Allergien nach einer Transplantation

Allergien nach einer Transplantation

Nach einer Transplantation können Allergien, z.B. gegen Pollen und Lebensmittel, auftreten.
Eine Transplantation ist für viele Menschen der Beginn eines neuen Lebens­abschnitts. Gleichzeitig verändert sich der Umgang mit dem eigenen Immun­system: Medikamente zur Immun­suppression sind not­wendig, damit der Körper das neue Organ nicht als fremd erkennt und abstößt. Das kann auch die Reaktion des Körpers auf Aller­gene beeinflussen.1 Personen, die bereits vor einer Transplan­tation an einer Aller­gie leiden, fragen sich deshalb häufig, ob sich ihre Symp­tome verändern können. Ebenso stellt sich die Frage, ob nach einer Transplan­tation neue Aller­gien entstehen oder sogar Aller­gien dadurch über­tragen werden können.

Häufigkeit von aller­gischen Reak­tionen nach Transplan­tationen

Wie häufig Allergien bei Menschen nach einer Organ­transplantation auftreten, lässt sich derzeit nicht eindeutig beant­worten. Die Prävalenz von Nahrungs­mittel­allergien bei Kindern scheint – ähnlich wie in der Allgemein­bevölkerung – höher zu sein als bei Erwachsenen.1,2 Für die all­gemeine Häufig­keit gibt es keine aus­reichenden statistischen Erhebungen speziell bei Transplan­tierten. In der Bevölkerung sind Aller­gien jedoch weit verbreitet und ihre Häufig­keit nimmt stetig zu.3 Wichtig ist auch, zwischen einer Aller­gie und einer Arznei­mittel­überempfindlich­keit zu unterscheiden. Das ist ins­besondere dann relevant, wenn die Beschwerden unmittel­bar nach einer Operation oder im Zusammen­hang mit einer neuen Medikation auftreten. Eine allergische Reaktion nach Operation kann beispiels­weise durch ein Arznei­mittel ausgelöst werden, weshalb darauf entsprechend untersucht werden muss.4

Einfluss der Transplan­tation auf Aller­gien

Die Transplantation selbst hat nur in seltenen Fällen einen Ein­fluss auf die Ent­stehung oder Veränderung einer Allergie. Die Immun­suppression dagegen, die nach einer Transplan­tation not­wendig wird und die Aktivität des Immun­systems gezielt herunter­reguliert, kann zu Veränderungen hinsichtlich aller­gischer Reaktionen beitragen.1

Verschlimmerung oder Linderung der Symp­tome

Typische allergische Beschwerden sind Juck­reiz, Haut­veränderungen, Nies­reiz, tränende Augen oder Atem­beschwerden.5,6 Besondere Vorsicht ist bei Symptomen einer schweren aller­gischen Reaktion geboten. Dazu gehören unter anderem Atem­not, Schwellungen im Mund- und Rachen­bereich oder Kreislauf­beschwerden.5 Durch die Immun­suppression wird die aller­gische Reaktion generell eher abge­schwächt. Sie wird dadurch jedoch nicht voll­ständig gehemmt. Inwiefern sich die Beschwerden einer einzelnen Person tatsächlich verbessern oder verändern, hängt u. a. vom eingesetzten Immun­suppressivum ab und lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.1 Daher sollten bestehende Aller­gien auch nach einer Transplan­tation beobachtet und bei Bedarf behandelt werden. Tritt nach einer Transplan­tation eine neue Aller­gie auf, muss diese nicht auto­matisch mit dem transplantierten Organ zusammen­hängen. Grundsätzlich können Allergien auch unabhängig von einer Transplan­tation erstmals im Erwachsenen­alter entstehen.7

Übertragbar­keit von Aller­gien der Spender*innen

Eine Frage im Zusammen­hang mit Allergien, die sich viele Menschen vor einer Transplan­tation stellen, ist, ob Aller­gien von der spendenden auf die transplan­tierte Person über­tragen werden können. Grundsätzlich ist dies möglich, bei soliden Organ­transplan­tationen jedoch selten. Eine sogenannte Donor-Acquired Allergy (durch die spendende Person erworbene Allergie) kann entstehen, wenn mit dem transplan­tierten Organ auch allergie­relevante Immun­zellen oder andere Bestand­teile des Immun­systems der Spender*innen übertragen werden.8

Eine 2025 veröffentlichte systematische Übersichts­arbeit wertete 24 Studien mit insgesamt 747 Organ­empfänger*innen und 135 aller­gischen Spender*innen aus. Dabei konnte bei 30 Empfänger*innen eine durch die Transplan­tation erworbene Allergie fest­gestellt werden. Ein erhöhtes Risiko zeigte sich insbesondere nach Leber- und Lungen­transplantationen.8 Auch eine Schweizer Untersuchung zeigte, dass eine Über­tragung allergischer Sensibili­sierungen nach einer Organ­transplantation möglich ist. So wurden in mehreren Empfänger*innen neu erworbene erdnuss­spezifische IgE-Antikörper nach­gewiesen, nachdem diese eine Transplan­tation von drei Spender*innen mit Erdnuss­allergie erhalten hatten, von denen zwei eine schwere anaphylak­tische Reaktion (Grad III) entwickelten. Solche Fälle sind jedoch insgesamt selten.9

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Rolle der Immunsuppression

Die Immunsuppression ist nach einer Organ­transplantation unverzichtbar. Sie unter­drückt die Immun­reaktion gegen das transplantierte Organ und reduziert so das Risiko einer Abstoßungs­reaktion. Dadurch werden aller­dings auch andere Immun­reaktionen verändert – bei Allergien können sich abhängig von der Art der Allergie und der eingesetzten Substanz beispiels­weise die Symptome verringern. Es bedeutet jedoch nicht, dass allergische Reaktionen voll­ständig verhindert werden.1

Risiken und Neben­wirkungen der Immun­suppressiva

Immunsuppressive Medikamente können verschiedene Neben­wirkungen haben. Dazu gehören eine erhöhte Infekt­anfälligkeit sowie je nach Wirk­stoff weitere unerwünschte Arznei­mittel­wirkungen.10 Deshalb sollten neue Beschwerden nach einer Transplan­tation nicht vor­schnell als Allergie eingeordnet werden. Ein Haut­ausschlag, Juck­reiz oder andere Symptome können auch durch eine Arznei­mittel­nebenwirkung oder eine Infektion verursacht werden.11 Immunsuppressive Medikamente dürfen nicht eigen­ständig abgesetzt oder in ihrer Dosierung verändert werden. Jede Anpassung sollte mit dem behandelnden Transplan­tations­team abgestimmt werden.12

Allergologische Diag­nostik und Behandlungs­ansätze bei aller­gischen Reaktionen nach Transplantation

Die Behandlung richtet sich nach Art, Aus­löser und Schwere der aller­gischen Reaktion. Zunächst sollte möglichst geklärt werden, wodurch die Beschwerden ausgelöst werden. Dazu gehören eine ausführliche Anamnese und allergo­logische Unter­suchungen. Bei Verdacht auf eine Arznei­mittel­überempfindlichkeit spielen beispiels­weise der zeitliche Zusammen­hang zwischen Medikamenten­einnahme und Symptom­beginn sowie die Art der Reaktion eine wichtige Rolle. Da nach einer Transplantation häufig mehrere Medikamente gleich­zeitig eingenommen werden, sollte eben­falls möglichst genau dokumentiert werden, welches Medikament wann eingenommen wurde und wann die Symptome begonnen haben.13,14

Die Leitlinie der Arbeits­gemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesell­schaften (AWMF) beschreibt verschiedene diag­nostische Verfahren und betont die Bedeutung einer strukturierten Abklärung.4 So kann dazu beigetragen werden, unnötige Einschränkungen bei der Medikamenten­auswahl zu vermeiden und gleich­zeitig das Risiko erneuter Reaktionen zu reduzieren.4 Auch rezept­freie Medikamente und pflanzliche Präparate sollten nach einer Transplan­tation nicht ohne vorherige Rück­sprache eingenommen werden. Das behandelnde Team kann prüfen, ob Wechsel­wirkungen mit der bestehenden Transplantations­medikation zu erwarten sind.

Zur Behandlung können je nach Allergie Maßnahmen zur Vermeidung des Aller­gens oder Medikamente zur Linderung der Beschwerden eingesetzt werden.15 Bei Transplantierten muss dabei immer die bestehende Medikation berück­sichtigt werden, da Wechsel­wirkungen mit Immun­suppressiva möglich sind.13,14 Eine spezifische Immun­therapie, beispiels­weise eine Hyposensibi­lisierung, sollte bei Transplantierten nur nach sorg­fältiger ärztlicher Prüfung erfolgen.

Erfahrungs­berichte und Fall­studien

Fallberichte aus der wissenschaftlichen Literatur zeigen, dass eine Übertragung von Allergien durch eine Transplan­tation in seltenen Fällen klinisch relevant werden kann. So wurde beispiels­weise über zwei transplantierte Personen berichtet, die nach einer Lungen­transplantation eine erworbene Erdnuss­allergie zeigten und auch schwere allergische Reaktionen entwickelten.16,17 Solche Fall­berichte sind nicht auf die Gesamt­heit der Transplantierten übertragbar. Sie verdeutlichen jedoch, warum neu auftretende allergische Beschwerden nach einer Transplan­tation ernst genommen und medizinisch abgeklärt werden sollten.

Fazit

Allergien nach Transplantation können verschiedene Ursachen haben. Eine bestehende Allergie kann sich unter der Immun­suppression in ihrer Ausprägung verändern. Gleichzeitig können Allergien unabhängig von der Transplantation neu auftreten. In seltenen Fällen ist auch eine Übertragung einer allergischen Sensibili­sierung von Spender*innen auf Empfänger*innen möglich.1,8,18  Sollten Sie nach einer Transplantation allergische Symptome fest­stellen, informieren Sie unbedingt Ihr behandelndes Transplanta­tions­team darüber.

FAQs – Häufig gestellte Fragen

Nach einer Organtransplantation können verschiedene Komplikationen auftreten. Dazu gehören beispiels­weise Infektionen, Neben­wirkungen der Medikamente und Probleme mit dem transplantierten Organ. Eine besondere Komplikation ist die Abstoßungs­reaktion.11 Welche Komplikationen im Einzel­fall auftreten können, hängt unter anderem vom transplantierten Organ und vom individu­ellen Gesundheits­zustand ab. Neue oder ungewöhnliche Beschwerden sollten deshalb immer mit dem behandelnden Transplanta­tions­team besprochen werden. Auch allergische Reaktionen können nach einer Transplantation auftreten.1,8,18 Sie sind jedoch nicht auto­matisch die Ursache für Beschwerden wie Haut­ausschlag oder Juck­reiz. Insbesondere bei einer neuen Medikation sollte auch eine Arznei­mittel­überempfindlich­keit in Betracht gezogen werden.13
Ja. Eine Allergie kann grundsätzlich in jedem Lebens­alter neu auftreten. Nach einer Transplan­tation kann eine neu auftretende Allergie verschiedene Ursachen haben.1,8,13,18 Möglich sind eine unabhängig von der Transplantation entstandene Allergie oder eine Reaktion auf ein Medikament.8,13 In seltenen Fällen kann auch eine aller­gische Sensibili­sierung der Spender*innen übertragen werden.8 Die aktuelle wissenschaftliche Daten­lage zeigt, dass dieses Phänomen insbesondere bei Leber- und Lungen­transplantationen beschrieben wurde.8 Treten nach einer Transplantation erst­mals allergische Beschwerden auf, sollte deshalb eine ärztliche Abklärung erfolgen. So lässt sich feststellen, welcher Aus­löser in­frage kommt und welche Behandlung geeignet ist.
  1. Hosakoppal SS, Bryce PJ. Transplant-Acquired Food Allergy: Current Perspectives. J Asthma Allergy. 2017;10:307-15.
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Bildquelle: iStock.com/Nadezhda Buravleva

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