV)
- BK-Viren, die zu den Polyomaviren zählen, können eine Entzündung von Harnleiter, Harnblase und Niere auslösen (Polyomavirus-Nephropathie), die die transplantierte Niere so schwer schädigen kann, dass es zu einem Versagen des neuen Organs kommen kann.
- Die Polyomavirus-Nephropathie verläuft anfangs oft symptomlos – regelmäßige Kontrolluntersuchungen sind daher besonders wichtig.
- Eine Infektion mit BK-Viren besteht ebenfalls häufig schon vor der Transplantation und kann infolge der Immunsuppression reaktiviert werden – oft im Zeitraum von 8 bis 13 Monaten nach der Nierentransplantation.
- Eine BKV-Erkrankung wird in der Regel durch eine Anpassung (Reduktion und/oder Wechsel) der immunsuppressiven Therapie behandelt.
- Eine vorbeugende Behandlung gegen das BKV ist derzeit nicht möglich.
Pneumocystis jirovencii
- P. jirovencii, auch als P. carinii bezeichnet, ist ein Pilz, der bei immunsupprimierten Menschen eine Lungenentzündung auslösen kann.
- Zum Schutz vor einer P.-jirovencii-Erkrankung kommen in den ersten Monaten nach einer Nierentransplantation vorbeugend bestimmte Antibiotika, die auch gegen den Pilz wirksam sind, zum Einsatz. Auch im Falle einer Erkrankung wird mit Antibiotika behandelt.
Candida albicans
- C. albicans ist ein Hefepilz, der vor allem die Haut und Schleimhaut befällt. Am häufigsten ist die Mundhöhle und der Hals betroffen (Soor), seltener tritt er in den Augen, Atemwegen oder im Urogenitalbereich auf.
- Vorbeugend werden nach der Transplantation lokale oder systemisch wirkende Lösungen zur oralen Anwendung oder Tabletten gegeben, die gegen Pilze wirksam sind (Antimykotika).
Infektionen vermeiden – das sollte beachtet werden
Weitere Details zur Umsetzung des Infektionsschutzes im Alltag.
Impfungen reduzieren das Infektionsrisiko
Welche Arten von Impfstoffen es gibt und wie diese Impfungen funktionieren, können Sie auf der Website impfen-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nachlesen.
Wechselwirkungen zwischen Immunsuppressiva und anderen Medikamenten und Nahrungsmitteln
Manche Medikamente und Nahrungsmittel können die Wirkstoffspiegel der Immunsuppressiva im Blut verändern. Manchmal ist es deswegen nötig, die Dosierung der Immunsuppressiva anzupassen, manche Medikamente dürfen auch überhaupt nicht in Kombination mit Immunsuppressiva eingenommen werden.
Mögliche Wechselwirkungen zwischen Immunsuppressiva und anderen Medikamenten sowie Nahrungsmitteln
- Andere verschreibungspflichtige Arzneimittel
- Pflanzliche oder frei verkäufliche Arzneimittel
- Nahrungsmittel
- Vor der Einnahme neuer Medikamente sollte immer mit dem Transplantationszentrum oder der behandelnden Ärztin bzw. dem Arzt Rücksprache gehalten werden.
- Neue Ärztinnen oder Ärzte sollten informiert werden, dass Immunsuppressiva eingenommen werden und Medikamente daher vor der Verordnung auf Wechselwirkungen geprüft werden sollten.
- Tipp: Ein Medikamentenplan, in den alle Medikamente, die eingenommen werden, eingetragen werden, erleichtert Ärztinnen und Ärzten den raschen Überblick.
- Auch pflanzliche Arzneimittel (z. B. mit Johanniskraut oder Schisandrabeere), Nahrungsergänzungsmittel oder andere Präparate, die in Apotheke oder Drogeriemarkt frei verkäuflich sind, können Wechselwirkungen mit Immunsuppressiva haben.
- Die Einnahme von pflanzlichen oder frei verkäuflichen Arzneimitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln sollte immer mit dem Transplantationszentrum oder der behandelnden Ärztin bzw. dem Arzt abgesprochen werden.
- Nicht nur Arzneistoffe, auch bestimmte Nahrungsmittel können die Aufnahme und Verstoffwechslung von Immunsuppressiva beeinflussen.
- Menschen, die Immunsuppressiva einnehmen, sollten auf Grapefruit, Pomelo, Cranberry, Granatapfel, Sternfrucht, Ingwer in großen Mengen, Lakritz, Johanniskraut, Arnika und Schisandrabeeren verzichten.
Rückfragen stellen!
Lassen Sie sich durch Aussagen Dritter hinsichtlich der Einnahme Ihrer Immunsuppressiva nicht beirren. Bei Fragen oder Unklarheiten bezüglich Ihrer medikamentösen Behandlung wenden Sie sich direkt an das Team des Transplantationszentrums oder an Ihre niedergelassene Nephrologin bzw. Ihren niedergelassenen Nephrologen! Nehmen Sie keine eigenständige Änderung der Medikation vor!
Darüber hinaus bietet es sich an, bei jedem Kontrolltermin einen Blick auf den Medikationsplan zu werfen und zu prüfen, ob alle Medikamente erforderlich und richtig dosiert sind und zusammenpassen.
Die Wirkung der Immunsuppressiven Therapie wird regelmäßig überwacht
Die regelmäßigen Kontrolltermine in der Transplantationsambulanz sind wichtig für den langfristigen Erfolg der Nierentransplantation. Dabei wird
- der Wirkstoffspiegel der Immunsuppressiva im Blut gemessen, um sicherzustellen, dass die Dosierung nicht zu hoch und nicht zu niedrig ist.
- das Blut auf Antikörper gegen das transplantierte Organ (Immunmonitoring auf HLA-Antikörper) untersucht, die auf eine Abstoßungsreaktion hinweisen. Mehr Details zum Thema HLA bietet unser Erklärfilm Gewebemerkmale und HLA-Matching.
- nach möglichen Nebenwirkungen der immunsuppressiven Therapie gesucht, z. B. Screening auf CMV- oder BKV-Infektionen
Mehr zu den regelmäßigen Nachsorgeuntersuchungen, die für Nierentransplantierte verpflichtend sind, erfahren Sie im Abschnitt Nachsorge und Vorsorge.
Therapietreue – Immunsuppressiva richtig und regelmäßig einnehmen
Die unregelmäßige Einnahme der immunsuppressiven Medikamente ist eine häufige Ursache für eine Transplantatabstoßung.
Eine Abstoßungsreaktion ist in der ersten Zeit nach der Transplantation besonders häufig, kann jedoch auch erst Jahre später einsetzen, wenn die immunsuppressiven Medikamente nicht korrekt eingenommen wurden. Die immunsuppressive Therapie ist daher dauerhaft notwendig.
Einnahmehinweise von Immunsuppressiva beachten
Damit die Immunsuppressiva richtig wirken können, müssen die Medikamente immer nach Anweisung von Ärztin oder Arzt und möglichst immer zum gleichen Zeitpunkt im Tagesverlauf eingenommen werden!
Sprechen Sie mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt über die korrekte Einnahme und lesen Sie weitere Hinweise in der Gebrauchsinformation (Beipackzettel) Ihrer Medikamen!
Gemeinsam Lösungen für Probleme bei der Medikamenteneinnahme finden
Einige Tipps, wie Sie Einnahmefehler vermeiden und keine Einnahme vergessen, finden Sie in der Checkliste zum Herunterladen.
Immunsuppressiva richtig lagern
Bei Immunsuppressiva gilt: Immer das gleiche Medikament vom selben Hersteller
Bei vielen Medikamenten ist es möglich, dass Apothekerinnen und Apotheker abhängig von Rabattverträgen der Krankenkasse und Verfügbarkeit auf unterschiedliche Hersteller zurückzugreifen. Bei Immunsuppressiva ist das jedoch problematisch, da die Zusammenstellung der Hilfs- und Trägerstoffe eventuell Auswirkungen auf den Blutspiegel des Wirkstoffs haben kann.
Ärztinnen und Ärzte können und sollten auf Ihrem Rezept für die Immunsuppressiva deshalb einen Austausch des Präparats ausschließen. Dazu muss das Kästchen, in dem aut idem – lat. für „oder das Gleiche“ – ausgekreuzt sein. Nur wenn ein Kreuz vor oder bei dem Ausdruck aut idem ist, muss in der Apotheke genau das Präparat ausgegeben werden, das auf dem Rezept steht.
Prüfen Sie, dass bei Ihren Rezepten immer ein Kreuz bei aut idem ist, und sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an, wenn sie/er versäumt hat, das Kreuz zu setzen!
Prüfen Sie, dass bei Ihren Rezepten immer ein Kreuz bei aut idem ist, und sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an, wenn sie/er versäumt hat, das Kreuz zu setzen!
Das neue E-Rezept
Seit dem 1. Januar 2024 müssen Ärztinnen und Ärzte für die Verordnung von verschreibungspflichtigen Medikamenten ein E-Rezept ausstellen. Mehr Informationen zum Umgang mit dem E-Rezept.
Häufig gestellte Fragen rund um das E-Rezept werden auch auf der Webseite des Bundesministeriums für Gesundheit beantwortet.
Um z. B. sicherzustellen, dass das aut-idem-Kreuz gesetzt wurde, sollten Nierentransplantierte die E-Rezept-App auf ihrem Smartphone installieren. In der App klickt man auf das betreffende Medikament und kann dies unter dem Punkt „Ersatzpräparat möglich (aut idem)“ prüfen.
Quiz – Testen Sie Ihr Wissen!
Das könnte Sie auch interessieren
Quellen und weiterführende Literatur
Bundesverband für Gesundheitsinformation und Verbraucherschutz – Info Gesundheit e.V. Alltag nach der Organtransplantation – Zurück im Leben. Auflage 2017.
Deutsche Gesellschaft für Immunologie e.V. Immunologie für Jedermann. Organtransplantation. Abstoßung und Immunsuppression. https://das-immunsystem.de/wissenswertes/organtransplantation/abstossung-und-immunsuppression/ (abgerufen am 02.09.2024)
Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e. V. Nieren-Navi. Nierentransplantation. Aufklärungsbogen Nierentransplantation https://www.nieren-navi.de/fileadmin/content/nierenersatztherapie/nierentransplantation/20210218-TX-Manual-Gesamtdokument.pdf
Ständige Impfkommission. Impfungen vor und nach einer Organtransplantation https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/s00103-020-03123-w.pdf
Die Inhalte wurden in enger Zusammenarbeit mit einem Beirat aus Patientenorganisationen und Ärztinnen und Ärzten erstellt.



