Lebertransplantation bei Leberzirrhose in Deutschland

Lebertransplantation bei Leberzirrhose in Deutschland

Eine Illustration zeigt eine Gruppe von Ärzten, die neben einer großen Leber stehen. Sie halten ein Reagenzglas in der Hand, machen Labortests und arbeiten an einem Laptop

Was ist eine Leber­zirrhose?

Die Leber­zirrhose entwickelt sich infolge einer bereits lange bestehenden chronischen Erkrankung oder Belastung der Leber. Dabei kommt es zur Zerstörung von Leber­zellen und zum Ersatz des Leber­gewebes durch narbiges Bindegewebe. Dieser Prozess wird als Fibrose bezeichnet. Durch die fort­schreitende Vernarbung des Gewebes geht die spezielle Bauweise und damit die Funktionalität der Leber verloren, man spricht nun von einer Leber­zirrhose.1,2

Ursachen und Risikofaktoren

Eine Leber­zirrhose kann viele unterschiedliche Ursachen haben. In Europa tritt sie bei etwa sechs von zehn Fällen infolge von Alkohol­missbrauch auf. Die zweithäufigste Ursache ist eine Infektion mit Hepatitis-Viren, sie liegt bei etwa drei von zehn Betroffenen vor. Hierbei erhöhen vor allem die Hepatitis-Virus-Varianten B und C das Risiko. Weitere Erkrankungen, die zu einer Leber­zirrhose führen können, sind z. B. die nicht alkoholische Fettleber­erkrankung, Autoimmun­erkrankungen (z. B. Autoimmun­hepatitis, primäre biliäre Zirrhose), erblich bedingte Stoffwechsel­erkrankungen (z. B. Mukoviszidose, Antitrypsin-Mangel) und Erkrankungen des Gefäßsystems. Auch die dauerhafte Belastung durch bestimmte Medikamente oder Chemikalien kann lang­fristig zu einer Leber­zirrhose führen.1

Das Risiko auf Basis der genannten Grund­erkrankungen eine Leber­­zirrhose zu entwickeln, wird zusätzlich von weiteren Faktoren beeinflusst. Neben dem Haupt­risikofaktor Alkoholkonsum können auch Rauchen, höheres Alter, spezielle Gen-Varianten, Typ-2-Diabetes, Übergewicht und eine Infektion mit dem humanen Immundefizien­zvirus (HIV) das Risiko für eine Leber­zirrhose erhöhen.3-7

Symptome und Anzeichen

Eine Leber­zirrhose beginnt in der Regel asymptomatisch, d. h. die Betroffenen merken davon nichts. Erst wenn die Schädigung der Leber fort­schreitet, machen sich Beschwerden bemerkbar, die zunächst jedoch häufig unspezifisch sind, wie z. B. Müdigkeit, Blähungen, Übel­keit und ein Druck­gefühl im Oberbauch.8 Typische Anzeichen sind dagegen Haut­veränderungen (sogenannte Leber­hautzeichen) und hormonelle Störungen (siehe Tabelle).

Tabelle: Übersicht einiger typischer Symptome der Leberzirrhose.2,8

Hautveränderungen Hormonell bedingte Symptome
  • Juckreiz
  • Sternförmige Neu­bildung von Blut­gefäßen
  • Rötung der Hand­innenflächen und/oder Fuß­sohlen
  • Auffällig glänzende oder gerötete Lippen und/oder Zunge (Lack­lippen bzw. Lack­zunge)
  • Gelbsucht
  • Menstruations­störungen
  • Verlust der männlichen Behaarung
  • Potenz­störungen
  • Rückbildung der Hoden

Ein mitunter bekanntes Anzeichen für eine fort­geschrittene Leber­schädigung ist auch die Gelbsucht, die sich in Form einer gelblichen Färbung von Haut und Schleim­häuten sowie der Ausscheidung von dunklem Urin und hellem Stuhl präsentiert. Wenn die Zerstörung der Leber bereits weit fort­geschritten ist, können weitere Krankheits­zeichen hinzukommen. Es besteht dann auch die Gefahr von Komplikationen und Spät­folgen, wie z. B. die Störungen der Gehirn­funktion oder die Entstehung von Leberkrebs.8

Notwendigkeit einer Leber­transplantation

Wann wird eine Transplantation unumgänglich?

Wird eine Leberzirrhose festgestellt, so steht die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung (siehe „Ursachen und Risiko­faktoren“) im Vordergrund.9 Grundsätzlich sollten zunächst alle Behandlungs­möglichkeiten ausgeschöpft werden, die helfen können, eine Leber­transplantation zu verzögern oder zu vermeiden.10 Bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose bietet eine Leber­transplantation jedoch die einzige Chance auf Heilung.9 Spätestens wenn ein bestimmter Wert zur Einstufung der Prognose der fortschreitenden Leber­erkrankung (MELD-Score ≥ 15, MELD: Model for End Stage Liver Disease) erreicht wird (siehe Wie der MELD-Score Leben retten kann), sollten Betroffene zur weiteren Beurteilung an ein Transplantations­zentrum überwiesen werden. Liegen gleichzeitig schwere Komplikationen wie eine hepatische Enzephalopathie vor, können auch Patient*innen mit niedrigerem MELD-Score (< 15) für eine Transplantation infrage kommen.10

Einschränkungen und Gegenanzeigen

Eine Leber­transplantation kommt für solche Patient*innen infrage, die mithilfe des Eingriffs vor­aussichtlich ein langfristiges Überleben, eine langfristig aus­reichende Leber­funktion oder eine verbesserte Lebens­qualität erreichen können. Andernfalls stellt die Transplantation keine Behandlungs­option dar.10 Darüber hinaus gibt es einige medizinische Gründe, die eine Leber­transplantation ausschließen. Dazu gehören manche Tumor­erkrankungen, einige Infektions­erkrankungen sowie Lungen- oder Gefäß­erkrankungen, die das Risiko der Operation deutlich erhöhen oder den Erfolg der Transplantation infrage stellen würden.10

Auch wenn unter Berück­sichtigung der Lebens­umstände und des Umfelds Zweifel an der Eignung für eine Leber­transplantation bestehen, kann dies dazu führen, dass Betroffene nicht auf die Warte­liste gesetzt werden oder die weitere Beurteilung aufgeschoben wird. Dies kann bei Alkohol­missbrauch der Fall sein, wenn die Betroffenen keine Bereitschaft zur Abstinenz zeigen oder wenn Zweifel daran bestehen, dass die Patient*innen die lebenslang erforderlichen immun­suppressiven Medikamente wie verordnet einnehmen.10

Vorbereitung und Durchführung der Lebertransplantation

Ist eine Leber­transplantation unumgänglich und liegen keine Ein­schränkungen oder medizinischen Gegen­argumente vor, werden Betroffene mit Leber­zirrhose auf die Warte­liste für ein Spende­organ aufgenommen. Während der Warte­zeit finden in regel­mäßigen Abständen Untersuchungen zur Einschätzung des Leber- und allgemeinen Gesundheits­zustands statt. Dabei wird auch der MELD-Score ermittelt, der als Maß für die Prognose der Erkrankung dient und die Reihen­folge der Transplantat­empfänger*innen mit­bestimmt. Weitere Informationen zum MELD-Score sowie zur Vorbereitung und Durchführung der Leber­transplantation finden Sie unter „Leber­transplantation: Alles, was Sie wissen müssen“ und in unserer Broschüre „Wissenswertes rund um Ihre Leber­transplantation“.

Prognose und Lebensqualität nach der Transplantation

Nach der Leber­transplantation kommt es in der Regel zu einem voll­ständigen Rückgang der Symptome, sodass die Betroffenen in ein nahezu normales Leben zurück­kehren können. Insbesondere im ersten halben Jahr nach der Operation ist es empfehlenswert, ein Transplantations­tagebuch zu führen, damit eventuell auftretende Probleme frühzeitig erkannt werden können. Ein solches Tagebuch können Sie hier herunterladen.

Um eine Transplantat­abstoßung zu vermeiden, müssen Organ­empfänger*innen lebenslang Medikamente zur Unterdrückung des körper­eigenen Abwehr­systems (Immunsuppressiva) einnehmen. Dadurch erhöht sich wiederum das Risiko für andere Erkrankungen, wie beispiels­weise bakterielle oder virale Infektionen. Daher sollten transplantierte Personen einige Aspekte im Alltag beachten, die helfen, das Transplantat und die allgemeine Gesundheit möglichst lange zu erhalten. Nützliche Tipps rund um Alltag, Freizeit­aktivitäten oder Ernährung nach einer Leber­transplantation finden Sie in unseren Broschüren.

Die individuelle Prognose nach einer Leber­transplantation hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der ursächlichen Grund­erkrankung. Ganz allgemein sind nach einem Jahr etwa 80 von 100 Leber­transplantaten und nach fünf Jahren 68 von 100 Leber­transplantaten noch funktionstüchtig.11

Sie möchten detailliertes Wissen rund um den Transplantationstermin? In unseren Informationsbroschüren erfahren Sie alles, was Sie wissen müssen:

Jetzt als PDF herunterladen!

Fazit

Die Leberzirrhose ist die Folge einer lange bestehenden Erkrankung oder Belastung der Leber. Da die ent­standenen Schäden meist nicht rück­gängig gemacht werden können, bietet bei einer fort­geschrittenen Leber­zirrhose die Leber­transplantation die einzige Chance auf Heilung.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Eine Lebertransplantation ist dann nicht mehr möglich, wenn der Gesundheits­zustand der Betroffenen so schlecht ist, dass die Transplantation nicht zu einem verlängerten Über­leben, einer langfristig ausreichenden Leber­funktion oder einer verbesserten Lebens­qualität führen würde. Darüber hinaus können einige andere medizinische, persönliche oder soziale Gründe eine Leber­transplantation ausschließen, dazu gehören z. B. Tumor- und Infektions­krankheiten sowie eine fehlende Bereitschaft zur Alkohol­abstinenz.10

Wie lange man mit einer Spende­leber leben kann, hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Statistisch üben ein Jahr nach der Transplantation noch 80 von 100 gespendeten Lebern ihre Funktion aus. Nach fünf Jahren beträgt der Anteil etwa 68 von 100 Spende­organen.11

Aktuell gibt es keine zielgerichtete Behandlung, die dazu führt, dass sich eine Leber­zirrhose zurückbildet. Das wichtigste Ziel ist vielmehr die Behandlung der ursächlichen Erkrankung, um weitere Leber­schädigungen zu verhindern oder zu verlangsamen. Wenn die Ursache allerdings erfolgreich beseitigt werden konnte und die Schäden nicht bereits zu groß waren, ist in manchen Fällen zumindest eine teil­weise Erholung der Leber möglich.12

Um auf die Warteliste für eine Leber­transplantation aufgenommen zu werden, muss mithilfe psycho­logischer und körperlicher Untersuchungen die Notwendig­keit und Erfolgs­aussicht einer Transplantation ermittelt werden.13 Zu den körper­lichen Untersuchungen gehören Blut­untersuchungen, der Ausschluss von Infektions­krankheiten und Tumor­erkrankungen sowie eine Beurteilung des allgemeinen Gesundheits­zustands. Ist die Leber­transplantation aufgrund einer alkohol­bedingten Leberzirrhose erforderlich, müssen die Betroffenen nachweisen, über mindestens sechs Monate keinen Alkohol konsumiert zu haben.10 Eine sehr wichtige Vor­aussetzung ist darüber hinaus die Bereitschaft zur konsequenten Einnahme der medikamentösen Therapie nach der Operation, die notwendig ist, um eine Abstoßung des transplantierten Organs zu vermeiden.10,13

  1. Internisten im Netz. Leberzirrhose: Was ist das? 2021. https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/leberzirrhose/was-ist-eine-leberzirrhose.html, abgerufen am: 10.02.2025
  2. DocCheck Flexikon. Leberzirrhose. 2024. https://flexikon.doccheck.com/de/Leberzirrhose, abgerufen am: 12.02.2025
  3. Roerecke M, Vafaei A, Hasan OSM, et al. Alcohol consumption and risk of liver cirrhosis: a systematic review and meta-analysis. Am J Gastroenterol 2019;114(10):1574-86
  4. Premkumar M, Anand AC. Tobacco, cigarettes, and the liver: the smoking gun. J Clin Exp Hepatol 2021;11(6):700-12
  5. Strnad P, Buch S, Hamesch K, et al. Heterozygous carriage of the alpha1-antitrypsin Pi*Z variant increases the risk to develop liver cirrhosis. Gut 2019;68(6):1099
  6. Jarvis H, Craig D, Barker R, et al. Metabolic risk factors and incident advanced liver disease in non-alcoholic fatty liver disease (NAFLD): a systematic review and meta-analysis of population-based observational studies. PLoS Med 2020;17
  7. Kirk G, Mehta S, Astemborski J, et al. HIV, age, and the severity of hepatitis C virus-related liver disease. Ann Intern Med 2013;158:658-66
  8. Internisten im Netz. Leberzirrhose: Erste Anzeichen & Symptome. 2021. https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/leberzirrhose/erste-anzeichen-symptome.html, abgerufen am: 10.02.2025
  9. Internisten im Netz. Leberzirrhose: Therapie. 2021. https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/leberzirrhose/behandlung.html, abgerufen am: 10.02.2025
  10. Berg T, Aehling NF, Bruns T, et al. S2k-Leitlinie Lebertransplantation der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV). Z Gastroenterol 2024;62(9):1397-573
  11. BZgA. Die Lebertransplantation. 2025. https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/lebertransplantation/, abgerufen am: 14.02.2025
  12. Lebertransplantierte Deutschland e.V. Komplikationen der Leberzirrhose. 2025. https://lebertransplantation.eu/die-leber/leberzirrhose/komplikationen-der-leberzirrhose, abgerufen am: 18.02.2025
  13. BZgA. Wartelistenführung und Vermittlung von Organen. 2025. https://www.organspende-info.de/organspende/ablauf-einer-organspende/wartelisten-vermittlung-transplantation/, abgerufen am: 04.02.2025

Weitere Empfehlungen aus dieser Kategorie