Lebendspende einer Niere
„Die Lebendspende einer Niere ist ein großer Schritt, der das Leben von Menschen mit chronischer Nierenerkrankung verbessert.“
Inhalte dieses Kapitels
Wo befinden Sie sich gerade? Die wichtigsten Etappen bei einer Nierentransplantation
Die Lebendspende einer Niere kann für Menschen mit chronischer Niereninsuffizienz eine sehr gute Alternative zur postmortalen Spende (Spende durch eine verstorbene Person) sein. Steht eine geeignete Spenderin oder ein geeigneter Spender zur Verfügung, kann die Transplantation häufig ohne lange Wartezeit und im Optimalfall sogar ohne Zeit an der Dialyse durchgeführt werden. Allerdings müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, damit eine Lebendspende durchgeführt werden kann, und die Abläufe unterscheiden sich in einigen Punkten von der postmortalen Spende.
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Was ist eine Lebendspende und warum wird sie durchgeführt?
Die Lebendspende einer Niere von einer nahestehenden, gesunden Person kann eine gute Alternative zur postmortalen Organspende sein. Hierbei wird der Spenderin oder dem Spender eine der beiden gesunden Nieren entfernt und der Empfängerin bzw. dem Empfänger sofort im Anschluss transplantiert. Durch die Lebendspende kann die lange Wartezeit auf eine neue Niere umgangen werden.
Eine Niere, die im Rahmen einer Lebendspende transplantiert wurde, verfügt oft über eine besonders gute Funktion und lange Lebensdauer und liefert so den besten Langzeiterfolg. Das Thema Lebendspende sollte frühzeitig bei Dialysebeginn in der Familie bzw. mit dem engeren Umfeld besprochen werden. Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen können bei Fragen der Kommunikation unterstützen.
Lebendgespendete Organe arbeiten oft besonders gut.
- Entnahmeort ist gleichzeitig auch Transplantationsort, d. h. keine lange Transportdauer und damit optimale Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Organs
- Spende der Niere durch eine nachweislich sehr gesunde Person
- Für eine Lebendspende kann eine Spenderin bzw. ein Spender mit einer hohen Übereinstimmung der Gewebemarker (HLA) gesucht werden.
Eine Lebendspende kann zu einem günstigen Zeitpunkt durchgeführt werden.
- Eine Transplantation ist schon kurz vor Eintritt der Dialysepflicht möglich. Im Fachjargon spricht man dann auch von einer präemptiven Transplantation.
- Ist eine Spenderin oder ein Spender gefunden, kann die Transplantation ohne lange Wartezeit durchgeführt werden.
- Die Vorbereitungszeit für eine Lebendspende der Niere ist vergleichsweise kurz und die Transplantation kann geplant zu einem festgelegten Zeitpunkt durchgeführt werden.
Bei einer Lebendspende können besondere Spendemodelle zum Einsatz kommen.
Voraussetzungen für eine Lebendspende
Damit eine Lebendspende durchgeführt werden kann, müssen einige medizinische, aber auch rechtliche Voraussetzungen erfüllt sein. Sie betreffen sowohl die spendende als auch die empfangende Person und haben Auswirkungen auf den Ablauf der Transplantation.
Auch für eine Lebendspende müssen Voruntersuchungen von Spenderin bzw. Spender und Empfängerin bzw. Empfänger durchgeführt werden, die eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.
Dabei ist auch zu bedenken, dass eine Lebendspende ein erheblicher Eingriff ist, für den man sich bewusst entscheiden sollte. Er kann mit Risiken für die körperliche und psychische Gesundheit verbunden sein und Auswirkungen auf die Beziehung von spendender und empfangender Person haben.
Spenderinnen und Spender im Fokus: Wer kommt in Frage?
In Deutschland gelten strenge Regeln für Lebendspenderinnen und -spender. Vor einer Lebendspende werden getrennte Beratungs- und Aufklärungsgespräche durchgeführt. Für die Spenderin bzw. den Spender ist zudem ein psychologisches Gespräch verpflichtend, bevor die Lebendspendekommission der zuständigen Ärztekammer der Lebendspende zustimmen kann. Dies bedeutet auch einiges an organisatorischem und zeitlichem Aufwand.
Lebendspender müssen körperlich und psychisch gesund sein.
- Ausschluss von Infektionen und Krebserkrankungen
- Ausschluss von bestimmten schweren oder chronischen Erkrankungen, wie z. B. Herz- Kreislauf-Erkrankungen oder chronischen Stoffwechselerkrankungen
- Vollständige Funktion beider Nieren
- Psychologische Untersuchung im Rahmen eines Gesprächs
- Voraussichtlich keine gesundheitliche Gefährdung über das Operationsrisiko hinaus
Gründe und Motivation für die Lebendspende werden geprüft.
- Näheverhältnis zu Empfängerin bzw. Empfänger des Organs
- Volljährigkeit und Zustimmungsfähigkeit
- Freiwilligkeit und Zustimmung zur Organspende
- Bereiterklärung zur Teilnahme an einer ärztlichen Nachbetreuung
Wann ist ein Näheverhältnis für eine Lebendorganspende gegeben?
Für eine Lebendspende müssen in Deutschland spendende und empfangende Person entweder
- in einem Verwandtschaftsverhältnis 1. oder 2. Grades stehen,
- verlobt, verheiratet oder eingetragene Lebenspartnerinnen bzw. Lebenspartner sein
- oder sich anderweitig in besonderer persönlicher Verbundenheit offenkundig nahestehen, z. B. durch eine langjährige, enge Freundschaft.
In Deutschland versucht man durch diese Regelung finanzielle Beweggründe für eine Organspende auszuschließen.
➔ Wussten Sie: In einigen anderen Ländern gibt es diese Regelung nicht und Organe können ohne Vorliegen eines Näheverhältnisses gespendet werden. Das nennt man altruistische Spende.
Wie alt darf eine Nierenspenderin bzw. ein Nierenspender sein?
Es gibt keine festgelegte Altersgrenze für eine Lebendspende. Allerdings müssen Spenderinnen bzw. Spender sowie das gespendete Organ in einem sehr guten gesundheitlichen Zustand sein, um das Risiko für die Spenderin bzw. den Spender zu minimieren und eine gute Funktionsfähigkeit des Transplantats zu gewährleisten.
Was ist die Lebendspendekommission und was macht sie?
Die sogenannte Lebendspendekommission ist ein Gremium der zuständigen Ärztekammer, das entscheidet, ob eine konkrete Lebendspende zulässig ist. Dazu nimmt die Kommission in einem unabhängigen Gutachten zu einer geplanten Lebendspende Stellung. Geprüft wird die Freiwilligkeit der Spende und die Unabhängigkeit von finanziellen Beweggründen. Das Gremium setzt sich aus einer unabhängigen Ärztin oder einem unabhängigen Arzt, einer Person mit Befähigung zum Richteramt und einer psychologisch geschulten Person zusammen.
➔ Mehr Informationen zu den Voraussetzungen für eine Lebendspende finden Sie bei organspende-info.de.
Es gibt außerdem Sonderfälle, z. B. wenn eine Spenderin oder ein Spender aus dem Ausland kommt.
Sprechen Sie das Team des Transplantationszentrum auf Ihre Situation an, um eine individuelle Lösung zu finden.
Empfängerinnen und Empfänger im Fokus: Wer kann eine Nieren-Lebendspende erhalten?
Der gesundheitliche Zustand von Nierenpatientinnen und -patienten muss ausreichend gut sein, damit eine Lebendspende durchgeführt werden kann. Das Thema einer Lebendspende sollte daher frühzeitig um familiären und engeren Umkreis besprochen werden. Eine Lebendspende kann die Wartezeit und damit die Zeit an der Dialyse deutlich verkürzen.
Keine Transplantation ohne Listung auf der Warteliste
Eine Nierentransplantation darf in Deutschland aktuell nur durchgeführt werden, wenn die empfangende Person auf der Warteliste steht und als transplantabel (T) gemeldet ist – das gilt auch für die Lebendspende. Wenn die Organspende vor Beginn der Dialyse durchgeführt werden soll, erfolgt das Aufklärungsgespräch und die Aufnahme auf die Warteliste kurz vor dem OP-Termin. Sobald die Transplantation durchgeführt wurde, wird die Patientin bzw. der Patient von der Warteliste entfernt.
Risiken einer Lebendspende
Vor einer Lebendspende werden sowohl die spendende als auch die empfangende Person gründlich untersucht, um mögliche Risiken der Organentnahme und der Transplantation zu erkennen und beurteilen zu können. Deswegen ist es besonders wichtig, dass alle eventuellen Auffälligkeiten und zurückliegenden medizinischen Ereignisse offen angesprochen werden. Die Abwägung, ob eine Lebendspende in Betracht kommt, wird im Transplantationszentrum gemeinsam mit der potenziellen Spenderin bzw. dem potenziellen Spender und der Empfängerin bzw. dem Empfänger getroffen.
Allgemeine Operationsrisiken und langfristigen Risiken
Für eine Nierenspende wird zwischen allgemeinen Operationsrisiken und langfristigen gesundheitlichen Risiken unterschieden. Grundsätzlich ist die Nierenleistung bei Menschen mit einer gesunden Niere geringer als bei Menschen mit zwei Nieren. In der Regel beträgt die Nierenleistung nach Entnahme einer Niere ca. 70 % des Ausgangswerts und ist damit für ein normales Leben ohne Einschränkungen ausreichend.
Risiken für Spenderinnen und Spender durch die Operation
- Schmerzen im Wundbereich
- Nachblutungen
- Wundinfektionen, Infektionen
- Seltene, schwere Folgen können z. B. Blutgerinnsel (Thrombose) oder die Notwendigkeit einer Dialyse sein.
Langfristige Risiken für Spenderinnen und Spender
- Taubheitsgefühl oder Missempfindungen im Narbenbereich
- Leicht erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz
- Leicht erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Leicht erhöhtes Risiko für ein chronisches Müdigkeits- oder Erschöpfungssyndrom
Psychische und soziale Risiken für Spenderinnen und Spender
- Psychische Belastung nach der Organspende oder im Verlauf des weiteren Lebens mit einer Niere
- Belastung der Beziehung zwischen spendender und empfangender Person – insbesondere im Fall von Komplikationen
- U. U. kann eine Lebendspende mit beruflichen oder versicherungstechnischen Nachteilen verbunden sein. Potenzielle Spenderinnen und Spender sollten sich vorab informieren und sich ggf. beraten lassen. Wichtige Ansprechpartner dafür sind Patientenorganisationen, Sozialverbände oder der Sozialdienst der Klinik. Weitere sozialrechtliche Informationen für Lebendspenderinnen und -spender.
Nachsorge für Organspender
Auch für Organspender sind regelmäßige Nachsorge- und Kontrolltermine vorgesehen. Die Kosten dafür werden von der Krankenkasse der empfangenden Person übernommen. Im Gegensatz zu Empfängerinnen und Empfängern ist die spendende Person allerdings nicht dauerhaft an das Transplantationszentrum angebunden. Spenderinnen und Spender müssen sich selbstständig um ihre Nachsorgetermine kümmern.
Umgang mit psychischen Belastungen vor und nach der Spende
Trotz psychologischer Beratung vor der Organspende können nach der Operation oder im Verlauf des Lebens mit einer Niere psychische Belastungen auftreten. Betroffene Spenderinnen und Spender sollten nicht scheuen, sich zu jedem Zeitpunkt professionelle Hilfe zu suchen und Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Auch der Austausch mit Gleichbetroffenen kann hilfreich sein.
➔ Mehr Informationen finden Sie im Abschnitt Mit psychischen Belastungen umgehen – vor und nach einer Nierentransplantation.
➔ Hier finden Sie eine Liste mit Selbsthilfegruppen.
Besondere Spendemodelle: AB0-inkompatible Nieren-Lebendspende und Crossover-Nierenspende
Lebendspenden sind mit sehr guten Ergebnissen in Bezug auf die Funktion und Lebensdauer des gespendeten Organs verbunden. Deswegen kann bei einer Lebendspende auf bestimmte Übereinstimmungen von spendender und empfangender Person verzichtet werden, die bei postmortalen Spenden vorausgesetzt werden müssen. Und auch wenn eine Organspende durch eine nahestehende Person aufgrund von Unverträglichkeit nicht möglich ist, gibt es bei einer Bereitschaft zur Lebendspende mit der Crossover-Nierentransplantation eine weitere neue Option.
AB0-inkompatible Nieren-Lebendspende
Bei einer postmortal gespendeten Niere ist eine Kompatibilität der Blutgruppen von spendender und empfangender Person erforderlich – d. h. die Blutgruppen der beiden Personen müssen zueinander passen, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern. Bei einer Lebendspende ist das anders. Denn in den Wochen vor der geplanten Transplantation ist Zeit für Maßnahmen, die eine Abstoßung des neuen Organs aufgrund einer Unverträglichkeit der Blutgruppen verhindern.
Im folgenden Video erfahren Sie, was es mit den Blutgruppen auf sich hat, welche Blutgruppen zusammenpassen und wie bei der Lebendspende vorgegangen wird, wenn die Blutgruppen nicht zusammenpassen.
Crossover-Nieren-Lebendspende
Auch wenn es eine gesunde nahestehende Person gibt, die der Lebendspende einer Niere zustimmt, kann diese manchmal aus medizinischen Gründen nicht durchgeführt werden. Dies kann passieren, wenn z. B. bestimmte Oberflächenmerkmale auf den Zellen von spendender und empfangender Person – die HLA-Merkmale – nicht übereinstimmen.
In vielen Ländern kann in solchen Fällen eine sogenannte Crossover-Lebendspende durchgeführt werden. Bei der Crossover-Lebendnierenspende tauschen zwei Transplantationspaare ihre Spenderorgane über Kreuz aus, wie auf dem Bild dargestellt: Obwohl die beiden Empfängerinnen 1 und 2 mit ihren jeweils nahestehenden Personen Spender 1 und Spenderin 2 nicht kompatibel sind, passen die Spenderorgane zur jeweils anderen empfangenden Person, so dass am Ende beide Empfängerinnen eine passende Niere erhalten.
Eine Änderung des Transplantationsgesetzes soll diese Option auch in Deutschland in Zukunft vereinfachen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, dass Paare sich in einer Crossover-Lebendspende-Datenbank registrieren, die dabei hilft, ein passendes Paar zu finden.
Lebendspende – ein Entscheidungsprozess
Umfassende Information und Beratung nötig
Die Lebendspende einer Niere und ihr Empfang sind weitreichende Entscheidungen. Sowohl potenzielle Spenderinnen und Spender als auch Empfängerinnen und Empfänger sollten sich umfassend über das Thema Lebendspende informieren, sich beraten lassen und sich Zeit nehmen für ihre Entscheidung.
Wenden Sie sich an Ihr Transplantationszentrum und sprechen Sie alle Fragen, die Ihnen auf dem Herzen liegen, offen an!
Nutzen Sie psychologische Beratungsangebote und den Austausch über Patientenorganisationen oder Selbsthilfegruppen für die Entscheidungsfindung!
Tipp: Notieren Sie sich vor Beratungsgesprächen oder Terminen im Transplantationszentrum Ihre Fragen, damit nichts vergessen wird!
Sozialrechtliche Informationen für Lebendspenderinnen und -spender
Als Spenderin oder Spender einer Niere hat man bestimmte Rechte und Ansprüche, z. B. Lohnfortzahlungen nach der Operation, Rehabilitationsmaßnahmen oder Anerkennung eines Grades der Schwerbehinderung, die man geltend machen kann.
Spenderinnen und Spender sollten sich umfassend darüber informieren, wo welche Ansprüche geltend gemacht werden können und müssen. Patientenorganisationen aber auch Verbände bieten zu vielen Punkten Beratung an. Auch der Sozialdienst der Klinik ist ein wertvoller Ansprechpartner.
Das sollte vor der Lebendspende geklärt sein!
Es gibt ein paar wichtige sozialrechtliche Aspekte und kostentechnische Überlegungen, die bedacht werden sollten, bevor man sich für die Lebendspende einer Niere entscheidet. Grundsätzlich werden die Kosten einer Lebendspende und die Lohnfortzahlung während der Lebendspende von der Krankenkasse der Empfängerin bzw. des Empfängers übernommen.
- Vor der Transplantation ist es in jedem Fall wichtig, diese über den geplanten Eingriff zu informieren und zu klären, in welchem Umfang die Kosten bei Spenderin oder Spender übernommen werden.
- Die Krankenkasse der spendenden Person sollte ebenfalls im Vorfeld über die anstehende Lebendorganspende informiert werden.
- Gesundheitsschäden im Zusammenhang mit einer Lebendspende sind über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.
Eine Checkliste zum Herunterladen hilft dabei, alle wichtigen Punkte im Blick zu haben.
Weitere Informationen zur Kostenübernahme und zur versicherungsrechtlichen Absicherung
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat in einem Infoblatt alle wichtigen Punkte zur Lebendspende zusammengefasst. Darunter findet sich auch ein detaillierter Abschnitt zur Kostenübernahme und dazu, wie die Spenderin bzw. der Spender versicherungsrechtlich abgesichert ist.
➔ Hier geht es zum Infoblatt „Die Lebendspende“.
Anerkennung einer Schwerbehinderung bei der spendenden Person nach der Spende
Nach der Transplantation können Spendende einen Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung stellen. Der Antrag wird vom zuständigen Versorgungsamt genehmigt, sofern schwerwiegende gesundheitliche Folgen der Spende anhand von ärztlichen Beurteilungen nachgewiesen werden können. Informationen zum Grad der Behinderung findet man z. B. auf der Seite Betanet.
➔ Mehr Informationen zur Anerkennung eines Grades der Behinderung der empfangenden Person finden Sie im Abschnitt Der Klinikaufenthalt nach der Transplantation – wie geht es weiter?
Anschlussheilbehandlung – eine Chance für die empfangende und die spendende Person
Eine Anschlussheilbehandlung (AHB) bietet nicht nur Empfängerinnen und Empfängern eines neuen Organs, sondern auch Lebendspenderinnen und -spendern die Möglichkeit, sich nach dem Eingriff zu erholen und die körperliche und seelische Genesung gezielt zu unterstützen. Häufig können spendende und empfangende Person die AHB auch gemeinsam machen.
Je nach Klinik kann eine AHB 1 bis 3 Monate nach der Transplantation angetreten werden. Damit unterscheidet sie sich von einer Rehabilitationsbehandlung (Reha), die nicht an einen Krankenhausaufenthalt anschließt. Bei der Beantragung und Organisation der AHB unterstützt der Sozialdienst der Klinik.
➔ Mehr zum Thema AHB und Reha finden Sie unter Nachsorge und Vorsorge nach der Nierentransplantation.
Ablauf der Lebendspende
Die Operationen für die Organentnahme und die Transplantation werden gemeinsam mit der spendenden und der empfangenden Person geplant, nachdem die Voruntersuchungen abgeschlossen sind und alle Beteiligten sowie die Lebendspendekommission der Lebendspende zugestimmt haben. Beide Operationen werden mit nur kurzem Zeitversatz im selben Krankenhaus durchgeführt. Dank der kurzen Transportwege und kurzen Konservierungszeit wird das Spenderorgan geschont.
Ca. 4 Wochen vor OP
Spenderin/Spender | Empfängerin/Empfänger |
|---|---|
Vorbereitende Maßnahmen bei einer Blutgruppen-Inkompatibilität von spendender und empfangender Person: → Spezielle Blutwäschen (Apharese, Immunadorption) zur Entfernung der blutgruppenspezifischen Antikörper </li> → Medikamente, die die Neubildung von Antikörpern verhindern </li> |
1 Tag vor OP
Spenderin/Spender | Empfängerin/Empfänger |
|---|---|
Stationäre Aufnahme in die Klinik | Stationäre Aufnahme in die Klinik, falls nicht bereits in stationärer Behandlung, und Beginn der immunsuppressiven Therapie |
Tag der OP
Spenderin/Spender | Empfängerin/Empfänger |
|---|---|
Die Operation der spendenden Person beginnt zuerst und dauert ca. 2 bis 3 Stunden. <br><br> Immer häufiger kommen minimal-invasive und Roboter-assistierte OP-Verfahren zum Einsatz und machen den Eingriff sehr schonend. | Die Operation der empfangenden Person beginnt kurz nach Start der Organentnahme bei der spendenden Person und dauert ebenfalls 2 bis 3 Stunden. Die Operation unterscheidet sich dabei nicht von Operation bei einer postmortalen Spende. <br><br> → Mehr Informationen zum Ablauf der Transplantation |
Nach der OP
Spenderin/Spender | Empfängerin/Empfänger |
|---|---|
Spenderinnen und Spender bleiben je nach Klinik in der Regel 5 bis 7 Tage im Krankenhaus. <br><br> In den ersten Tagen nach der Entnahme der Niere können im Bereich der Operationswunde Schmerzen auftreten. Spenderinnen und Spender sollten dies in der Klinik ansprechen, damit die Schmerzmedikation entsprechend angepasst werden kann. Eine langfristige Medikamenteneinnahme aufgrund einer Nierenspende ist in aller Regel nicht nötig. | Für Empfängerinnen und Empfänger einer Lebendspende unterscheidet sich die Zeit nach der Operation nicht vom Ablauf bei einer postmortalen Spende. In der Regel werden sie nach ca. 14 Tagen aus der Klinik entlassen. Auch Empfängerinnen und Empfänger sollten sich für eine entsprechende Schmerzbehandlung an das Behandlungsteam in der Klinik wenden. <br><br> → Mehr Informationen zum Klinikaufenthalt nach der Transplantation |
Nach der Organentnahme sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen vorgesehen. Die Termine müssen selbstständig vereinbart werden, die Kosten übernimmt die Krankenkasse der Empfängerin bzw. des Empfängers. | Nach einer Nierentransplantation müssen Empfängerinnen und Empfänger lebenslänglich Medikamente zur Immunsuppression einnehmen und regelmäßig Kontrolltermine wahrnehmen. <br><br> → Mehr Informationen in den Abschnitten Immunsystem und immunsuppressive Therapie sowie Nachsorge |
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Quellen und weiterführende Literatur
Betanet. Nierenerkrankungen > Schwerbehinderung. https://www.betanet.de/nierenerkrankungen-schwerbehinderung.html (abgerufen am 05.06.2024)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Infoblatt „Die Lebendspende“ https://www.organspende-info.de/fileadmin/Organspende/05_Mediathek/Redaktionsbaukasten/Hintergrundinformationen/BZgA_RBK_Infoformate_FAQ_Lebendspende.pdf (abgerufen am 05.06.2024)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Lebendorganspende. Nierenlebendspende. https://www.organspende-info.de/lebendorganspende/nierenlebendspende/ (abgerufen am 28.05.2024)
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA. Organspende. Lebendorganspende https://www.organspende-info.de/lebendorganspende/ (abgerufen am 28.05.2024)
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Transplantation https://nephrologie-intensivmedizin.charite.de/leistungen/transplantation/ (abgerufen am 28.05.2024)
Medizinische Hochschule Hannover. Cross-Over-Lebendspende. https://www.mhh.de/itt/behandlungsschwerpunkte/crossover-nierenlebendspende (abgerufen am 28.05.2024)
Die Inhalte wurden in enger Zusammenarbeit mit einem Beirat aus Patientenorganisationen und Ärztinnen und Ärzten erstellt.




