Den Alltag nach der Nierentransplantation gestalten

Den Alltag nach der Nieren­transplantation gestalten

Neuer Alltag nach der Nierentransplantation: eine Frau und ein Mann spazieren glücklich händchenhaltend im Wald

„Eine Nieren­transplantation bedeutet in den meisten Fällen die Rück­kehr zu einem selbst­bestimmten Alltag – wenn ein paar wichtige Regeln befolgt werden.“

Inhalte dieses Kapitels

Wo befinden Sie sich gerade? Die wichtigsten Etappen bei einer Nieren­transplantation

Mit der Transplantation einer Spenderniere beginnt ein neues Leben, das deutlich aktiver und selbst­bestimmter sein kann als in der Zeit während der Dialyse. Gleichzeitig sollten Patientinnen und Patienten mit einem Nierentransplant in ihrem neuen Alltag einige wichtige Dinge und Verhaltens­hinweise beachten, um sich und das neue Organ optimal zu stärken und zu schützen.

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Quiz PE 3.1

Start ins Leben mit einem neuen Organ

Die unter Um­ständen lange Warte­zeit mit Dialyse ist mit vielen Ein­schränkungen verbunden. Nach der Trans­plantation kann man das Leben und den Alltag wieder aktiver und selbst­bestimmter gestalten. Dabei ist es wichtig, das neue Organ zu schützen – u. a. mit einem bewussten Lebens­stil.

  • Schutz vor Infektionen, eine gesunde und keimarme Er­nährung, regel­mäßige Bewegung, aus­reichender Sonnen­schutz und vieles mehr sollten mit in den Alltag eingeplant werden.
  • Auch Arbeiten und Reisen wird nach der Nieren­transplantation wieder einfacher und der Wunsch nach Nähe, Liebe und Sex­ualität kann wieder mehr in den Vorder­grund treten.

Besonders das erste Jahr nach der Trans­plantation ist entscheidend. Hier werden wichtige Weichen für ein gesundes Leben mit dem neuen Organ gestellt und es sind viele Verhaltens­regeln zu beachten, um die Spender­niere zu schützen. Einige Ein­schränkungen werden bleiben, doch vieles wird mit der Zeit anders, besser und leichter.

Wichtige Hinweise und Tipps, wie man den Alltag nach der Trans­plantation best­möglich gestalten und genießen kann, sind in den nach­folgenden Abschnitten zu finden.

Ansprech­personen für Fragen und Sorgen nach der Trans­plantation

Im Leben mit einer Spender­niere ist vieles neu – das kann zu Unsicher­heit führen. Sie können Ihre Ärztinnen und Ärzte im Trans­plantations-Zentrum alles fragen und ihnen gegenüber alles ansprechen, was Ihnen un­gewöhnlich vorkommt. Wirklich alles!

Die regel­mäßigen Nachsorge­termine bieten eine gute Gelegenheit, auch Themen an­zusprechen, die über die Kontroll­untersuchungen hinausgehen. Im Abschnitt Nach­sorge erfahren Sie, wie Sie sich optimal auf den Nach­sorgetermin vorbereiten können.

Auch Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen können nach der Trans­plantation eine große Hilfe sein – gerade für Alltagstipps und Dinge, die man vielleicht nicht mit einem Arzt oder einer Ärztin besprechen möchte. Mehr Informationen und Kontakte zu Patientenorganisationen.

Das ist wichtig zu wissen nach der Nieren­transplantation – Erfahrungs­berichte

Wie wird das Leben und der Alltag nach einer Nieren­transplantation aussehen? Menschen, die mit einer Spender­niere leben, berichten über ihre Er­fahrungen – die positiven und auch die negativen. Sie ver­raten viele Tipps für den Alltag nach der Nieren­transplantation.

Infek­tionen nach einer Nieren­transplantation vor­beugen

Nach einer Nieren­transplantation ist die dauerhafte oder ein Leben lange konsequente Ein­nahme von Immun­suppressiva nötig. Dadurch steigt jedoch das Risiko für Infektionen. Deshalb sollten sich Nieren­transplantierte an einige wichtige Verhaltens­regeln zum Schutz vor Infektionen halten.

Alles Wichtige zu den Immun­suppressiva und viele Tipps und Tricks, um keine Einnahme zu vergessen, ist im Abschnitt Immun­system und immun­suppressive Therapie zusammen­gefasst. Dort finden Sie auch weitere Informationen darüber, warum das Infektions­risiko durch die Immun­suppressiva erhöht ist und was mögliche Anzeichen für eine Infektion sind.

Bei Fragen, Anzeichen für eine Infektion oder bei neu auf­tretenden Beschwerden wenden Sie sich bitte sofort an das Transplantations­zentrum!

Wie kann man sich vor Infektionen schützen – Verhaltens­tipps für einen hygienischen Alltag

Hy­giene in der Küche und beim Um­gang mit Lebens­mitteln

Lebens­mittel können Bakterien und Pilze enthalten. Trans­plantierte sollten daher be­sonders auf Hygiene beim Einkauf und bei der La­gerung und Zubereitung von Lebens­mitteln achten. Auch sollten alle Ober­flächen, die mit Lebensmitteln in Berührung kommen, gründlich ge­reinigt werden.

Auch eine keimarme Er­nährung hilft, Infektionen zu vermeiden. Manche Lebensmittel sollten im Rahmen einer keim­armen Ernährung ganz vermieden werden.

Mehr zur Küchen­hygiene, zum richtigen Umgang mit Lebens­mitteln und zur keimarmen Ernährung nach der Trans­plantation erfahren Sie im Abschnitt zur Ernährung.

Haut und Schleim­haut, z. B. im Mund oder im Genital­bereich, sind natürlicherweise von Bak­terien und Pilzen bewohnt und kommen im Alltag mit Krank­heitserregern in Kontakt. Deshalb ist eine gute Körper­hygiene wichtig, um Infektionen zu vermeiden. Hier ein paar Tipps:

  • Regel­mäßiges Händewaschen mit Seife
  • Zweimal täglich Zähne­putzen (Zahnprothesen einmal täglich)
  • Besser duschen als baden, Whirl­pools und Dampfbäder meiden
  • Tägliche Intim­pflege zur Vorbeugung von auf­steigenden Infektionen über die Harnwege
  • Umstieg auf Binden oder Period­enunterwäsche während der Menstruation
  • Nur eigene Handtücher nutzen, diese regel­mäßig wechseln
  • Handtücher und Wäsche mit Schleim­hautkontakt bei mindestens 60 Grad waschen
  • Regelmäßiges Erhitzen des Leitungs­wassers auf mindestens 60 Grad (betrifft die Ein­stellung der Kessel­temperatur der Hauswasseranlage)

Erde und Kom­post sowie das Wasser von Schnitt­blumen enthalten viele Keime, die über kleine Ver­letzungen in die Haut und über die Atemwege auf­genommen werden können. Um sich vor Infektionen zu schützen, sollte man bei der Pflanzen­pflege einige Maßnahmen beachten, zum Beispiel:

  • Tragen von Hand­schuhen
  • Gründliches Händewaschen nach dem Umgang mit Pflanzen und Erde
  • Um­topfen oder den Wasserwechsel bei Schnitt­blumen vermeiden, insbesondere in den ersten Monaten nach der Trans­plantation
  • Vermeiden von Staub­aufwirbeln, zum Beispiel durch Verwendung von Pflanzen­substrat statt Erde oder Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes (Maske) bei stau­bigen Arbeiten

Wer bereits ein Haus­tier besitzt, kann man dieses grundsätzlich auch nach der Trans­plantation behalten. Dabei sollten jedoch einige Verhaltens­regeln eingehalten werden, zum Beispiel:

  • Hände­waschen nach Kontakt mit dem Tier, Tiere nicht „küssen“ und sich nicht ablecken lassen
  • Regel­mäßige tierärztliche Untersuchung auf Parasiten, Würmer und andere Krank­heitserreger
  • Kontakt mit Tierkot vermeiden, zum Beispiel Katzen­klo nicht selbst reinigen
  • Kein Kontakt mit streu­nenden/fremden Tieren, bei Haustieren von Bekannten Infor­mationen zu Impf­ungen und Entwurmung erfragen

Von der Neu­anschaffung eines Haustieres wird von den meisten Trans­plantations­zentren abgeraten, zumindest in den ersten ein bis zwei Jahren nach der Trans­plantation. Einige Haustiere bergen ein höheres Infektions­risiko – zum Beispiel Katzen (Toxoplasmose) und Pa­pageien (Psittakose). Auch bei Reptilien, Nage­tieren und Küken ist besondere Vorsicht vor Infek­tionen geboten. Generell tragen vor allem junge Tiere häufig viele Infek­tionserreger, oft ohne selbst Symptome zu zeigen.

Nach der Trans­plantation ist es endlich wieder einfacher, sich mit Fa­milie, Freundinnen und Freunden oder anderen Men­schen zu treffen. Doch auch hier sollte man auf einige Dinge achten, um das Infek­tionsrisiko möglichst gering zu halten, zum Beispiel:

  • Nahen Kontakt mit er­krankten und ansteckenden Personen – zum Beispiel Men­schen mit Fieber und/oder Erkältungs­symptomen – vermeiden, insbesondere im ersten Jahr nach der Trans­plantation
  • Wo viele Menschen sind (öffentliche Verkehrsmittel, Be­hörden, Arztpraxen, etc.) am besten konsequent eine Maske tragen
  • Hände­schütteln vermeiden, ein Lächeln oder eine kleine Geste sind ein guter Ersatz
  • Zeit an Orten verbringen, wo das Infek­tionsrisiko gering ist
  • Auch bei sexuellen Kontakten – ob mit einer festen Partnerin oder einem festen Partner oder anderen Sexual­partnern – immer auf einen aus­reich­enden Infek­tionsschutz achten. Mehr dazu im Abschnitt zur Sexualität.

Die Ent­scheidung für oder gegen ein Treffen mit Familie, Freunden und Anderen ist letzt­endlich je nach Situation immer individuell zu treffen und eine persön­liche Entscheidung.

Impfungen schützen vor Infek­tionen. Deshalb wird Trans­plantierten empfohlen, sich regelmäßig gegen bestimmte Infek­tionen impfen zu lassen.

  • Schutz­impfungen mit Totimpfstoffen – zum Beispiel gegen Diphtherie, Tetanus und In­fluenza (Grippe) – sind nach einer Trans­plantation möglich. Auch mRNA-Impfstoffe (z. B. gegen Covid-19) sind Tot­impfstoffe und für Menschen mit einer Spender­niere geeignet.
  • Lebend­impfstoffe – zum Beispiel gegen Masern-Mumps-Röteln oder Gelbfieber – dürfen nach einer Trans­plantation nicht eingesetzt werden.
  • Auch Angehörige und enge Kontakt­personen sollten zum Schutz der oder des Trans­plantierten vollständig geimpft sein.

Viele Trans­plantationszentren bieten spezielle Impf­sprech­stunden für ihre Patientinnen und Patienten an.

Die Ständige Impf­kommission empfiehlt bestimmte Impfungen nach einer Organ­transplantation. Halten Sie Rück­sprache mit Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt oder dem Trans­plantations­zentrum, welche Impfungen für Sie in Frage kommen, und lassen Sie alle em­pfohlenen Impfungen durchführen.

Impf­broschüre des BDO Auf der Webseite des Bundes­verbandes der Organ­transplantierten e. V. haben Sie die Möglich­keit, den Sonder­druck „Impfungen vor und nach Organ­transplantation“ zu bestellen.

Schutz in der warmen und kalten Jahres­zeit nach einer Nieren­transplantation

Die verschiedenen Jahres­zeiten lassen sich nach der Trans­plantation wieder intensiver erleben und genießen. Dabei sollten allerdings einige Vorsichts­maßnahmen beachtet werden.

Die Sonne genießen nach der Nieren­transplantation

Durch die immun­suppressive Therapie ist das Risiko für Hautkrebs nach der Trans­plantation erhöht. Manche Immun­suppressiva können auch die Licht­empfindlichkeit der Haut erhöhen (Phototoxizität). Um sich zu schützen, sollten Trans­plantierte sich nicht zu lange der Sonne aussetzen – auch nicht im Winter. Wasser, Feuch­tigkeit, Schnee und Eis können die UV-Strahlung verstärken. In höheren Lagen, zum Beispiel in den Bergen, ist die UV-Strahlung stärker als in niedrigeren Lagen. Beim Auf­enthalt im Freien sollte Sonnencreme mit Licht­schutzfaktor (LSF) 50+ verwendet werden.

Übersichtsgrafik mit Tipps zum Sonnenschutz nach einer Nierentransplantation
Tipps zum Sonnenschutz nach der Nierentransplantation

Schwimmen und Baden – darauf sollte man nach der Transplantation achten

Schwimmen ist nach vollständig ab­geschlossener Wundheilung möglich – abhängig vom Verlauf der Transplantation und des Heilungs­prozesses sowie von der Art des Gewässers.

  • Stehende und sehr warme Gewässer wie Badeseen sollten zunächst vermieden werden. Gerade im Sommer können hohe Wasser­temperaturen zu vermehrtem Wachstum von Keimen führen, die Infektionen auslösen können.
  • In öffentlichen Bädern sollten Flip-Flops oder Bade­schuhe getragen werden.
  • Nach dem Besuch von Schwimmbad, Sauna oder öffentlichen Gewässern sollten Transplant­ierte duschen und die Hände und Füße gründlich desinfizieren, um die Ansteckung mit Pilzen oder Feigwarzen zu vermeiden.
  • Es besteht die Möglichkeit, sich gegen das Humane Papilloma­virus (HPV) impfen zu lassen, um einer Ansteckung mit Feigwarzen vorzubeugen. Transplantierte sollten diese Option aktiv bei ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt an­sprechen.

Gut durch die kalte Jahres­zeit kommen

Winterzeit ist Erkältungs­zeit. Deshalb ist gerade in der kalten Jahres­zeit der Infektions­schutz wichtig, denn durch die Immun­suppressiva steigt das Risiko für Infektionen. Grund­sätzlich gelten für Transplant­ierte die gleichen Verhaltens­regeln wie für Nicht-Transplantierte, um sich vor Erkältungen zu schützen.

Übersichtsgrafik mit Tipps zum Schutz vor Erkältungskrankheiten im Winter
Tipps zum Schutz vor Erkältungen nach der Nierentransplantation

Richtig essen nach der Transplantation

Mit einer Nieren­transplantation gewinnen Menschen viel Freiheit in Bezug auf ihre Er­nährung zurück. Trotzdem müssen sie für ein langes und gesundes Leben mit dem neuen Organ ein paar Ernährungs­regeln beachten. Dazu gehören der Verzicht auf Nahrungs­mittel, die die immun­suppressive Therapie stören, eine keimarme Ernährung und eine gesunde und abwechslungs­reiche Kost.

Welche Lebens­mittel sind nach einer Nieren­transplantation verboten?

Wie manche Medi­kamente können auch bestimmte Lebens­mittel die Wirkung von immun­suppressiven Medikamenten beeinflussen. Ihr Verzehr kann dazu führen, dass die Medi­kamente stärker oder schwächer wirken. Das kann Neben­wirkungen oder Probleme mit dem neuen Organ verursachen – im schlimmsten Fall eine Abstoßungs­reaktion.

Nahrungs­mittel, die dauer­haft und zwingend vom Speise­plan gestrichen werden müssen

Folgende Lebensmittel können die Wirkung von Immun­suppressiva verändern und sollten auf jeden Fall vermieden werden. Das gilt für die frischen Lebens­mittel genauso wie für gekochte Speisen und für Zubereitungen, Säfte oder Tees, die diese Nahrungs­mittel enthalten.

  • Grapefruit, Pomelo, Pampel­muse
  • Sternfrucht
  • Granatapfel
  • Johanniskraut (kann auch in Tees enthalten sein!)
  • Schisandra­beeren (kann auch in Müslis enthalten sein!)

Mehr Informationen zum Thema Wechsel­wirkungen zwischen Lebensmitteln und der immun­suppressiven Therapie finden sich im Abschnitt Immunsystem und Immun­suppressive Therapie.

Auf eine keimarme Ernährung achten

Über die Nahrung können Krankheits­erreger aufgenommen werden. Lebens­mittelkeime können für Menschen, die immunsuppressive Medikamente einnehmen, eine ernsthafte Gesund­heitsgefahr darstellen.
  • Daher sollten Nieren­transplantierte sich keimarm ernähren und auch bei der Zubereitung und dem Verzehr bestimmter Lebens­mittel vorsichtig sein.
  • Auch bei Einkauf und Lagerung von Lebens­mitteln sollte man besonders auf die Hygiene achten. Mehr zur Lebens­mittelhygiene findet sich im 1 x 1 der Lebens­mittelhygiene.

Eine keimarme Ernährung ist besonders im ersten Jahr nach der Trans­plantation wichtig, da hier die Infektionsgefahr sehr hoch ist.

Einige Lebens­mittel sind nach einer Nieren­transplantation grundsätzlich zu vermeiden, einige sollten besonders am Anfang mit Vorsicht genossen werden. Viele Lebens­mittel sind aber erlaubt, sodass einer genussvollen Ernährung nach der Trans­plantation nichts im Wege steht.

Manchmal muss man nicht komplett verzichten, sondern nur ein bisschen um­denken

Durch kleine An­passungen beim Einkauf oder bei der Zu­bereitung wird auch der Genuss von eigentlich verbotenen Lebens­mitteln möglich. Hier ein paar Beispiele:

  • Es gibt mittler­weile Pecorino-Käse, der aus pasteurisierter Milch hergestellt wird und statt Parmesan (Rohmilchkäse) verwendet werden kann. Dies muss explizit auf der Verpackung stehen oder der Käse­händler gibt Auskunft.
  • Auch die Zubereitungs­art kann helfen, das Infektions­risiko zu reduzieren, z. B. das Schälen oder Durchgaren von Lebens­mitteln. Deshalb erscheinen manche Lebensmittel in der nachfolgenden Infografik auch bei mehreren Lebens­mittel­ampeln, z. B. Nüsse und Pilze bei rot und grün. Auch Salami und andere luft­getrock­nete Wurstwaren dürfen nach hohem Erhitzen verzehrt werden.
Übersichtsgrafik in Form einer Lebensmittel-Ampel, die aufzeigt, welche Nahrungsmittel nach der Transplantation besonders günstig sind, welche Nahrungsmittel dauerhaft gemieden werden sollen und bei welchen Nahrungsmitteln besondere Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sind.
Welche Lebensmittel sollten nach der Nierentransplantation auf den Speiseplan und welche sollten nicht oder nur eingeschränkt verzehrt werden?

Das 1 x 1 der Lebens­mittelhygiene

Beim Umgang mit Lebens­mitteln und allen Dingen, die mit Lebens­mitteln in Kontakt kommen, sollten Trans­plantierte besonders auf Hygiene bedacht sein.

Beim Einkauf
  • Lebens­mittel möglichst frisch oder vakuum­verpackt kaufen
  • Nur so viel kaufen, wie unmittelbar verbraucht werden kann
  • Auf das Mindest­haltbarkeits- sowie das Verfallsdatum achten
  • Kein Obst oder Gemüse mit braunen Stellen kaufen. Es reicht nicht, diese Stellen ab­zuschneiden, da sich die Erreger bereits im gesamten Lebens­mittel ausgebreitet haben können.
  • Keine Lebens­mittel in beschädigten Verpackungen kaufen
  • Kühl­kette aufrechterhalten beim Transport nach Hause (Kühl­tasche verwenden!)
  • Lebens­mittel entsprechend der angegebenen Empfehlung lagern
  • Kühl, dunkel und trocken, am besten in ge­schlossenen Behältern aufbewahren
  • Wenn in einer Lebens­mittelpackung auch nur ein Stück verschimmelt ist, gleich die ganze Packung entsorgen.
  • Kühl­schranktemperatur zwischen 2 und 6 °C einstellen
  • Brotkasten und Kühl­schrank regelmäßig mit Essig auswaschen (am besten diese Auf­gabe in den Ka­lender eintragen)
  • Fleisch und Fisch nicht direkt neben anderen rohen Lebens­mitteln wie Obst und Ge­müse aufbewahren
  • Obst und Gemüse gründlich waschen und wenn möglich schälen
  • Alle Lebens­mittel gut durchgaren, insbesondere Fleisch und Fisch
  • Frisch gekocht essen und nicht lange warm­halten (bei Erwärmung in der Mikro­welle auf ausreichende Temperatur im ganzen Essen achten)
  • Gefrorenes Fleisch und gefrorenen Fisch in einem Sieb auftauen und die Auftau­flüssig­keit sofort wegschütten (am besten im Kühl­schrank auftauen und nicht mit an­deren Lebens­mitteln in Berührung kommen lassen)
  • Händewaschen vor und nach dem Umgang mit Lebensmitteln
  • Regelmäßiger Austausch von Spüllappen und -bürste sowie Geschirrtüchern (möglichst täglich), keine Spülschwämme verwenden
  • Spüllappen und Geschirrtücher bei mindestens 60 °C waschen, Spülbürsten können in der Spülmaschine bei min. 60 °C gereinigt werden
  • Verwendung eines Schneidbrett aus Glas oder Keramik statt Holz oder Kunststoff
  • Arbeitsflächen, Schneidbretter und Messer, die während der Zubereitung verwendet wurden, gründlich mit heißem Wasser und Spülmittel reinigen, bevor verzehrfertige Produkte und fertige Gerichte mit ihnen in Kontakt kommen
  • Müll regelmäßig entsorgen (kleine Müllbeutel verwenden und häufig austauschen)

Essen im Restaurant

  • Wählen Sie grund­sätzlich Reiseländer und Restaurants mit Hygiene­standards. Ver­zichten Sie auf Straßen­küchen und Imbissbuden sowie Roh­kost, Salate und un­geschältes Obst.
  • Im ersten Jahr nach der Trans­plantation sollten Buffets vermieden werden, da Speisen des Buffets lange warm­gehalten und ggf. von vielen anderen Menschen ange­fasst werden.
  • Auch im Restaurant muss sichergestellt sein, dass Lebens­mittel, die die Wirkung von Immunsuppressiva beeinflussen, nicht verzehrt werden. Sprechen Sie im Zweifels­fall das Restaurant­personal darauf an.

➔ Hier finden Sie weitere Tipps, worauf Sie beim Reisen achten sollten.

Mit einer gesunden Ernährung Er­krankungen vorbeugen

Nieren­transplantierte können selbst viel für ihre Gesund­heit tun. Mit einem gesunden Lebens­stil und einer ausgewogenen Ernährung kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Er­krank­ungen wie Blut­hochdruck und für Stoff­wechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und Fettstoff­wechsel­störungen, die nach einer Organ­transplantation häufiger auftreten, gesenkt werden. Auch dem Fort­schreiten einer bereits vorliegenden Erkrankung kann so vorgebeugt werden.

Die Ernährungs­empfehlungen für Nieren­transplantierte sind sehr ähnlich wie die all­gemeinen Empfehlungen. Achten Sie auf eine aus­gewogene und abwechslungs­reiche Mischkost. Dabei sollten reichlich Ballast­stoffe sowie ausreichend Nährstoffe, Vitamine und Spuren­elemente auf­genommen werden.

Das passt nicht zu einer gesunden Ernährung

Hoch­verarbeitete Lebens­mittel
  • Sie enthalten häufig viele Zusatz­stoffe und viel Salz, Zucker und Fett – vor allem auch besonders ungesunde sogenannte gehärtete Fette.
  • Beispiele: Fertig­gerichte wie Tiefkühl­pizzas oder Chicken Nuggets, Wurst und Fleisch­ersatzprodukte, süße und salzige Snacks wie Schokolade, Gummi­bärchen und Chips
  • Für eine salzreduzierte Ernährung, die maßgeblich zur Herz­gesundheit beitragen kann, sollte täglich nicht mehr als 6 g Salz auf­genommen werden – das entspricht etwa 1 Teelöffel.
  • Wer früher mit mehr Salz gekocht hat, sollte sich langsam an eine geringe Salz­menge gewöhnen – das geht leichter, als man denkt.
  • Tipp: Salz­arm kochen und lieber später nachsalzen. Dadurch reduziert man die Salz­menge leichter.

Weitere Informationen im Netz

Nach der Transplantation das Gewicht im Auge behalten

Durch die Ein­nahme von Kortison nach der Transplantation wird das Hunger­gefühl ver­stärkt. Deswegen sollten Sie gerade in der ersten Zeit nach der Transplantation be­sonders auf eine gesunde Ernährung und auf das Körper­gewicht achten.

Mehr trinken will ge­lernt sein

Nach einer Nieren­transplantation ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Für Menschen, die über längere Zeit mit Dialyse leben mussten und daher ge­lernt haben, wenig zu trinken, ist das oft zunächst eine Umge­wöhnung. Dabei können Trink­flaschen mit Trink­anzeige oder Skala sowie Apps mit Erinnerungs­funktion helfen. Auch die Blase gewöhnt sich mit der Zeit an größere Flüssigkeits­mengen und lernt, diese wieder sicher zu speichern.

Nieren­transplantierte sollten 1,5 bis 2 Liter pro Tag trinken. Gut geeignet sind kalorien­freie Getränke wie Wasser – mit oder ohne Kohlensäure – oder Tee.

  • Säfte und Limonaden haben einen hohen Zuckergehalt und sollten nur in Maßen kon­sumiert werden.
  • Aufgrund des hohen Phosphatgehalts sollten Nieren­transplantierte auf Cola verzichten.
  • Multivitamin­säfte können Bestandteile (z. B. Grape­fruitsaft) enthalten, die die immun­suppressive Therapie stören, und sollten deswegen vermieden werden.

Umgang mit Alkohol nach einer Nieren­transplantation

Alkohol wirkt sich negativ auf den Stoffwechsel aus, kann Gefäß­erkrankungen fördern und bei regel­mäßigem Konsum die Wirkung der Immun­suppressiva beeinflussen. Nieren­transplantierte sollten daher möglichst selten und wenig Alkohol trinken.

Rauchen nach der Nieren­transplantation

Rauchen schadet der Lunge, den Blutgefäßen und auch der neuen Niere. Außerdem erhöht Nikotin das Risiko für Krebs­erkrankungen. Bereits während der Warte­zeit auf eine neue Niere sollten Sie mit dem Rauchen auf­hören und auch kein Nikotin in Form von z. B. Vapes, E-Zigaretten, Kautabak, Snus oder Nikotin­kaugummis, -sprays oder -pflastern konsumieren. Vermeiden Sie auch Passiv­rauchen. Nach der Transplantation sollten Sie keinesfalls mit dem Rauchen (wieder-)anfangen, da das Krebsrisiko durch die immun­suppressive Therapie zusätzlich erhöht wird.

Fazit: Senken Sie Ihr Risiko für gesund­heitliche Probleme jeder Art so gut es geht!

Mit Sport und Be­wegung nach der Trans­plantation wieder fit werden

Be­wegung wirkt sich positiv auf Körper und Seele aus

Regelmäßige Bewegung tut Körper und Seele gut. Sie hilft, Stress ab­zubauen, einen Ausgleich im Alltag zu finden und nach der Trans­plantation wieder fit zu werden. Sport stärkt das Herz, för­dert den Stoff­wechsel und schützt vor Krank­heiten. Das ist gerade nach einer Transplantation wichtig, da un­ter der Einnahme von Immun­suppressiva das Risiko für diese Er­krankungen erhöht ist.

Nach langjähriger Nieren­erkrankung ggf. mit Dialyse kann es große Freude machen, wieder Bewe­gung ins Leben zu bringen – ein deutlicher Gewinn an Lebens­qualität!

Sport treiben nach der Trans­plantation – das sollte man beachten

Wann man nach der Transplantation wieder mit Sport beginnt, hängt vom individuellen Wohl­befinden und dem allgemeinen Gesundheits­zustand ab. Mit ent­sprechender Übung kann man an der eigenen Fitness arbeiten und die Leistungs­fähigkeit verbessern. Dabei sind Ausdauer­sport oder körper­schonende Sportarten gut geeignet. Sportarten, die mit großer Kraftanstrengung oder erhöhter Verletzungs­gefahr verbunden sind, werden dagegen nicht empfohlen, da Stöße oder Erschütterungen die neue Niere schädigen können.

Bei Fragen und wenn Sie unsicher sind, wann Sie wieder Sport treiben dürfen und welche Sportarten für Sie geeignet sind, sprechen Sie mit dem Team des Transplantations­zentrums. Auch bevor Sie eine neue Sportart beginnen, halten Sie bitte Rück­sprache.

Tipps zu Bewegung und Sport nach einer Nieren­transplantation

Wann darf man nach der Transplantation mit Sport beginnen?
Nach der Transplantation kann gemeinsam mit der Nephrologin oder dem Nephrologen sowie dem Team des Transplantations­zentrums ein individueller Bewegungs­plan entwickelt werden. Auch Physiotherapie oder Sport­medizin können hier beraten. Dabei gilt:
  • Direkt nach der Operation: Frühe Mobilisierung unter fachlicher Aufsicht (Pflege­personal oder Physio­therapeutin bzw. -therapeut) und leichte körperliche Aktivität, z. B. Spaziergänge, können die Kondition verbessern. Starke Anstrengungen und schweres Heben oder Pressen sollte aber vermieden werden, da die Wund­heilung noch nicht vollständig ab­geschlossen ist.
  • Mit zu­nehmender Ausdauer: Sportliche Aktivität unter fachlicher Aufsicht (Physiotherapie) beginnen und langsam schrittweise steigern. Übungen am Ergometer/Heimtrainer, Walking oder Fahrrad­fahren im Freien ins Sport­programm mit aufnehmen.
  • Körperliche Aktivität in den Alltag einbauen: Die Treppe statt den Aufzug nehmen, laufen oder Fahrrad statt Auto fahren, langes Sitzen vermeiden.

Diese Sportarten sind gut geeignet nach einer Transplantation:

  • Ausdauer­sportarten wie Walking, Wandern, Radfahren, Tanzen oder Joggen
  • Schwimmen nach vollständig ab­geschlossener Wund­heilung, dabei auf den Infektions­schutz achten
  • Tai Chi, Qi Gong, Yoga, Gymnastik und moderates Kraft­training

Bei diesen Sportarten sollte man vorsichtig sein:

  • Sportarten mit erhöhtem Verlet­zungs- und Sturzrisiko, wie Kampfsport, Reiten, Ski alpin
  • Sportarten mit un­kontrollierten Bewegungen und dem Einsatz von Gegenständen wie Bällen, Schlägern oder Stöcken – zum Beispiel Fußball, Basketball, Tennis oder Hockey
  • Sportarten mit sehr großer Erschütterung oder Kraftan­strengung, zum Beispiel sprungintensive Sportarten oder Gewichtheben

Bei diesen Vorschlägen handelt es sich um generelle Empfehlungen. Besprechen Sie Ihre sportlichen Wünsche und Bedürfnisse mit dem Team des Transplantations­zentrums!

Transplantierte sollten lieber auf sportliche Aktivitäten verzichten bei

  • hohen Außen­temperaturen
  • Fieber
  • Infektionen (auch 1 bis 2 Wochen nach einem Infekt)
  • starker Erschöpfung/Müdigkeit

Die sportliche Aktivität sollte unter­brochen werden, wenn man sich unwohl fühlt. Treten unter Belastung Beschwerden auf, z. B. Übelkeit, Schwindel, sehr hoher Puls, Schmerzen in der Brust oder Sehstörungen, sollte man mit einer Ärztin oder einem Arzt sprechen.

Gemeinsam aktiv sein

Bewegung tut gut und macht gemeinsam oft noch mehr Spaß als allein. Zusammen Sport zu treiben, kann auch dazu motivieren, dran­zubleiben. Deshalb: Suchen Sie sich gerne Gleich­gesinnte oder werden Sie Mitglied in einer speziellen Trainingsgruppe, einem Fitness-Studio oder einem Sport­verein in Ihrer Nähe.

Eine interessante Anlauf­stelle ist auch der Verein TransDia Sport Deutschland e.V., der Transplant­ierte und Dialysepatientinnen und -patienten dabei unterstützt, fit zu bleiben. Die Sport­gemein­schaft nimmt an nationalen und internationalen Sport­veranstaltungen und Meisterschaften teil und macht auf das Thema Organspende auf­merksam.

Nach der Transplantation wieder arbeiten gehen

Wann ist ein beruflicher Wiedereinstieg nach der Transplantation möglich und was sollte man dabei beachten?

Viele Transplantierte freuen sich auf einen Wieder­einstig in den Beruf. Die regelmäßige Beschäftigung, die sozialen Kontakt am Arbeits­platz und berufliche Erfolgs­erlebnisse – all das kann sich positiv auf die Lebens­qualität auswirken.

Wann man wieder in den Beruf einsteigen kann, hängt vom individuellen Gesundheits­zustand und der beruflichen Tätigkeit ab. Im Allgemeinen können Transplantierte wieder an ihren Arbeits­platz zurück­kehren, sobald sie sich belastbar fühlen. Dabei sollte auf ein paar wichtige Punkte geachtet werden.

  • Die Arbeits­belastung sollte langsam gesteigert und körperliche Über­anstrengung, wie schweres Heben und Stress, vermieden werden. Es ist sinnvoll, den Arbeits­alltag so zu gestalten, dass ausreichende Ruhe­zeiten eingehalten und die immun­suppressiven Medikamente regelmäßig eingenommen werden können.
  • Der Arbeits­platz sollte an die neuen Bedürfnisse von Nieren­transplantierten angepasst werden, ggf. kann der Wechsel in eine andere Position erforderlich sein. Dabei sind Infektions­quellen, Staub und Klimaanlagen, die die Verbreitung von Keimen begünstigen, sowie direkte Sonnenein­strahlung zu vermeiden.
  • Der Wieder­einstieg in den Beruf sollte vorab mit dem Team des Transplantations­zentrums besprochen werden. Auch wenn im Verlauf der Wiederaufnahme der Berufstätigkeit Fragen auftauchen, ist das Transplantations­zentrum wichtiger Ansprech­partner.
  • Manche Berufe sind für Transplantierte dauerhaft nicht mehr möglich, z. B. Berufe mit grund­sätzlich hoher Keim­belastung, schwerer körperlicher Anstrengung oder starker Sonnen­einstrahlung. In solchen Fällen gibt es speziell für Menschen mit Behinderung die Möglichkeit einer Umschulung.

Die Möglichkeiten der beruflichen Wieder­eingliederung nutzen

Seit 2004 sind Arbeitgeber verpflichtet, eine berufliche Wieder­eingliederung anzubieten. Für einen stufen­weisen Wieder­einstieg nach dem Hamburger Modell wird unter ärztlicher Anleitung eine schrittweise Steigerung der Arbeits­zeit und -belastung zwischen Arbeit­geber und Arbeit­nehmer vereinbart. Vor einer geplanten Rückkehr an den Arbeits­platz sollte Kontakt zur Schwer­behinderten­vertretung oder zum betrieblichen Wiedereingliederungs­management aufgenommen werden, die den Prozess begleiten und erleichtern und zusätzlich bei der Gestaltung des Arbeits­platzes behilflich sind. Auch die Kranken­kassen bieten Informationen zur Wieder­eingliederung an.

Mehr zur stufenweisen Wieder­eingliederung nach dem Hamburger Modell finden Sie auf der Website einfach-teilhaben des Bundes­ministeriums für Arbeit und Soziales.

Ansprech­partner und Unter­stützung bei der Umgestaltung des Arbeits­platzes

Als Transplantierter sollte man die An­forderungen an den Arbeits­platz kennen und diese auch einfordern. Bei der Umgestaltung des Arbeitsplatzes – zum Beispiel, wenn der Boden mit Parkett statt Teppich ausgelegt werden muss, um Infektions­quellen zu minimieren – bekommen Arbeitgeber Unter­stützung. Bei Arbeit­nehmenden mit chronischer Erkrankung oder Schwer­behinderung ist u. a. die Bundesagentur für Arbeit zuständig und kann beraten und unter­stützen. Die Umgestaltung des Arbeits­platzes wird auch über die Ämter finanziell unterstützt.

Weitere Informationen zur Arbeitsplatz­gestaltung bei Schwer­behinderung bieten z. B. die Integrationsämter, die Industrie- und Handels­kammern oder das Portal REHADAT.

Hilfestellung bei sozial­rechtlichen Fragen bietet auch der Bundes­verband Niere e. V. und auf der Internetseite Schatzkiste des Sozialrechts wird auf zahlreiche sozialrechtliche Aspekte wie Schwer­behinderung, Zuzahlungen, Reha, Lohn­ersatzleistungen, Umgestaltung des Arbeits­platzes uvm. eingegangen.

Eine Bescheinigung Ihres Transplantations­zentrums, die Ihre besonderen Anforderungen an den Arbeits­platz darlegt, kann hilfreich sein, um die Anpassungen des Arbeits­umfelds zu kommunizieren und durch­zusetzen.

Sicher im Urlaub und auf Reisen nach der Transplantation

Drei Frauen am Flughafen mit ihren Koffern, die sich auf ihren Urlaub freuen

Nach der Trans­plantation sind Urlaub und Reisen, auch in ferne Länder, wieder ein­facher. Damit die Reise sicher bleibt, gibt es ein paar wichtige Dinge zu beachten.

Drei Frauen am Flughafen mit ihren Koffern, die sich auf ihren Urlaub freuen

Nach der Trans­plantation sind Urlaub und Reisen, auch in ferne Länder, wieder ein­facher. Damit die Reise sicher bleibt, gibt es ein paar wichtige Dinge zu beachten.

Wählen Sie Reiseziele mit guter medizinischer Ver­sorgung (Dialyse, Nephro­logie, Medikamente) für den Fall, dass Sie Hilfe brauchen. Wichtig ist außerdem, die immun­suppressiven Medikamente auch auf Reisen in aus­reichender Menge mit­zuhaben, regelmäßig ein­zunehmen und dabei ggf. die Zeit­verschiebung zu berücksichtigen.

Besprechen Sie Ihre Reisepläne vorher mit dem Team Ihres Transplantations­zentrums.

Was ist bei der Reise­planung zu beachten?

Dos
  • Wählen Sie ins­besondere im ersten Jahr nach der Transplantation Reise­ziele in der Nähe und mit gutem hygienischem Standard.
  • Klären Sie vor Antritt der Reise den Versicherungs­schutz und Reiserück­transport im Ausland und schließen Sie ggf. eine Reiserücktritts­versicherung ab. Achten Sie dabei darauf, dass auch Ihre chronische Erkrankung von der Reiserücktritts­versicherung abgedeckt ist.
  • Lassen Sie sich vor der Reise reise­medizinisch beraten zu besonderen Risiken, empfohlenen Impfungen und weiteren Prophylaxe-Maßnahmen (z. B. Malaria) und berück­sichtigen Sie die Em­pfehlungen.
  • Sprechen Sie mit dem Team Ihres Transplantations­zentrums über Ihre persönliche Reise­apotheke. Ggf. kann es sinnvoll sein, auch eine antibiotische Erst­versorgung mitzuführen.
  • Bei Flugreisen muss man oft ärztliche Beschein­igungen für die Medikamente vorzeigen. Für alle Medikamente, die als Betäubungs­mittel gelten, braucht man eine spezielle Bescheinigung.
  • Medikamentenpläne und viele Beschein­igungen können online als Vorlage abgerufen werden, z. B. unter https://www.gesund­heits­infor­mation.de/medi­kamenten-liste.html und https://www.a­dac.de/gesund­heit/gesund-unter­wegs/flug­zeug-schiff/medikamenten­mitnahme/.
  • Reisen Sie nicht, wenn Sie sich krank fühlen.

Was ist während der Reise zu beachten?

Dos
  • Insekten können Infektionen wie Malaria übertragen. Verwenden Sie Mücken­schutzmittel und Mücken­netze und tragen Sie helle und lange Kleidung.
  • Immun­suppressiva erhöhen die Anfälligkeit für Infektionen. Bei Reisen in Gebiete mit schlechten hygienischen Bedingungen ist das Infektions­risiko besonders hoch. Trinken Sie dort kein Leitungs­wasser und verwenden Sie es auch nicht zum Zähne­putzen. Essen Sie keine rohen Nahrungs­mittel, kein ungeschältes Obst, Gemüse oder Salat, der mit Leitungs­wasser gewaschen wurde.
  • Immun­suppressiva erhöhen das Hautkrebsrisiko. Vermeiden Sie direkte Sonne und gehen Sie nie ohne Sonnen­schutz in die Sonne. In südlichen und tropischen Regionen ist die UV-Strahlung besonders hoch – planen Sie das bei Ihrer Reise ein. Hier gibt es Tipps zum Sonnen­schutz nach der Transplantation.

Endlich ist es soweit! Die Reise ist geplant und die Koffer werden gepackt. Dabei sollten einige Dinge wie medizinische Dokumente und Medikamente nicht fehlen. Wenn möglich, sollten wichtige Dokumente in englischer Sprache vorliegen.

Die Checkliste zum Her­unterladen hilft Ihnen dabei, beim Packen nichts davon zu ver­gessen.

Sexualität erleben nach der Nierentransplantation

Für viele Menschen ist ein erfülltes Sexualleben ein wichtiger Aspekt der Lebensqualität. Während der Wartezeit auf eine neue Niere kann es jedoch zu einer Beeinträchtigung der Libido und der Sexualfunktionen kommen. Nach einer Transplantation stellt sich bei vielen Betroffenen eine Verbesserung ein. Wann man nach der Transplantation wieder sexuell aktiv werden kann, hängt von der Wundheilung und vom Entfernen der Harnleiterschiene ab. In der Regel sollte man noch 4 bis 6 Wochen warten.

Obwohl sich die Transplantation meist positiv auf das Sexualleben auswirkt, können auch Probleme auftreten, die das Sexualleben beeinträchtigen, zum Beispiel wegen körperlicher und psychischer Einschränkungen durch die Transplantation oder als Neben­wirkung der Medikamente. In vielen Fällen gibt es dafür jedoch Behandlungsmöglichkeiten.

Machen Sie nur das, was Ihnen guttut, und tauschen Sie sich mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner offen darüber aus.

Bei Fragen zur Sexualität oder bei sexuellen Problemen: Haben Sie keine Hemmungen, offen mit den Ärztinnen oder Ärzten im Transplantationszentrum oder Ihrer Nephro­login bzw. Ihrem Nephrologen darüber zu sprechen.

Ein häufiger Grund, warum Nierentransplantierte in die Klinik eingewiesen werden müssen, sind Harnwegs­infektionen.

Um Harnwegsinfekte zu verhindern, achten Sie auf eine regelmäßige Intimhygiene, trinken Sie ausreichend, entleeren Sie häufig Ihre Blase und vermeiden Sie Harndrang. Achten Sie außerdem darauf, nicht auszukühlen, und entleeren Sie die Blase nach dem vaginalen Geschlechts­verkehr.

Welche Schutzmaßnahmen können beim Geschlechtsverkehr getroffen werden?

So kann man sich vor Infektionen und Geschlechtskrankheiten schützen

Um Harnwegsinfektionen und Geschlechtskrankheiten durch Bakterien, Viren oder Pilze vorzubeugen, ist es sinnvoll, einige Hygienemaßnahmen und schützende Verhaltens­weisen zu berücksichtigen:

  • Gründliche Intimhygiene, auch bei der Partnerin oder dem Partner, zur Vorbeugung von aufsteigenden Infektionen über die Harnwege
    • Waschrichtung von vorne nach hinten
    • Auf hygienische Waschhilfsmittel achten (bei über 60 °C waschen oder Einmal­waschlappen verwenden)
  • Wasserlassen nach dem vaginalen Geschlechtsverkehr
  • Verwendung von Kondomen zum Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen
  • Behandlung von Infektionen (auch bei der Partnerin oder dem Partner, um wechsel­seitige Ansteckungen zu vermeiden)
  • Geschlechtsverkehr bei erhöhter Infektionsgefahr durch die Partnerin oder den Partner vermeiden
  • Vermeidung von wechselnden Sexualpartnerinnen oder -partnern

Bei Anzeichen einer Infektion im Intimbereich (z. B. Rötung, Juckreiz, Brennen beim Wasserlassen) sollte man seine Ärztin, seinen Arzt oder das Transplantations­zentrum kontaktieren.

  • Für Transplantierte ist die Empfängnisverhütung mit Kondomen oder Diaphragmen die sicherste Option.
  • Die Einnahme von niedrigdosierten oralen Verhütungsmitteln („Pille“) ist möglich. Allerdings kann unter der Pille das Risiko u. a. für Blut­gerinnsel und Blut­hochdruck erhöht sein und sie schützt nicht vor Geschlechts­krankheiten. Bei der Einnahme von Immunsuppressiva ist die Wirkung der Pille vermindert, weshalb die zusätzliche Verhütung mit einem Kondom empfohlen wird.
  • Transplantierte sollten die mögliche Einnahme der Pille und andere Verhütungs­methoden (z. B. Spirale, Vasektomie/Sterilisation, etc.) mit einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen besprechen – allein oder als Paar.

Dating mit wechselnden Partnerinnen oder Partnern

Wer One-Night-Stands oder häufig wechselnde Sexual­partnerinnen oder -partner hat, sollte sich zusätzlich zu den allgemeinen Schutzmaßnahmen besonders vor sexuell über­tragbaren Infektionen (STI) schützen. An erster Stelle steht hier die Verwendung von Kondomen. Je nach Sexpraktik gibt es zusätzliche Schutz­möglichkeiten. Auch die Impfung gegen humane Papillomviren (HPV) und Hepatitis-B-Viren bietet Schutz. Zudem kann man sich regelmäßig auf STI testen lassen. Im Falle einer Infektion kann eine frühe Behandlung dazu beitragen, Spätfolgen und eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Weitere Informationen zu STI und Safer Sex bieten z. B. die Seite von gesund.bund.de und Liebesleben.

Kinder­wunsch und Schwanger­schaft nach einer Nieren­transplantation

Er­füllung eines Kinder­wunsches nach der Trans­plantation

Eine Schwanger­schaft nach einer Trans­plantation und unter Immun­suppression ist möglich. Nach der Trans­plantation kehrt die Frucht­barkeit bei Frauen und bei Männern wieder zurück. Wer keine Schwanger­schaft möchte, sollte also verhüten.

Einige Immun­suppressiva (z. B. Myco­phenolat-Mofetil, Myco­phenolsäure, Everolimus/Sirolimus) können die Frucht­barkeit reduzieren und Fehl­bildungen des Fötus fördern. Bei Männern besteht ein erhöhtes Risiko für Fehl­bildungen der Spermien.

Kontaktieren Sie bei einem Kinder­wunsch so früh wie möglich Ihr Trans­plantations­zentrum. Eine Schwanger­schaft sollte geplant und vorher mit dem betreuenden Zentrum abgesprochen werden, da ggf. die Immun­suppression umgestellt oder angepasst werden muss.

Schwanger­schaft nach der Trans­plantation

Für eine erfol­greiche und komplikations­lose Schwanger­schaft nach einer Trans­plantation sollten bestimmte Beding­ungen gegeben sein.
Voraus­setzungen für eine Schwanger­schaft nach der Trans­plantation sind z. B.
Nicht zu früh schwanger werden
  • Bei einer Schwanger­schaft muss das neue Organ zuerst einmal gut funktionieren. Eine Schwanger­schaft direkt nach der Transplantation wird deshalb nicht empfohlen.
  • Zwischen Transplantation und Schwanger­schaft sollte mindes­tens ein Jahr liegen.
  • Die immun­suppressive Behandlung muss stabil sein und so ein­gestellt werden, dass keine negativen Aus­wirkungen auf das Kind zu erwarten sind.
  • Das Spender­organ muss voll funktions­fähig sein und stabil arbeiten mit guter Nieren­funktion und der Harn­abfluss sollte normal sein.
  • Die Frau muss in einem guten Allgemein­zustand sein und sollte einen normalen oder gut therapierten Blut­druck und Blut­zucker haben.

Vor einer Schwanger­schaft

Wenn Sie eine Schwanger­schaft planen, lassen Sie sich vorher aus­führlich von Ihrem be­treuenden Trans­plantations­zentrum beraten. So kann alles möglichst gut geplant werden und Kompli­kationen werden vermieden.

Während der Schwanger­schaft

Während der Schwanger­schaft ist es wichtig, dass Ihre Ärztinnen und Ärzte aus Gynä­kologie, Nephrologie und dem Trans­plantationszentrum eng zusammen­arbeiten, um Sie bestmöglich zu unterstützen. Die (Mit-)Betreuung der Schwanger­schaft und unbedingt die Geburt sollten im Trans­plantations­zentrum erfolgen, da nur dort die notwendige Er­fahrung und Expertise für die besondere Situation von Trans­plantierten vorhanden ist.

Nach der Schwanger­schaft

Auch nach einer Schwanger­schaft sollten Sie sich weiterhin regel­mäßig mit Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten absprechen. Einige Immun­suppressiva können sich beispielsweise in der Mutter­milch anreichern, weswegen Risiken und Vorteile des Stillens ab­geklärt werden sollten.

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Eine Frau dokumentiert nach ihrer Nierentransplantation Gesundheitsdaten in ihrem Tagebuch
Die Nierentransplantation ist geglückt und man ist wieder zu Hause angekommen. Jetzt ist es wichtig, die Funktion der neuen Niere auch zuhause regelmäßig selbst zu messen und zu dokumentieren. So kann man frühzeitig erkennen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Durch viele gute Gewohnheiten und einen gesunden Lebensstil kann man sich und das neue Organ zusätzlich schützen. Auch der Austausch mit anderen Transplantierten kann Unterstützung bieten.
Eine Frau hält Tabletten in ihrer rechten Hand, in ihrer linken Hand hält sie Glas mit Wasser
Die menschliche Immunabwehr ist ein komplexes System und hat die Aufgabe, den Körper gegen Krankheitserreger zu verteidigen. Auch ein Nierentransplantat wird vom Immunsystem als fremd und damit potenziell gefährlich eingestuft und angegriffen.

Quellen und weiter­führende Literatur

Aus­wärtiges Amt – Reise- und Sicherheits­hinweise. https://www.auswaertiges-amt.de/de/Reise­Und­Sicher­heit/reise-und-sicherheits­hinweise

Bundes­arbeitsgemeinschaft der Integration­sämter und Hauptfürs­orgestellen (BIH) GbR. https://www.bih.de/integrations­aemter

Bundes­verband für Gesundheits­information und Verbraucher­schutz – Info Gesundheit e.V. Alltag nach der Organ­transplantation – Zurück im Leben. Auflage 2017.

Bundes­zentrale für gesundheitliche Auf­klärung. https://www.bzga.de

Centrum für Reise­medizin. https://www.crm.de

Deutsche Gesell­schaft für Er­nährung e. V. https://www.dge.de/

Deutsche Gesell­schaft für Tropen­medizin, Reise­medizin und Globale Gesund­heit e. V. https://www.dtg.org

Deutsche Gesellschaft Rehabilitations­sport für chronisch Nieren­kranke e. V. http://reni-online.de/transplantierte

NDR. Ratgeber Gesund­heit. Ernährung bei Bluthoch­druck. https://www.ndr.de/rat­geber/gesund­heit/Ernaehrung-bei-Bluthochdruck-Diese-Lebensmittel-helfen,bluthoch­druck146.html

Deutsche Diabetes Hilfe. Ernährung bei Diabetes mellitus. https://www.diabetesde.org/er­naehre-mich-diabetes

NDR. Rat­geber Gesund­heit. Ernährung bei Fettstoffwechselstörungen. https://www.ndr.de/rat­geber/gesund­heit/Ernaehrung-bei-Fettstoff­wechselstoerung,fettstoffwechsel­102.html

gesund.bund.de. Sexuell über­tragbare Infektionen: Wie man sich schützen kann. https://gesund.bund.de/sexuell-ueber­tragbare-infektionen-sti#auf-einen-blick

Liebes­leben. https://www.liebes­leben.de/

REHADAT https://www.rehadat.de/

Ständige Impf­kommission (STIKO). Impfungen nach einer Organ­transplantation https://link.springer.com/con­tent/pdf/10.1007/s00103-020-03123-w.pdf

Transdia Sport Deutsch­land e. V. https://transdiaev.de

Die Inhalte wurden in enger Zusammen­arbeit mit einem Beirat aus Patienten­organisationen und Ärztinnen und Ärzten er­stellt.