Wieder zu Hause nach Transplantation: Tipps & Ratschläge
Angehörige leisten einen sehr wichtigen Beitrag für das Wohlergehen und die Genesung transplantierter Patient*innen. So zeigte eine Studie, dass Transplantierte in einem unterstützenden sozialen Umfeld nach der Transplantation seltener an Depressionen erkrankten, eine bessere Mobilität aufwiesen und besser sozial agieren konnten als Betroffene ohne ein stabiles soziales Umfeld.
Vermutlich haben Sie sich schon gefragt, was Sie konkret unternehmen können, um Ihrem transplantierten Familienmitglied oder Ihrem Freund oder Ihrer Freundin die Rückkehr in das alltägliche Leben mit dem neuen Organ zu erleichtern. Hier gibt es einige Möglichkeiten. Denn kommen frisch Transplantierte nach Hause so muss er oder sie einige Dinge beachten. Dazu gehört zum Beispiel die korrekte und regelmäßige Einnahme von Medikamenten, die die körpereigene Abwehr schwächen (Immunsuppressiva), um eine Abstoßung des neuen Organs zu verhindern. Unterstützen Sie, indem Sie an die Medikamenteneinnahme erinnern. Außerdem können Sie darauf achten, dass die anstehenden Nachsorgetermine und Kontrolluntersuchungen eingehalten werden. Bieten Sie Ihre Begleitung an, um der betroffenen Person eine seelische Stütze zu sein.
Das Leben mit einer neuen Niere erfordert die dauerhafte Anpassung der Patient*innen an eine gesunde Lebensführung, welche Ruhe, eine gesunde Ernährung sowie Sport und Bewegung beinhaltet. Bereiten Sie beispielsweise gemeinsam Mahlzeiten zu und entdecken Sie gesunde leckere Rezepte. Achten Sie hierbei jedoch auf eine ausreichende Hygiene bei dem Umgang mit Lebensmitteln. So sollten aufgrund des Infektionsrisikos beispielsweise rohes Fleisch, roher Fisch und Rohmilchprodukte besser nicht zubereitet werden. Auch Grapefruitsaft sollte gemieden werden, da dieser den Spiegel der Immunsuppressiva erhöhen kann. Darüber hinaus ist darauf zu achten, keine Bergamotte oder Johanniskraut in Form von Lebensmitteln oder pflanzlicher Arzneimittel zu sich zu nehmen. Die Einnahme zusätzlicher, auch freiverkäuflicher Medikamente, sollte unbedingt mit dem Transplantationsarzt oder der Transplantationsärztin im Vorhinein besprochen werden.
Da die Einnahme von Immunsuppressiva das Risiko für die Entwicklung von Diabetes mellitus und Osteoporose erhöht, ist besonders bei Transplantierten auf eine ausreichende Bewegung zu achten. Gemeinsame Bewegung macht nicht nur mehr Spaß sondern kann auch in kleinen Gruppen die Rückkehr in das soziale Leben erleichtern. Halten Sie gemeinsam Rücksprache mit dem Transplantationszentrum welches Maß der körperlichen Anstrengung für ihren Angehörigen oder ihre Angehörige angemessen ist und nicht zur Überforderung führt.
Initiieren Sie Treffen und Freizeitaktivitäten mit Familien und Freunden, die für den Transplantierten oder die Transplantierte angemessen sind und körperlich und seelisch nicht überfordern. So sorgen Sie für Ablenkung von den etwaigen Ängsten, die den Transplantierten oder die Transplantierte um sein oder ihr neues Organ begleiten und unterstützen die Rückkehr in das soziale Leben.
Vergessen Sie jedoch bei aller Fürsorge nicht auch auf sich selbst Acht zu geben und ihr eigenes Leben zu führen. Nehmen Sie sich Freiräume und Auszeiten, die nur für Sie selbst bestimmt sind. Oft begleiten Angehörige die Patient*innen bereits vor der Transplantation aufopferungsvoll und haben einen gemeinsamen Weg voller Sorge und Hoffnung hinter sich. Dies kann auch die stärksten Charaktere überfordern. Ein Erfahrungs- und Gedankenaustausch mit anderen Nahestehenden ist eine gute Möglichkeit seelische Entlastung zu erfahren. Scheuen Sie sich nicht um Hilfe zu bitten, wenn es Ihnen zu viel wird. Neben weiteren Familienmitgliedern und Freunden besteht auch die Möglichkeit eine psychosoziale Beratungsstelle oder eine psychotherapeutische Unterstützung aufzusuchen, die Ihnen eine professionelle Hilfe bieten kann.
- Christensen AJ, Raichle K, Ehlers SL, et al. Effect of family environment and donor source on patient quality of life following renal transplantation. Health Psychol 2002;21(5):468-76 Türk TR, Witzke O, Zeier M. KDIGO-Leitlinien zur Betreuung von Nierentransplantatempfängern. Der Nephrologe 2010;5(2):94-107
- Universitätsmedizin Mainz. Angehörige von Patienten rund um die Transplantation – Warum sie so wichtig sind für den Erfolg –. Dr. med. G. Greif-Higer. http://www.transplantationszentrum-freiburg.de/files/Vortraege/PIT2018/01_Greif-Higer.pdf. Abgerufen am 05.08.2021
- Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Transplantations-Zentrum des Universitätsklinikums Heidelberg. Nierentransplantation bei Kindern und Jugendlichen. https://www.klinikum.uni-heidelberg.de/fileadmin/Chirurgie/AllgemeineChirurgie/PDFs/Nierentransplantation_bei_Kindern_und_Jugendlichen.pdf. Stand: Februar 2015. Abgerufen am 05.08.2021
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