Selbstkontrolle und gesunder Lebensstil nach der Nierentransplantation
„Mit regelmäßiger Selbstkontrolle, guter Therapieadhärenz und einem gesunden Lebensstil können Nierentransplantierte aktiv zu ihrer Gesundheit beitragen und die Funktion ihres Transplantats unterstützen – und damit auch ihre langfristige Lebensqualität positiv beeinflussen.“
Inhalte dieses Kapitels
- Selbstkontrolle nach der Nierentransplantation lernen
- Mit guten Gewohnheiten die Gesundheit und die neue Niere schützen
- Digitale Unterstützung nach der Nierentransplantation – hilfreiche Apps & Co
- Austausch mit anderen Transplantierten und Hilfe bei psychischer Belastung nach der Nierentransplantation
Wo befinden Sie sich gerade? Die wichtigsten Etappen bei einer Nierentransplantation
Quiz – Testen Sie Ihr Wissen!
Selbstkontrolle lernen nach der Nierentransplantation
Schon in der Klinik lernen Nierentransplantierte, ihre Vitalwerte selbst zu kontrollieren. Das heißt Blutdruck, Puls und Temperatur regelmäßig zu messen, das Körpergewicht zu überwachen und alle Werte zu protokollieren.
- Die selbständige Kontrolle der Werte ermöglicht es, frühzeitig zu erkennen, wenn etwas nicht in Ordnung ist, also wenn es beispielsweise Hinweise auf eine mögliche Abstoßungsreaktion oder Nebenwirkungen der Immunsuppressiva gibt.
- In diesem Fall sollten sich Nierentransplantierte unverzüglich mit dem Transplantationszentrum oder der behandelnden Nephrologin bzw. dem behandelnden Nephrologen in Verbindung setzen.
Diese Werte sollten nach der Nierentransplantation regelmäßig gemessen und dokumentiert werden
Wichtige Werte, die Rückschlüsse auf die Gesundheit und die Funktion des Nierentransplantats zulassen, sind:
- Körpergewicht: Messung morgens nach dem Toilettengang und vor dem Frühstück
- Körpertemperatur: Messung morgens in häuslicher Umgebung; die Normaltemperatur bei Messung in der Achselhöhle liegt bei ca. 36,5°C
- Blutdruck: Immer zur gleichen Zeit unter gleichen Bedingungen messen, vor der Einnahme von Blutdrucksenkern.
- Puls: Immer zur gleichen Zeit unter gleichen Bedingungen messen, vor der Einnahme von Blutdrucksenkern.
- Flüssigkeitsbilanz – also Trinkmenge und Urinmenge: Es sollten 500 ml mehr aufgenommen, als über den Urin ausgeschieden werden; die empfohlene Trinkmenge liegt in der Regel bei zwei Liter pro Tag
- Weitere Auffälligkeiten: z. B. körperliche Beschwerden wie Übelkeit oder Müdigkeit, Aussehen/Farbe des Urins
- Ggf. Blutzucker: im Falle eines Diabetes mellitus
In der ersten Zeit nach der Nierentransplantation sollten diese Werte täglich gemessen und dokumentiert werden. Langfristig ist eine Kontrolle und Dokumentation ein- bis zweimal wöchentlich ausreichend.
- Körpertemperatur über 37,5°C
- Erhöhter Blutdruck
- Verminderte Urinausscheidung
- Wassereinlagerungen im Körper (Ödeme bzw. Schwellungen und erhöhtes Körpergewicht)
- Schmerzen im Bereich der Transplantatnarbe
Ein Transplantations-Tagebuch führen
Das sollte in einem Transplantationstagebuch notiert werden:
- Dokumentation der gemessenen Werte
- Körperliche Beschwerden und Besonderheiten
- Allgemeines Befinden
- Erinnerung an wichtige Kontrolltermine
Zusätzlich zum Tagebuch sollte man eine Medikamentenliste bzw. einen Medikationsplan führen. Darin werden die Immunsuppressiva und alle weiteren Medikamente, die eingenommen werden, eingetragen.
Mit guten Gewohnheiten die Gesundheit und die neue Niere schützen
Transplantierte sollten für sich schützende Gewohnheiten entwickeln, denn sie haben es in der Hand ihre Gesundheit aktiv zu stärken!
Transplantierte sollten für sich schützende Gewohnheiten entwickeln, denn sie haben es in der Hand ihre Gesundheit aktiv zu stärken!
Adhärenz: Immunsuppressiva konsequent einnehmen
Die richtige und regelmäßige Einnahme der Medikamente ist der Schlüssel zum Schutz der neuen Niere. Nur durch eine lebenslange konsequente immunsuppressive Therapie bleibt das Transplantat sicher vor einer Abstoßung geschützt. Darüber hinaus muss die Gesundheit und Funktion der neuen Niere regelmäßig kontrolliert werden. Dabei wird auch die Wirkung der Immunsuppressiva überprüft und die Dosierung ggf. angepasst. Wie oft diese Nachsorgetermine stattfinden, richtet sich nach dem Zustand des Transplantats und danach, wie lange die Transplantation zurückliegt.
Ärztinnen und Ärzte sprechen in diesem Zusammenhang häufig von Adhärenz, Compliance oder Therapietreue. Bei all diesen Wörtern geht es darum, dass Patientinnen und Patienten die mit der Ärztin oder dem Arzt vereinbarte Therapie korrekt und konsequent durchführen, also ihre Medikamente wie vereinbart einnehmen, die vereinbarten Vor- und Nachsorgeuntersuchungen wahrnehmen und gemeinsam besprochene Anpassungen des Lebensstils zu Förderung der Gesundheit umsetzen.
Sprechen Sie Probleme mit der Therapietreue im Transplantationszentrum offen an. Gemeinsam können Lösungen gefunden und Schwierigkeiten abgemildert werden.
- Mehr zu den Medikamenten nach der Transplantation erfahren Sie auch im Kapitel Immunsystem und immunsuppressive Therapie.
- Alles Wichtige zu den ärztlichen Kontrolltermine nach der Transplantation finden Sie im Kapitel Nachsorge und Vorsorge nach der Transplantation.
Mit Interesse an der eigenen Gesundheit einen gesunden Lebensstil finden
Wichtige Aspekte eines gesunden Lebensstils:
- Gesunde und ausgewogene Ernährung
- Regelmäßige Bewegung
- Normales Körpergewicht
- Ausreichend Schlaf
- Verzicht auf Nikotin und wenig/kein Alkohol
- Alle Medikamente laut Medikationsplan regelmäßig und konsequent einnehmen
- Regelmäßige Wahrnehmung der Nach- und Vorsorgeuntersuchungen
Detaillierte Tipps für einen gesunden Lebensstil und die Gestaltung des Alltags nach der Transplantation finden Sie im Abschnitt Den Alltag nach der Nierentransplantation gestalten.
Digitale Unterstützung nach der Nierentransplantation – hilfreiche Apps & Co
Mittlerweile gibt es viele Technologien und digitale Anwendungen, die Menschen nach einer Nierentransplantation unterstützen können. Mit verschiedenen Eigenschaften und Funktionen passen sie zu unterschiedlichen Transplantationspatientinnen und -patienten. Ausprobieren lohnt sich!
Neue Technologien für den Alltag von Nierentransplantierten
Telemedizin
Manche Transplantationszentren bieten die Teilnahme an telemedizinischen Betreuungsprogrammen an. So können Transplantierte z. B. ihre Messwerte (Blutdruck, Puls, etc.) oder Informationen über neue Medikamente, die sie einnehmen, direkt an ein telemedizinisches Behandlungsteam übermitteln.
Durch den engen Kontakt mit dem Transplantationszentrum werden eventuelle Beeinträchtigungen der Gesundheit, Anzeichen für eine Funktionseinschränkung der Spenderniere sowie Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen der Medikamente schneller erkannt und behandelt.
DiGAs oder Apps zur Erinnerung an Medikamente
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) oder Apps können Menschen dabei unterstützen, ihre Medikamente richtig einzunehmen. Einige davon wurden speziell für Transplantationspatientinnen und -patienten entwickelt. Die Apps können auf dem Handy installiert und von der Nutzerin bzw. dem Nutzer personalisiert werden.
- Mit der App MyTherapy können alle Medikamente gescannt und die Einnahmezeit erfasst werden. MyTherapy erinnert dann an die Einnahme sowie an Arzttermine für neue Rezepte. Zusätzlich bietet die App ein digitales Gesundheitstagebuch.
Hier geht’s zu MyTherapy. - Auch die App mediteo oder die Mizu-App bieten eine Erinnerungsfunktion für die Einnahme der Medikamente.
Hier geht’s zur mediteo.
Hier geht’s zur Mizu-App.
Wearables
Viele Menschen nutzen Wearables wie Fitness-Tracker, Smartwatches und Smartringe, um sportliche Aktivitäten und Gesundheitswerte im Alltag zu erfassen. Sie zeichnen z. B. die Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung des Blutes und manche auch den Blutdruck im Tagesverlauf auf. Zusätzlich können sie Einblicke in die Schlafqualität liefern und zu regelmäßiger sportlicher Aktivität motivieren.
Meist werden Wearables mit dem Smartphone gekoppelt und können darüber ausgelesen werden. Optional kann ein Alarm bei Normabweichung eingestellt werden. Nierentransplantierte sollten sich beraten lassen, welches Gerät am besten geeignet ist.
Achtung: Wearables ersetzen nicht die regelmäßigen Selbstkontrollen und Kontrolltermine! Bisher werden sie nur im Freizeit- und noch nicht im medizinischen Bereich eingesetzt. Die für das Transplantations-Tagebuch relevanten Werte sollten weiterhin mit den dafür zugelassenen Geräten (z. B. Blutdruckmessgerät) gemessen werden.
Austausch mit anderen Transplantierten und Hilfe bei psychischer Belastung nach der Nierentransplantation
Wenn solche oder ähnliche belastende Gedanken Sie beschäftigen, haben Sie keine Scheu, darüber zu sprechen, und suchen Sie sich auf jeden Fall Unterstützung und Hilfe.
Oft reicht es schon, sich mit anderen Menschen über seine Sorgen und Ängste auszutauschen. Ansprechpartner können Angehörige oder Freunde sein, auch das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt oder einer Psychotherapeutin bzw. einem Psychotherapeuten kann helfen. Weitere wichtige Anlaufstellen sind Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen, denn der Austausch mit anderen Menschen, die Ähnliches erlebt haben, kann enorm entlastend sein und zugleich wertvolle Tipps für den Umgang mit der neuen Situation geben.
Weitere Hinweise, wie Sie mit psychischen Belastungen nach einer Nierentransplantation umgehen können, finden Sie hier.
Was andere Menschen nach einer Nierentransplantation getan haben, um ihre mentale Gesundheit zu stärken, erfahren Sie in unserem Erfahrungsbericht mentale Gesundheit.
Hier finden Sie mehr Informationen und Kontaktadressen zu Selbsthilfegruppen.
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Quellen und weiterführende Literatur
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Wearables: So nutzen Sie Fitnesstracker, -armbänder & Co. Sicher. Verfügbar unter: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Verbraucherinnen-und-Verbraucher/Informationen-und-Empfehlungen/Internet-der-Dinge-Smart-leben/Smart-Home/Wearables/wearables_node.html. Abgerufen am 21.10.2024.
DKE – VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. Medizinische Wearables sind in Vorbereitung und werden die Gesundheit von Patienten verbessern. Verfügbar unter: https://www.dke.de/de/arbeitsfelder/health/wearables-medizintechnik. Abgerufen am 21.10.2024.
Die Inhalte wurden in enger Zusammenarbeit mit einem Beirat aus Patientenorganisationen und Ärztinnen und Ärzten erstellt.


