Selbstkontrolle und gesunder Lebensstil nach der Nierentransplantation

Selbst­kontrolle und gesunder Lebens­stil nach der Nieren­transplantation

Eine Frau dokumentiert nach ihrer Nierentransplantation Gesundheitsdaten in ihrem Tagebuch

„Mit regelmäßiger Selbst­kontrolle, guter Therapie­adhärenz und einem gesunden Lebens­stil können Nieren­transplantierte aktiv zu ihrer Gesundheit beitragen und die Funktion ihres Transplantats unterstützen – und damit auch ihre langfristige Lebens­qualität positiv beeinflussen.“

Inhalte dieses Kapitels

Wo befinden Sie sich gerade? Die wichtigsten Etappen bei einer Nieren­transplantation

Die Nieren­transplantation ist geglückt und man ist wieder zu Hause angekommen. Jetzt ist es wichtig, die Funktion der neuen Niere auch zuhause regel­mäßig selbst zu messen und zu doku­mentieren. So kann man frühzeitig erkennen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Durch viele gute Gewohn­heiten und einen gesunden Lebens­stil kann man sich und das neue Organ zusätzlich schützen. Auch der Austausch mit anderen Trans­plantierten kann Unter­stützung bieten.

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Selbst­kontrolle lernen nach der Nieren­transplantation

Schon in der Klinik lernen Nieren­transplantierte, ihre Vital­werte selbst zu kontrollieren. Das heißt Blut­druck, Puls und Temperatur regelmäßig zu messen, das Körper­gewicht zu überwachen und alle Werte zu proto­kollieren.

  • Die selb­ständige Kontrolle der Werte ermöglicht es, früh­zeitig zu erkennen, wenn etwas nicht in Ordnung ist, also wenn es beispiels­weise Hinweise auf eine mögliche Abstoßungs­reaktion oder Neben­wirkungen der Immun­suppressiva gibt.
  • In diesem Fall sollten sich Nieren­transplantierte unverzüglich mit dem Transplantations­zentrum oder der behandelnden Nephrologin bzw. dem behandelnden Nephrologen in Ver­bindung setzen.
Je früher eine Abstoßungs­reaktion erkannt und behandelt wird, desto geringer ist das Risiko eines Trans­plantatverlusts.
Das Proto­kollieren der auf­genommenen und aus­geschiedenen Flüssigkeits­menge kann dabei helfen, sich wieder an größere Trink­mengen zu gewöhnen.

Diese Werte sollten nach der Nieren­transplantation regel­mäßig gemessen und dokumentiert werden

Wichtige Werte, die Rück­schlüsse auf die Gesundheit und die Funktion des Nieren­transplantats zulassen, sind:

  • Körper­gewicht: Messung morgens nach dem Toiletten­gang und vor dem Früh­stück
  • Körper­temperatur: Messung morgens in häuslicher Umgebung; die Normal­temperatur bei Messung in der Achsel­höhle liegt bei ca. 36,5°C
  • Blut­druck: Immer zur gleichen Zeit unter gleichen Bedingungen messen, vor der Einnahme von Blut­drucksenkern.
  • Puls: Immer zur gleichen Zeit unter gleichen Bedingungen messen, vor der Einnahme von Blut­drucksenkern.
  • Flüssigkeits­bilanz – also Trink­menge und Urin­menge: Es sollten 500 ml mehr aufgenommen, als über den Urin ausgeschieden werden; die empfohlene Trink­menge liegt in der Regel bei zwei Liter pro Tag
  • Weitere Auffällig­keiten: z. B. körperliche Beschwerden wie Übel­keit oder Müdigkeit, Aussehen/Farbe des Urins
  • Ggf. Blut­zucker: im Falle eines Diabetes mellitus

In der ersten Zeit nach der Nieren­transplantation sollten diese Werte täglich gemessen und dokumentiert werden. Lang­fristig ist eine Kontrolle und Doku­mentation ein- bis zweimal wöchentlich aus­reichend.

Bitte melden Sie sich umgehend beim Transplantations­zentrum, wenn bei den Kontroll­messungen Auffällig­keiten auftreten! Achten Sie dazu besonders auf folgende Symptome:
  • Körper­temperatur über 37,5°C
  • Erhöhter Blut­druck
  • Verminderte Urin­ausscheidung
  • Wasser­einlagerungen im Körper (Ödeme bzw. Schwellungen und erhöhtes Körper­gewicht)
  • Schmerzen im Bereich der Trans­plantatnarbe
Nach der Trans­plantation haben manche Menschen Probleme mit häufigen Harnwegs­infekten. Urintest­streifen für zu Hause können helfen, selbst festzustellen, ob sich ein Harnwegs­infekt anbahnt. Dies kann zu einem sicheren Gefühl im Alltag und auf Reisen bei­tragen. Mehr zur Vor­beugung von Harnwegs­infekten nach der Trans­plantation finden Sie hier.

Ein Trans­plantations-Tage­buch führen

Am besten werden die ge­messenen Werte und weitere wichtige Punkte in einem Trans­plantations-Tage­buch oder Nach­sorgeheft fest­gehalten. Das hilft dabei, den Über­blick zu behalten und die Kontroll­termine bei der Nephrologin bzw. beim Nephrologen oder im Transplantations­zentrum optimal vorzu­bereiten.
Beispielseite eines Transplantations-Tagebuchs mit vier ausgefüllten Tagen
Beispielseite aus einem Transplantations-Tagebuch

Das sollte in einem Trans­plantationstagebuch notiert werden:

  • Doku­mentation der gemessenen Werte
  • Körper­liche Beschwerden und Besonder­heiten
  • All­gemeines Befinden
  • Erinnerung an wichtige Kontroll­termine

Zusätzlich zum Tage­buch sollte man eine Medikamenten­liste bzw. einen Medikations­plan führen. Darin werden die Immun­suppressiva und alle weiteren Medi­kamente, die ein­genommen werden, ein­getragen.

Ein kosten­loses Trans­plantations-Tagebuch finden Sie z. B. auf der Web­seite von einigen Pharma­firmen zum Download oder Bestellen. Oder Sie fragen im Transplantations­zentrum oder bei Ihrer be­handelnden Nephrologin bzw. dem be­handelnden Nephrologen nach, wie Sie Ihre Werte am besten doku­mentieren sollen.
Bringen Sie das Tage­buch und die Medikations­liste immer zu den Kontroll­terminen im Trans­plantationszentrum und den Terminen bei Ihrer Nephro­login bzw. Ihrem Nephro­logen mit. Sie können in das Tage­buch auch alle Ihre Fragen an die Ärztinnen und Ärzte ein­tragen, um bei der Kontroll­untersuchung nichts Wichtiges zu vergessen.

Mit guten Gewohn­heiten die Gesund­heit und die neue Niere schützen

Bild zeigt drei Paar Hände, die ineinander liegen und einen roten herzförmigen Gegenstand halten, auf dem zwei weiße Nieren abgebildet sind.

Trans­plantierte sollten für sich schützende Gewohn­heiten ent­wickeln, denn sie haben es in der Hand ihre Gesund­heit aktiv zu stärken!

Trans­plantierte sollten für sich schützende Gewohn­heiten ent­wickeln, denn sie haben es in der Hand ihre Gesund­heit aktiv zu stärken!

Adhärenz: Immun­suppressiva konsequent ein­nehmen

Die richtige und regelmäßige Ein­nahme der Medikamente ist der Schlüssel zum Schutz der neuen Niere. Nur durch eine lebens­lange konsequente immun­suppressive Therapie bleibt das Transplantat sicher vor einer Abstoßung geschützt. Darüber hinaus muss die Gesund­heit und Funktion der neuen Niere regel­mäßig kontrolliert werden. Dabei wird auch die Wirkung der Immun­suppressiva überprüft und die Dosierung ggf. angepasst. Wie oft diese Nachsorge­termine statt­finden, richtet sich nach dem Zustand des Transplantats und danach, wie lange die Transplantation zurück­liegt.

Ärztinnen und Ärzte sprechen in diesem Zusammen­hang häufig von Adhärenz, Compliance oder Therapie­treue. Bei all diesen Wörtern geht es darum, dass Patientinnen und Patienten die mit der Ärztin oder dem Arzt vereinbarte Therapie korrekt und konsequent durch­führen, also ihre Medikamente wie vereinbart ein­nehmen, die vereinbarten Vor- und Nachsorge­untersuchungen wahr­nehmen und gemeinsam besprochene Anpassungen des Lebens­stils zu Förderung der Gesund­heit umsetzen.

Sprechen Sie Probleme mit der Therapietreue im Transplantations­zentrum offen an. Gemeinsam können Lösungen ge­funden und Schwierig­keiten abgemildert werden.

  • Mehr zu den Medikamenten nach der Trans­plantation er­fahren Sie auch im Kapitel Immun­system und immun­suppressive Therapie.
  • Alles Wichtige zu den ärztlichen Kontroll­termine nach der Trans­plantation finden Sie im Kapitel Nach­sorge und Vor­sorge nach der Transplantation.

Mit Interesse an der eigenen Gesund­heit einen gesunden Lebens­stil finden

Nieren­transplantierte sollten besonders auf ihre Gesund­heit achten, denn alles, was der allgemeinen Gesund­heit schadet, schadet auch der neuen Niere. So können z. B. auch Herz-Kreislauf-Er­krankungen wie Blut­hoch­druck oder Stoffwechsel­erkrankungen wie Diabetes mellitus zu einem Verlust des Transplantats führen. Regelmäßige Kontroll­untersuchungen und recht­zeitige Vorbeugung sowie konsequente Behandlung von Begleit­erkrankungen sind für Nieren­transplantierte sehr wichtig.

Wichtige Aspekte eines gesunden Lebens­stils:

  • Gesunde und aus­gewogene Ernährung
  • Regel­mäßige Bewegung
  • Normales Körper­gewicht
  • Ausreichend Schlaf
  • Verzicht auf Nikotin und wenig/kein Alkohol
  • Alle Medikamente laut Medikations­plan regelmäßig und konsequent ein­nehmen
  • Regelmäßige Wahrnehmung der Nach- und Vorsorge­untersuchungen

Detaillierte Tipps für einen gesunden Lebens­stil und die Gestaltung des Alltags nach der Trans­plantation finden Sie im Ab­schnitt Den Alltag nach der Nieren­transplantation gestalten.

Digitale Unter­stützung nach der Nieren­transplantation – hilfreiche Apps & Co

Mittler­weile gibt es viele Technologien und digitale Anwendungen, die Menschen nach einer Nieren­transplantation unter­stützen können. Mit verschiedenen Eigen­schaften und Funktionen passen sie zu unter­schiedlichen Transplantations­patientinnen und -patienten. Aus­probieren lohnt sich!

Neue Technologien für den Alltag von Nieren­transplantierten

Tele­medizin

Manche Transplantations­zentren bieten die Teilnahme an tele­medizinischen Betreuungs­programmen an. So können Transplantierte z. B. ihre Mess­werte (Blut­druck, Puls, etc.) oder Informationen über neue Medikamente, die sie einnehmen, direkt an ein tele­medizinisches Behandlungs­team übermitteln.

Durch den engen Kontakt mit dem Transplantations­zentrum werden eventuelle Beein­trächtigungen der Gesund­heit, Anzeichen für eine Funktions­einschränkung der Spender­niere sowie Neben­wirkungen oder Wechsel­wirkungen der Medikamente schneller erkannt und behandelt.

Digitale Gesundheits­anwendungen (DiGAs) oder Apps können Menschen dabei unter­stützen, ihre Medikamente richtig ein­zunehmen. Einige davon wurden speziell für Transplantations­patientinnen und -patienten entwickelt. Die Apps können auf dem Handy installiert und von der Nutzerin bzw. dem Nutzer personalisiert werden.

  • Mit der App MyTherapy können alle Medikamente gescannt und die Ein­nahmezeit erfasst werden. MyTherapy erinnert dann an die Ein­nahme sowie an Arzt­termine für neue Rezepte. Zusätzlich bietet die App ein digitales Gesundheits­tagebuch.
    Hier geht’s zu MyTherapy.
  • Auch die App mediteo oder die Mizu-App bieten eine Erinnerungs­funktion für die Einnahme der Medikamente.
    Hier geht’s zur mediteo.
    Hier geht’s zur Mizu-App.

Viele Menschen nutzen Wearables wie Fitness-Tracker, Smart­watches und Smart­ringe, um sportliche Aktivitäten und Gesundheits­werte im Alltag zu erfassen. Sie zeichnen z. B. die Herz­frequenz und Sauer­stoff­sättigung des Blutes und manche auch den Blut­druck im Tages­verlauf auf. Zusätzlich können sie Einblicke in die Schlaf­qualität liefern und zu regelmäßiger sportlicher Aktivität motivieren.

Meist werden Wearables mit dem Smartphone gekoppelt und können darüber aus­gelesen werden. Optional kann ein Alarm bei Norm­abweichung eingestellt werden. Nieren­transplantierte sollten sich beraten lassen, welches Gerät am besten geeignet ist.

Achtung: Wearables ersetzen nicht die regelmäßigen Selbst­kontrollen und Kontroll­termine! Bisher werden sie nur im Freizeit- und noch nicht im medizinischen Bereich eingesetzt. Die für das Transplantations-Tage­buch relevanten Werte sollten weiterhin mit den dafür zu­gelassenen Geräten (z. B. Blutdruck­messgerät) gemessen werden.

Aus­tausch mit anderen Transplantierten und Hilfe bei psychischer Be­lastung nach der Nieren­transplantation

Das Leben mit einem Spender­organ kann eine Heraus­forderung sein. Neben der Freude über die neue Niere können auch negative Gedanken und Gefühle auf­tauchen. Manche Betroffene haben z. B. Angst, etwas falsch zu machen, andere haben Schuld­gefühle gegenüber der Spenderin bzw. dem Spender oder Menschen, für die bislang kein Spender­organ gefunden wurde. Auch die Befürch­tung, das neue Organ durch eine Abstoßungs­reaktion zu verlieren, kann zu ständigen Ängsten, Unsicher­heit und über­mäßiger Selbst­beobachtung führen.

Wenn solche oder ähnliche belastende Ge­danken Sie beschäftigen, haben Sie keine Scheu, darüber zu sprechen, und suchen Sie sich auf jeden Fall Unter­stützung und Hilfe.

Oft reicht es schon, sich mit anderen Menschen über seine Sorgen und Ängste auszu­tauschen. Ansprech­partner können Angehörige oder Freunde sein, auch das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt oder einer Psycho­therapeutin bzw. einem Psycho­therapeuten kann helfen. Weitere wichtige Anlauf­stellen sind Selbst­hilfegruppen und Patienten­organisationen, denn der Austausch mit anderen Menschen, die Ähnliches erlebt haben, kann enorm entlastend sein und zu­gleich wertvolle Tipps für den Umgang mit der neuen Situation geben.

Weitere Hin­weise, wie Sie mit psychischen Belastungen nach einer Nieren­transplantation umgehen können, finden Sie hier.

Was andere Menschen nach einer Nieren­transplantation getan haben, um ihre mentale Gesund­heit zu stärken, erfahren Sie in unserem Erfahrungs­bericht mentale Gesund­heit.

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Quellen und weiter­führende Literatur

Bundesamt für Sicher­heit in der Informations­technik. Wearables: So nutzen Sie Fitness­tracker, -arm­bänder & Co. Sicher. Ver­fügbar unter: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Ver­braucherinnen-und-Ver­braucher/Informationen-und-Emp­fehlungen/Internet-der-Dinge-Smart-leben/Smart-Home/Wearables/wearables_node.html. Abgerufen am 21.10.2024.

DKE – VDE Verband der Elektro­technik Elektronik Informations­technik e.V. Medizinische Wearables sind in Vor­bereitung und werden die Gesund­heit von Patienten ver­bessern. Verfügbar unter: https://www.dke.de/de/arbeits­felder/health/wearables-medizin­technik. Abgerufen am 21.10.2024.

Die Inhalte wurden in enger Zusammen­arbeit mit einem Beirat aus Patienten­organisationen und Ärztinnen und Ärzten erstellt.