Leben spenden durch eine Nieren-Lebendspende
Chronische Nierenschäden entwickeln sich langsam und häufig unbemerkt, da die Betroffenen über lange Zeit symptomlos sind.1 In Deutschland sind rund 10 Millionen Menschen von chronischen Nierenschäden betroffen.2 Schwere Krankheitsverläufe führen zu einem Funktionsverlust der Nieren (Niereninsuffizienz), was eine Dialysebehandlung oder sogar eine Nierentransplantation notwendig machen kann. Jedes Jahr warten in Deutschland mehrere tausend Patient*innen auf eine neue Niere – bei keinem anderen Organ ist der Bedarf so hoch.1 Ende des Jahres 2023 standen 6.513 Menschen auf der Warteliste, jedoch wurden im selben Jahr nur 2.122 Nierentransplantationen durchgeführt.6 608 der transplantierten Nieren stammten dabei aus einer Lebendspende.6
Die Lebendspende bietet im Vergleich zur postmortalen Spende eine höhere Erfolgsrate und längere Funktionsdauer des transplantierten Organs. Dies liegt daran, dass der Zeitpunkt optimal gewählt werden kann, die Qualität des Organs hoch ist (da ausschließlich gesunde Menschen Spender*innen werden dürfen) und die zeitgleiche Entnahme- und Transplantationsoperation das Risiko von Organschäden reduziert.3-5 Dennoch ist eine Lebendspende nur dann möglich, wenn kein postmortal gespendetes Organ zur Verfügung steht. Daher müssen Organempfänger*innen auch für eine Lebendspende zwingend auf der Warteliste stehen.3
Kommt jede Person für eine Nierenlebendspende in Frage? Für eine Lebendorganspende müssen strenge Voraussetzungen erfüllt sein. Nur volljährige und einwilligungsfähige Personen mit zwei gesunden Nieren und einem guten allgemeinen Gesundheitszustand dürfen spenden. Außerdem müssen sie detailliert aufgeklärt werden und der Entnahme zustimmen.5 Durch umfassende medizinische Voruntersuchungen wird gewährleistet, dass die Spende für alle Beteiligten sicher ist. Darüber hinaus müssen die spendende und die empfangende Person eine enge Beziehung zueinander haben und beispielsweise nahe Verwandte, Lebenspartner*innen oder enge Freund*innen sein, um die altruistische Intention sowie die Freiwilligkeit der Spende sicherzustellen und Organhandel vorzubeugen. Eine Altersgrenze gibt es dabei jedoch nicht.3
Wie läuft die Spende genau ab? Die Entnahmeoperation und die Transplantation finden mehr oder weniger gleichzeitig im selben Krankenhaus statt. Dadurch werden Transportwege und mögliche Schädigungen des Organs, das während des Transports nicht durchblutet ist, minimiert.5 In der Regel müssen Spender*innen im Anschluss an die Operation noch für fünf bis sieben Tage im Krankenhaus bleiben. Zudem sind sowohl bei der empfangenden als auch bei der spendenden Person regelmäßige medizinische Nachsorgeuntersuchungen notwendig.3 Weitere Informationen und eine vollumfängliche Aufklärung zur Nierenlebendspende erhalten Sie in den zuständigen Transplantationszentren.
Angesichts des hohen Bedarfs an Nierentransplantationen in Deutschland und der begrenzten Verfügbarkeit postmortaler Organe ist die Lebendspende eine großartige Möglichkeit, das Leben einer nahestehenden Person zu retten. Sollten Sie erwägen, Ihre Niere für eine nahestehende Person zu spenden, sprechen Sie mit Ihren Ärzt*innen.
- Organspende. Die Nierentransplantation. https://www.organspende-info.de/organspende/transplantierbare-organe/nierentransplantation/, abgerufen am: 16.07.2024
- Deutsche Nierenstiftung. Rund 10 Mio Menschen in Deutschland. https://www.nierenstiftung.de/, abgerufen am: 16.07.2024
- Organspende. Die Nierenlebendspende ist die am häufigsten durchgeführte Lebendorganspende. https://www.organspende-info.de/lebendorganspende/nierenlebendspende/, abgerufen am: 16.07.2024
- Hariharan S, Israni AK, Danovitch G. Long-term survival after kidney transplantation. New England Journal of Medicine 2021;385(8):729-43
- Organspende. Vor einer Lebendorganspende müssen strenge Voraussetzungen erfüllt werden. https://www.organspende-info.de/lebendorganspende/voraussetzungen/, abgerufen am: 16.07.2024
- DSO Jahresbericht 2023, Stand 31.12.2023 https://dso.de/SiteCollectionDocuments/DSO-Jahresbericht%202023.pdf, abgerufen am 05.09.2024
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